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365 Tage Mitglied der Schulpflege: ein Erfahrungsbericht

27. September 2017 von

Foto: zvg

Claudia Rabelbauer, EVP

Von

Online seit
27. September 2017

Printausgabe vom
28. September 2017
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Vor rund einem Jahr rutschte ich für einen Parteikollegen in der Schulpflege Zürichberg nach. Als ehemalige Lehrerin und Schulleiterin in Zürich Höngg hatte ich nun die Gelegenheit, die Schule aus der Behördenperspektive zu betrachten.

Nachdem ich zuvor den Besuchstermin vereinbarte, fahre ich nun los. Es ist kurz vor acht Uhr morgens, ich suche verzweifelt den Kindergarten, der in den verwinkelten Gassen am Zürichberg
unauffindbar ist. Dank Navi im Handy finde ich den kleinen
Kindergarten aber doch noch rechtzeitig. Die Klasse übt gerade
das Märchen «Rumpelstilzchen». Die Kinder sind emsig dabei, singen, tanzen, die Jüngeren spielen die Waldtiere und warten konzentriert auf ihren Einsatz, die Älteren rezitieren ihre Texte, teils fliessend, teils schüchtern. Die Lehrperson gibt letzte Anweisungen, sicher wird am Abend bei der Elternvorführung kein Auge trocken bleiben. Ich bedanke mich herzlich für den kurzen Einblick in die Schulstube, protokolliere, was ich gesehen habe und düse zum nächsten Schulbesuch.

Alle befürworten die Integration und haben doch Vorbehalte

Ich besuche eine Mathematikstunde der 3.-Klässler. Nach der
Lektion bleibt mir noch Zeit für einen kurzen Schwatz. Die erfahrene Lehrperson stöhnt wie auch zuvor die Kindergärtnerin über jene Kinder, die sich im Klassenverband nicht so recht einordnen können, viel Aufmerksamkeit brauchen und Kraft rauben. Ein Thema, das sich durch alle Schulbesuche hindurchzieht. Alle befürworten die Integration und doch bleibt der Klassenverband auf der Strecke und die Lehrperson sich selbst überlassen, wenn Kinder in der Regelklasse nicht tragbar sind. Die Wirkung der knappen Förderressourcen kann als homöopathisch bezeichnet werden. Ein Thema, das die Politik auch in den nächsten Jahren weiterhin beschäftigen wird.

70 % der Kinder besuchen den Hort

Der neugebaute Horttrakt ist modern und entspricht den Bedürfnissen der Betreuung vollumfänglich bis auf den Platz. An stark belegten Tagen essen die Kinder Schicht. Es gibt täglich eine
warme, vollwertige Mahlzeit, doch logistisch ist die Herausforderung für das Hortpersonal gross. Der Balanceakt zwischen Grundbedürfnisse stillen und Raum und Zeit haben für pädagogische Angebote oder persönliche Gespräche ist nicht leicht. Dies wird auch bei der Einführung der Tagesschulen eine grosse Herausforderung bleiben.

Gut geleitete Schulen dank guten Schulleitungen

Obschon die Flut der Reformprojekte nicht abflaut, federn die
Schulleitungen vieles, was von oben kommt, gegenüber dem
Schulteam gekonnt ab. Globalkredit, Qualitätsentwicklung, neuer
Berufsauftrag, Einführung der Tagesschulen, um nur einige zu
nennen. Der administrative Aufwand ist für die Schulleitungen
sehr hoch, soll aber dank der Einführung von Schulsekretariaten
etwas vermindert werden. Nach diesem intensiven Schulbesuchstag fahre ich mit vielen neuen Eindrücken zurück zur Arbeit. Wir haben wirklich eine gute Volksschule, doch wir müssen ihr auch Sorge tragen. Gerne leiste ich meinen Beitrag als Schulpflegerin, damit dies auch in Zukunft so bleibt. 

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