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Quartierleben

Eine Plattform des Wissens für Wipkingen

28. Juni 2016 von

Foto: Dagmar Schräder

Yves Gugger erläutert das Konzept von «obugoo».

Foto: Dagmar Schräder

Ursula Marx und Vreni Vogel beim Rundgang durchs GZ Wipkingen.

Foto: Dagmar Schräder

Rundgang durchs GZ: Erinnerungen austauschen, Vreni Vogel (ganz rechts), Ursula Marx (zweite von rechts) und Yves Gugger (dritter von links).

Foto: Dagmar Schräder

Ursula Marx und Yves Gugger.

Von

Online seit
28. Juni 2016

Printausgabe vom
30. Juni 2016
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«obugoo» heisst eine neue Online-Plattform, deren Ziel es ist, generationenübergreifend Wissen zu vermitteln und Kontakte zu ermöglichen. Der Erfinder und Entwickler von «obugoo», Yves Gugger, stellte sie am 7. Juni im GZ Wipkingen der interessierten Öffentlichkeit vor.

Die Grundidee hinter «obugoo» ist bestechend einfach: Das Internet soll als Hilfsmittel dazu dienen, einen Wissenstransfer zwischen verschiedenen Generationen zu ermöglichen. Dabei funktioniert die Plattform im Prinzip wie Google oder eine ähnliche Suchmaschine: Wer eine Frage zu einem bestimmten Gebiet hat, gibt seinen Begriff als Stichwort ein. Anders als bei den üblichen Suchmaschinen werden bei «obugoo» aber keine Verweise auf relevante Homepages vermittelt, sondern Kontakte zu älteren Menschen, die bereit sind, ihr Wissen zu einem bestimmten Thema weiterzugeben. Wie dies genau funktioniert und was daraus entstehen kann, das erläuterte der «Erfinder» der Plattform, Yves Gugger, am 7. Juni im Gemeinschaftszentrum Wipkingen.

Erhaltung und Weitergabe von Wissen und Kenntnissen

Der 28-jährige Student der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) erklärte in seinem kurzen Referat zunächst, wie er überhaupt auf die Idee gekommen ist, eine derartige Plattform zu entwickeln. Während seines Militär- und Zivildienstes, so Gugger, habe er bei seiner Betreuungs- und Pflegetätigkeit in einem Alterszentrum viele Bewohnerinnen und Bewohner kennengelernt, die den Wunsch hegten, im Alter besser in die Gesellschaft integriert zu sein. Oftmals fehlten diesen Personen Gesprächspartner, mit denen sie sich austauschen konnten. Insbesondere auch der Kontakt zu Jüngeren sei etwas, was viele ältere Menschen vermissten, so die Erfahrung von Gugger. Gleichzeitig hätten diese Personen aufgrund ihrer Lebenserfahrung häufig eine grosse Fülle an Wissen, Fähigkeiten und Kenntnissen angehäuft, die nun sozusagen brachlägen und drohten, für immer verloren zu gehen. «Wie», so fragte sich Gugger, «lässt sich dieses Wissen anderen Menschen zugänglich machen? Wie können jüngere Menschen, die vielleicht genau dieses Wissen gerade gut brauchen könnten, darauf zugreifen, wenn sie diese älteren Menschen nicht persönlich kennen? Statt immer nur Informationen aus Google und Wikipedia zu beziehen, wenn man eine Frage hat, wäre es doch viel sinnvoller, eine Person zu befragen, die aufgrund ihrer Erfahrungen Wissen aus erster Hand liefern kann», beschrieb Gugger seine Überlegungen.

