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Katholische Pfarrei Guthirt

Eine Kirchensanierung hat viele Besonderheiten

14. Dezember 2017 von

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14. Dezember 2017

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14. Dezember 2017
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Die katholische Kirche Guthirt, erbaut in den Jahren 1922/23, wird 2018 komplett renoviert. Bereits seit zwei Jahren plant die dazu einberufene Baukommission zusammen mit den Architekten und den Behörden die Instandsetzung des Wahrzeichens von Wipkingen mit der einprägsamen, kupfergrünen Kuppel. Beat Decasper, Präsident der Baukommission, gibt Auskunft über die bevorstehenden Arbeiten am und im Gebäude, die Herausforderungen in der Planung und den Stellenwert des Gotteshauses für Wipkingen.

Herr Decasper, was verbindet Sie persönlich mit der Kirche Guthirt?

Beat Decasper: Ich wohne mit meiner Familie seit 20 Jahren in Wipkingen. Guthirt ist meine Kirchgemeinde, meine Kirche, zu der ich mich zugehörig fühle. Ausserdem waren meine Töchter hier im Blauring und sind teilweise noch heute aktiv in der Gemeinde.

Welche Bedeutung hat die Kirche Guthirt Ihrer Meinung nach für das Quartier?

Im religiösen Sinn ist sie das Zentrum der katholischen Kirchgemeinde. Sie ist darüber hinaus aber auch ein Ort der Begegnung,ein gesellschaftlicher Treffpunkt, an dem die verschiedensten Bevölkerungsgruppen und Generationen zusammenkommen. Neben den Messen werden im Zentrum Feste gefeiert, zum Beispiel das Fest der Völker «Alle an einem Tisch». Bei uns werden inzwischen auch vermehrt Anlässe veranstaltet, die sich an die breite Öffentlichkeit richten. Zu denken ist hier beispielsweise an die Kinderfasnacht oder das Sofa-Openair- Kino.

2018 steht nun eine umfassende Renovation der Kirche an. Weshalb wurde diese nötig?

Letztmals wurde die Kirche in den 1970er-Jahren einer Totalsanierung unterzogen. Das war vor mehr als 40 Jahren. Entsprechend gibt es inzwischen einiges zu tun.

Welche Eingriffe müssen vorgenommen werden?

Wir planen wiederum eine Totalsanierung und renovieren dabei das gesamte Gotteshaus. Dies geht von der Aussenhülle über den Innenraum bis hin zur Krypta, der Kapelle unter der Hauptkirche. Gleichzeitig werden wir auch die Schulungsräume auf Vordermann bringen. Nachholbedarf gibt es vor allem auch in der Gebäudetechnik: Wir müssen die Heizung ersetzen und die Lüftung sowie die Elektroinstallationen erneuern. Darüber hinaus werden wir die Beleuchtung auf den neusten Stand bringen. Für die Energiegewinnung werden wir eine Photovoltaik-Anlage installieren. Damit wollen wir unseren Eigenbedarf an Strom decken.

Wie lange werden die Arbeiten dauern?

Wir starten im Januar 2018. Wenn das Projekt wie geplant vorankommt, sollten die Bauarbeiten bis im Advent 2018 abgeschlossen sein. Die Hauptorgel aus dem Jahr 1931 wird separat instandgesetzt. Grund dafür ist der Staub, den die Renovation des Gebäudes verursacht und der das Instrument beschädigen würde. Die Hauptorgel dürfte im Frühling 2019 wieder im Einsatz stehen.

Eine Kirchenrenovation ist kein alltägliches Unterfangen. Wodurch unterscheidet sich die Sanierung von jener eines normalen Wohn- oder Gewerbeobjektes?

Die Kirche ist ein sakraler Raum. Hier hat einerseits die Diözese, also das Bistum, und andererseits auch die Denkmalpflege ein Mitspracherecht. Ein Beispiel: Wir wollten eigentlich den Kirchenraum durch einen Vorhang unterteilen und den Altar transportierbar machen. Eine Unterteilung war wegen der Denkmalpflege nicht möglich, beim beweglichen Altar legte die Diözese ihr Veto ein. Eine Kirchensanierung hat viele Besonderheiten. Man muss deutlich mehr Dinge beachten, als bei einer gewöhnlichen Hausrenovation.

Konnte die Baukommission dennoch neue Ideen bei der Planung einbringen?

Grössere bauliche Eingriffe waren aufgrund des Denkmalschutzes nicht möglich, insbesondere im Kircheninnenraum. Gleichwohl konnten wir viele Ideen einbringen, vor allem in den Details. Zudem wird auch die Krypta völlig neugestaltet. Hier haben wir davon profi tiert, dass uns die bestehende Lösung viele Möglichkeiten offenliess.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz?

