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Sozialzentrum Hönggerstrasse

An der Nahtstelle zwischen Quartier und Verwaltung

27. September 2016 von

Foto: zvg

Andrea Rüegg, Mitarbeiterin der Quartierkoordination, Soziale Dienste Zürich

Von

Online seit
27. September 2016

Printausgabe vom
29. September 2016
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Seit über 40 Jahren leistet die Quartierkoordination zusammen mit der Bevölkerung, Vereinen und anderen Organisationen in der Stadt Zürich einen Beitrag zu vielfältigen und durchmischten Quartieren mit einer hohen Lebensqualität.

Eine Stadt lebt davon, dass die Menschen ihren Lebensraum mitgestalten können. Die Quartierkoordination, eine Abteilung der Sozialen Dienste des Sozialdepartementes, setzt sich unter anderem dafür ein, indem sie dafür sorgt, dass die sozialen Aspekte in die städtische Verwaltung und deren Planungsvorhaben und Projekte miteinfliessen. Nebst diesen Aufgaben innerhalb der Stadtverwaltung arbeitet die Quartierkoordination auch an der Nahtstelle zwischen Bevölkerung und Verwaltung. Sie nimmt Anliegen der Bevölkerung auf und vernetzt unterschiedliche Personen und Organisationen in den Quartieren. So können Synergien zwischen den Organisationen entstehen, und Ressourcen gezielt eingesetzt und genutzt werden. Wie zum Beispiel in Wipkingen, Höngg und Unterstrass, wo es unter anderem darum geht, Asylsuchende in die Quartiere und in die Stadt zu integrieren.

Grosses Engagement von Freiwilligen und sozialen Organisationen für die Asylsuchenden

Viele Anfragen von sozialen Institutionen und Privatpersonen aus Wipkingen, Höngg und Unterstrass zum Thema «Asylsuchende im Quartier» haben die Quartierkoordination dazu veranlasst, im November 2015 mit der Asylorganisation der Stadt Zürich (AOZ) Kontakt aufzunehmen, um mehr über deren Aufgaben und Wirken in den Quartieren Wipkingen, Höngg und Unterstrass zu erfahren. Persönliche Gespräche mit verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern der AOZ zeigten: Die Organisation ist stark mit dem Aufbau von Strukturen und mit Unterbringungsmöglichkeiten von Asylsuchenden beschäftigt, weil in kurzer Zeit sehr viele Asylsuchende nach Zürich gekommen sind. Gleichzeitig führte die grosse mediale Aufmerksamkeit über das Leid der Flüchtlinge auf ihren Fluchtrouten auch zu vielen Anfragen von Freiwilligen bei der AOZ. Freiwillige, die gerne ihre Hilfe und Unterstützung angeboten hätten.

Koordination und Vernetzung unerlässlich

Aufgrund der damaligen Situation war es der AOZ ein Anliegen, dass die Quartierkoordination sie in der Koordination der vielen Anfragen und Angebote von Freiwilligen vor allem in den Durchgangszentren Wipkingen und Unterstrass unterstützt und Freiwillige mit professionellen Organisationen aus den Quartieren vernetzt.
Die Quartierkoordination brachte das Thema in die Gruppe «Sozialraum Waidberg» ein. Die Gruppe Sozialraum Waidberg ist ein Vernetzungsgremium, in dem nebst der Quartierkoordination die Gemeinschaftszentren der Kreise 6 & 10, die Offene Jugendarbeit Kreis 6 und Wipkingen und das Quartierhaus Kreis 6 vertreten sind. Der Gruppe war es wichtig, einen Überblick über den Bedarf der Asylsuchenden und über die bestehenden Angebote für diese Zielgruppe im Quartier zu erlangen. Die Bestandesaufnahme zeigte, dass das Thema eine hohe Akzeptanz im Quartier hat und das Engagement der Quartierbevölkerung über die Quartiergrenzen hinausgeht.
Die Koordination und Information über alle Angebote stellte eine immense Herausforderung dar. Eine Lösung mit einer elektronischen Plattform, auf der sich nebst Institutionen und Organisationen auch engagierte Bewohnerinnen und Bewohner informieren können, welche Angebote schon bestehen und wo es allenfalls noch Ergänzungsbedarf gibt, konnte leider nicht realisiert werden.

Praktikable Lösungen für anspruchsvolle Herausforderungen

Deshalb übernahm die Quartierkoordination die Aufgabe, die sozialen Institutionen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Quartieren direkt und persönlich über die Situation und die Angebote zu informieren. In der Folge beschlossen die Gemeinschaftszentren der Kreise 6 & 10 sowie die Offene Jugendarbeit Kreis 6 und Wipkingen, bestehende, kostenpflichtige, soziokulturelle Angebote und Kurse punktuell und kostenfrei für Asylsuchende zu öffnen und die Zusatzaufwände durch Spendengelder zu finanzieren. Ebenfalls entschied das Sozialzentrum Hönggerstrasse, die Mütter-und Väterberatung auch vor Ort in den Durchgangszentren anzubieten. Durch die Arbeit der Quartierkoordination und der Gruppe Sozialraum Waidberg, dank der Koordination, dem Austausch von Informationen sowie der Vernetzung der Institutionen konnten in beiden Quartieren in kurzer Zeit vielfältige und adressatengerechte Angebote für Flüchtlinge aufgebaut und nutzbar gemacht werden. Das Beispiel zeigt auch, wie das partnerschaftliche Zusammenspiel zwischen ehrenamtlichem Engagement und den professionell tätigen Akteuren in einem Quartier funktionieren kann. Mit der Nutzung der unterschiedlichen Möglichkeiten und Stärken gelingt es, solch grosse gesellschaftliche Herausforderungen, wie die Aufnahme und Unterbringung von Asylsuchenden in einem städtischen Quartier, effizient und zum Nutzen und zum Wohl aller zu lösen. Dies trägt zu einer hohen Lebensqualität und einem vielfältigen Quartier bei. Es ist beeindruckend zu erleben, wie viel Herzblut, Ideen und Zeit in die Freiwilligenarbeit investiert wird. Das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist ein wesentlicher Beitrag zur Bewältigung derartiger Herausforderungen. Ebenso trägt der Kontakt und Austausch, der unter den Freiwilligen und zu den Flüchtlingen zustande kommt, einen wichtigen Teil zum Zusammenleben im Quartier und zur Integration bei.

Andrea Rüegg, Mitarbeiterin der Quartierkoordination der Sozialen Dienste der Stadt Zürich

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