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Quartierleben

Ein Gänse-Ei zum Geburtstag

27. September 2017 von

Foto: zvg

Die Steinerschwestern an einem Feierabendtreff von Tauschen am Fluss.

Von

Online seit
27. September 2017

Printausgabe vom
28. September 2017
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«Tauschen am Fluss» feiert dieses Jahr sein 10-Jahre-Jubiläum. Das Interview gibt Einblick in das «Tauschleben» der Schwestern Manuela und Karin Steiner. Sie sind seit vielen Jahren begeistert beim Netzwerk dabei. Beide sind leidenschaftliche und gute Handwerkerinnen und bieten am Tauschmarkt eine vielseitige und kreative Produkte-Palette an.

Ursula Marx: Manuela und Karin, woher habt ihr diesen Ideenreichtum und das handwerkliche Können?

Manuela: Unsere Grossmutter war Bäuerin. Sie hat alles selbst gemacht, Kleider genäht, Lebensmittel produziert, sie war eine gute Köchin. Mit der Mutter haben wir viel mit unterschiedlichen Materialien gebastelt. Wir haben all das einfach im Alltag mitbekommen, selbst ausprobiert und gelernt. Deshalb geht uns heute vieles leicht von der Hand. Und so entstehen immer wieder neue Produkte, die wir auf dem Tauschmarkt anbieten können.

Was habt ihr am «Zürich tauscht» Markt im Juli angeboten?

Karin: Ich führte einen Stand mit Recyclingprodukten aus Kaffeebeuteln. Das waren Taschen aller Art, Kreditkarten und Handy-Etuis, neu dazu kamen Schutzhüllen für Sensen.

Manuela: Bei mir konnte man mit der Tauschwährung «Zeit» Buchskulpturen, Kräutersalz, Katzenravioli und Alpkäse kaufen. Ich verbringe jedes Jahr den Sommer auf der Alp und helfe beim Käsen.

Manuela, was bietest du sonst noch auf dem Tauschmarkt an?

Manuela: Ich habe zehn Jahre in Malaga gelebt und besitze dort zwei Ferienwohnungen, die ich regelmässig mit den Kindern nutze. Wenn die Wohnungen frei sind, vermiete ich sie an Mitglieder von «Tauschen am Fluss». Dann stehen sie nicht leer und ich erhalte Tausch-Stunden dafür.

Manuela, deine Kinder sind auch ins Tauschen involviert. In welcher Form?

Manuela: Den achten Geburtstag meiner Tochter feierten wir im Wald mit dem Pferd einer Tauscherin. Die Stadtkinder führten die Pferdedame durch den Wald. Reiten konnte man sie nicht mehr, sie war zu alt. Das war ein spezielles und schönes Erlebnis für die Kinder. Am Schluss, wieder zurück auf dem Hof, machten wir einen Besuch bei den Gänsen, die gerade Eier gelegt hatten. Beglückt gingen wir mit geschenkten Gänseeiern nach Hause.
Auch die zweite Geschichte hat mit Tieren zu tun: Per Inserat in der Marktzeitung boten wir an, bei Ferienabwesenheit Tiere zu hüten. Immer wieder hatten wir dieselbe Katze bei uns zu Besuch, einmal sogar acht Wochen lang. Die Kinder freuten sich jedes Mal auf den Feriengast und übernahmen die Verantwortung für das Tier. Das war eine tolle Erfahrung für sie. Und dazu eine optimale Lösung, denn ich wollte in unserer Stadtwohnung keine eigenen Haustiere.

Was gönnt ihr euch mit Tauschstunden?

Karin: Mein Velo putzt und repariert jeweils jemand von «Tauschen am Fluss». Auch liebevoll zubereitete kulinarische Köstlichkeiten geniesse ich immer wieder.

Manuela: Zurzeit erfülle ich mir einen langjährigen Wunsch. Ich gehe bei einer Tauscherin in die Klavierstunde. Auch bei meiner Steuererklärung hilft mir jemand und ich gönne mir ab und zu eine Pediküre oder Massage. Das würde ich mir ohne Tauschnetz nicht gönnen.

Interview: Ursula Marx, Quartierarbeit GZ Wipkingen

Mehr zum Thema:
www.tauschenamfluss.ch

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