Der Denkmalschutz ist unser ständiger Begleiter. Im Prinzip entscheidet die Behörde mit – fast wie ein Bauherr. Insgesamt ist das Verhältnis aber gut, und – und darüber war ich manchmal froh – der Denkmalschutz hat eine Linie. Er berät und lässt hin und wieder auch eine vielleicht abstruse Idee nicht zu.

Welche ökologischen Massnahmen werden Sie bei der Renovation umsetzen?

Bei der Verbesserung der Energieeffizienz spielt die Heizung eine entscheidende Rolle. Diesbezüglich haben wir uns umfassend beraten lassen und werden daraufhin nun eine Photovoltaik-Anlage installieren. Weiter haben wir die Absicht, die Kirche am zukünftigen Fernwärmenetz anzuschliessen – schliesslich soll eine Leitung laut der Planung des ERZ Zürich in die Guthirtstrasse gelegt werden. Da dies derzeit noch nicht der Fall ist, werden wir in der Zwischenzeit eine Gasheizung mit Biogas nutzen.

Wie sind die bisherigen Arbeiten, die Planung der Renovation, die Baueingabe, vorangekommen?

Bis jetzt sind wir im Plan. Unser Vorhaben könnte allerdings durch Einsprachen bei der Submission, den Arbeitsvergaben, noch verzögert werden.

Welche Herausforderungen mussten Sie bisher meistern?

Die Wünsche aus der Gemeinde an die Renovation sind sehr unterschiedlich. Hier haben wir versucht, einen guten Mittelweg zu fi nden. Ein Problem sind natürlich die Kosten. Wir müssen viel investieren, alleine um beispielsweise feuerpolizeiliche Auflagen zu erfüllen. Aus diesem Grund können denkmalgeschützte Türen, die mittlerweile feuerfest sein müssen, schnell einmal höhere, fünfstellige Beträge kosten. Dieses Geld hätten wir gerne anders verwendet.

In die Renovation der Kirche Guthirt werden rund zehn Millionen Franken investiert. Welches sind die grössten Kostenblöcke im Projekt?

Die Kostenpunkte sind extrem vielfältig. Im Zusammenzug wird das meiste Geld in die Kirche fl iessen, in die Aussenhülle und den Innenraum sowie in die neue Technik. Wir haben aber sehr kostenbewusst agiert. Zum Beispiel werden wir die alten Kirchenstühle behalten und einfach sanieren. In der Kirche stehen derzeit fast 1000 Stühle. Neue Sitzgelegenheiten hätten mehrere 100 000 Franken gekostet. Indem wir die Sitze nur sanieren, konnten wir diese Kosten halbieren.

Wäre eine sanftere und dadurch günstigere Variante nicht auch möglich gewesen?

Das wäre wohl schwierig und vor allem nicht sehr sinnvoll gewesen. Natürlich hätten wir gewisse Dinge weglassen können. Allerdings hätte man diese Arbeiten dann später mit den entsprechenden Zusatzkosten nachholen müssen. Sobald man eine Renovation vornimmt, müssen viele Vorgaben erfüllt und umgesetzt werden, die leider entsprechende Kosten verursachen. Ausserdem hatten wir an der Aussenhülle vereinzelt schon Schäden festgestellt. Die Schulungsräume beispielsweise sind undicht. Auch durch die Terrasse dringt Wasser. Hätten wir mit einer Sanierung weiter zugewartet, würden die Kosten am Ende noch höher ausfallen.

Wie wird sich die Renovation auf die Kirchengänger auswirken?

Die Messen werden im kommenden Jahr in den Kirchgemeindesaal verlegt. Und der Religionsunterricht findet während der Umbauphase in den Jugendräumen im Zentrum statt. Wir werden aber vor Ort bleiben. Allerdings sind die Raumverhältnisse in den kommenden Monaten etwas enger.

Welche Auswirkungen wird die Renovation auf die Umgebung haben?

Es wird sicherlich Baulärm geben. Auch dürften die Zufahrten zu gewissen Zeiten durch die Baufahrzeuge beeinträchtigt sein. Insgesamt erwarte ich vergleichbare Einschränkungen wie bei anderen Baustellen. Man wird versuchen, die negativen Folgeerscheinungen so gering wie möglich zu halten.

Welches sind für Sie persönlich die Highlights der Renovation? Worauf freuen Sie sich am Ende der Sanierungsarbeiten besonders?

Ich freue mich insbesondere auf den renovierten Kircheninnenraum, die neue Krypta und speziell auf die sehr gelungene Konzeption der Beleuchtung. Durch die neuen Möglichkeiten der Inszenierung verspreche ich mir diesbezüglich in Zukunft viele schöne Messen und Anlässe.

Das Interview führte Roberto Stefano

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