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Quartierleben

Der Park der Generationen – jedem sein Töpfchen?

28. Juni 2016 von

Foto: Redaktion Wipkinger

Der Spielplatz im Park wird gerne und rege genutzt.

Foto: Redaktion Wipkinger

Da muss mal jemand Pipi.

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Online seit
28. Juni 2016

Printausgabe vom
30. Juni 2016
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Mitten in Wipkingen befindet sich der Landenbergpark. Es ist ein Park der Generationen, denn häufig haben die Eltern, die mit ihren Kindern in den Park gehen, selbst schon als Kinder dort gespielt. Eine Toilette sucht man vergebens. Ein Problem?

Der Landenbergpark ist ein Naherholungsgebiet mitten in Wipkingen. Hier treffen Generationen aufeinander. Marie-Louise Ehrismann beispielsweise erinnert sich: «Als ich Kind war, spielten meine Geschwister und ich häufig mit unseren Freunden im Landenbergpark. Schön, dass es diesen immer noch gibt und er immer noch rege genutzt wird.» So wie sie sind viele mit dem Park in der Mitte des Quartiers aufgewachsen. Sitzbänke laden zum Verweilen und Pausieren ein, Bäume spenden Schatten, Blumen beleben die Sinne und der Spielplatz lässt Kinderherzen höher schlagen.

«Ich muess mal Pipi mache»

Wer Kinder hat, der kennt das: «Mami, ich muess Pipi mache» oder «Papi, ich sett ganz dringend ufs Hüsli». Doch woher so schnell eine Toilette herzaubern? Im Landenbergpark sucht man vergebens eine. Das nächstgelegene WC ist am Bahnhof Wipkingen zu finden. Nicht allzu weit weg, werden jetzt viele denken, doch für ein Kind ist diese Distanz sehr weit, denn vor allem kleinere Kinder merken immer erst, dass sie aufs Töpfchen müssen, wenn’s schon fast zu spät ist. Und was, wenn man mit zwei oder mehreren Kindern hier ist? Die anderen einfach alleine lassen? Da ist guter Rat teuer oder doch nicht? Was tun? Während sich die Schreibende noch nach Möglichkeiten umsieht, stampft ein kleiner Junge an ihr vorbei, zielstrebig das Gebüsch im Visier. Kaum dort angekommen, dringt er so weit hinein, dass nur noch sein Kopf zu sehen ist und kommt mit einem zufriedenen und scheinbar erleichterten Lächeln auf den Lippen ein paar Minuten später wieder heraus. Auf die Frage, was er denn gemacht habe, meint er ganz selbstverständlich: «Ich han ebe müesse bisle, weisch.» Kaum gesagt, hüpft er fröhlich zum Spielplatz, um mit seinen «Gspändli» weiterzuspielen.

Darf hier jeder sein Geschäft verrichten?

Verblüfft schaut die Schreibende ihm nach und schaut sich dann nach der Mutter um. Diese sitzt gemütlich auf einer Bank und schaut dem Sprössling beim Spielen und Agieren zu. Auf die Frage, ob sie gesehen habe, dass ihr Junge im Gebüsch sein Geschäft verrichtet habe, meint sie: «Ja natürlich, das machen wir immer so, es hat ja kein WC hier und bis zum Bahnhof würde er es nicht schaffen. Ist ja kein Problem.» So wie diese Mutter sehen es viele Eltern, die im Landenbergpark anzutreffen sind. Hat man sich früher noch geschämt, wenn ein Kind einfach in ein Gebüsch pinkelte, scheint dies heute, zumindest im Landenbergpark, normal zu sein. So normal, dass sich niemand darüber aufregt. Wirklich niemand? Nein, so stimmt das nicht. Es gibt Leute, welche sich daran stören, weiss Quartiervereinspräsident Beni Weder. «Einige Personen, darunter auch Eltern, haben sich bei uns gemeldet, weil sie es als störend empfinden, dass die Kinder ihr Geschäft einfach im Gebüsch verrichten», erklärt er. Der Quartierverein Wipkingen betreibt das WC am Bahnhof Wipkingen. «Eigentlich handelt es sich dabei um ein privates WC, das durch uns betrieben wird. Wie lange es noch betrieben werden kann, ist ungewiss, denn wir wissen nicht, wie lange wir diesen Platz von den SBB weiter mieten können», so Weder weiter.

Kein WC im «Masterplan WC»

Beni Weder hält weiter fest: «Ein öffentliches WC irgendwo rund um den Röschibachplatz wäre schon ideal und der Landenbergpark würde sich gut dafür eignen, denn es frequentieren ja auch Leute den Park, die nicht unmittelbar in der Umgebung wohnen.» Geplant ist aber gemäss «Masterplan WC» der Stadt Zürich keine öffentliche Toilette im Landenbergpark. Lukas Handschin, Kommunikationsbeauftragter vom für den Unterhalt des Parks zuständigen Grün Stadt Zürich, sieht keinen Handlungsbedarf. «Aus unserer Sicht ist hier kein WC nötig, denn die meisten Leute, die den Park als Naherholung nutzen, kommen aus den umliegenden Quartieren. Eine grössere Parkanlage, am See beispielsweise, braucht hingegen öffentliche Toiletten.» Auch hält er fest, dass sich die Gärtner, welche die Anlage pflegen und hegen, bisher noch nie über Verunreinigungen beschwert hätten.

Pipi machen ist o.k., aber bitte keine Vögel füttern

Ein Problem sei hingegen eher die Fütterung der Vögel. «Das Füttern der Vögel zieht im schlimmsten Fall Ratten an, und das wäre wirklich ein ernstzunehmendes Problem», erklärt Handschin. Daher wird gebeten, das Vogelfutter besser zuhause zu lassen. Es scheint, als würde der Landenbergpark weiterhin ohne öffentliche Toilette auskommen müssen. Abgesehen vom mobilen WC-Wagen, der während des Landenbergfests jeweils im Einsatz ist und rege genutzt wird.
Hunde sind im Landenbergpark übrigens verboten. Von wem wohl das «dicke Geschäft» ist, in welches die Schreibende während ihres Besuches im Park getreten ist?

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