Plattform als Suchmaschine

In seiner Masterarbeit im Studiengang «Interaktionsdesign» entwarf er daher diese benutzerfreundliche und leicht zu bedienende Plattform, deren Name sich aus der Abkürzung von «old, but gold» (o-bu-go) und einem zusätzlichen «o» als Sinnbild für einen geschlossenen Wissenskreislauf zusammensetzt. Wer älter als 63 Jahre ist und auf einem bestimmten Gebiet über Wissen verfügt, das er oder sie gerne weitergeben möchte, kann sich hier ein Profil als «Wissensträger» erstellen. So kann sich beispielsweise ein leidenschaftlicher Wanderer registrieren lassen, der bereit ist, Jüngeren Tipps über geeignete Wanderrouten zu geben, eine passionierte Köchin kann anbieten, ihre Rezepte weiterzugeben, oder eine Hobbygärtnerin Anfängern Pflegehinweise für Tomatenpflanzen in Aussicht stellen. Wer nun auf der Suche nach konkreten Informationen zu bestimmten Themen ist, kann sich ebenfalls registrieren und erhält nach der Eingabe des Suchbegriffs dann einen Verweis auf diejenigen Personen, die ihm weiterhelfen können. Hat der Suchende eine passende Person gefunden, wird der Anbieter via Plattform darüber informiert, dass Interesse an seinem Wissen besteht, und kann seinerseits Kontakt zum Interessenten aufnehmen. Die Vermittlung des Kontakts geschieht also über die Plattform, es werden keine Adressen direkt weitergegeben, auf der Plattform erscheinen nur die Initialen der anbietenden Personen. «So bleibt die Privatsphäre der Anbieter gewährleistet, für die Öffentlichkeit sind die privaten Informationen nicht einsehbar. Das ist sehr wichtig, weil viele Menschen Angst davor haben, im Internet zu viel von sich preiszugeben», so Gugger in seinen Ausführungen.

Direkter Kontakt ist wichtig

Nach der Terminvereinbarung, die ebenfalls über die Plattform abgewickelt wird, steht die direkte Begegnung. Das persönliche Gespräch zwischen Wissensträgern und den Nachfragenden ist ein integraler Bestandteil der Plattform, wie Gugger an diesem Abend mehrfach betonte. Genau aus diesem Grund wird auch kein Wissen auf der Plattform gespeichert. Nicht als Wissensarchiv soll «obugoo» fungieren, sondern tatsächlich nur den Kontakt zwischen Individuen vereinfachen. Dadurch erhofft sich Gugger nicht nur einen verstärkten intergenerativen Austausch, sondern auch eine gesellschaftliche Wahrnehmensveränderung gegenüber dem Älterwerden.

Eigene Plattform für Wipkingen

Von der Wichtigkeit des Projekts sind nicht nur Organisationen wie die Pro Senectute überzeugt, die Gugger aktiv dabei unterstützen, die Plattform an Schulen, Altersheimen und anderen Institutionen bekannt zu machen. Auch Ursula Marx vom GZ Wipkingen ist begeistert von «obugoo». An einem Intergenerationenmarkt hat sie Gugger und sein Projekt kennengelernt und die Idee gleich für Wipkingen übernommen. Wie Marx und Gugger am Informationsanlass ausführten, hat das GZ Wipkingen im Jahr 2016 gemeinsam mit Gugger «obugoo Wipkingen» ins Leben gerufen. Anders als bei der Ursprungs-Plattform steht in Wipkingen aber weniger der intergenerative Austausch, als vielmehr die Verknüpfung der Menschen innerhalb des Quartiers im Vordergrund – mitmachen darf also jeder Wipkinger und jede Wipkingerin, ganz ohne Altersbeschränkung. «Bei ‹obugoo Wipkingen› geht es uns darum, Wissen innerhalb des Quartiers zu vermitteln. Vielleicht verfügt ja ausgerechnet der Nachbar über die Informationen, die man gerade unbedingt bräuchte – und nur, weil man ihn nicht kennt, verpasst man die Chance, von seinem Wissen zu profitieren», so erklärten Gugger und Marx die Idee hinter der regionalen Plattform. «Falls man zum Beispiel etwas über die Geschichte des Quartiers in Erfahrung bringen wollte, wäre es von grossem Nutzen, auf eine Plattform zurückgreifen zu können, auf der Personen vernetzt sind, die schon lange im Quartier leben und aus ihren eigenen Erfahrungen berichten können. Bevor es ‹obugoo Wipkingen› gab, war es aber kaum möglich, derartige Personen zu finden.»

Ein Rundgang als Beispiel für gelungenen Wissenstransfer

Wie bereichernd für alle Beteiligten ein derartiger Wissenstransfer sein kann, das demonstrierte Vreni Vogel, die im Anschluss an das Referat zu einem Rundgang über das Areal des GZs einlud. Zwar wurde in diesem Fall der Kontakt zur «Wissensträgerin» nicht über «obugoo» hergestellt, weil die Plattform gerade erst im Aufbau begriffen ist und die Anzahl der registrierten Benutzer noch klein ist, das tat der Sache aber keinen Abbruch. Vogel, die bereits seit den 1960er-Jahren in Wipkingen wohnhaft ist, konnte den Besuchern anhand alter Fotos und ihrer persönlichen Erinnerungen ein lebendiges Bild davon vermitteln, wie es im GZ vor rund 50 Jahren ausgesehen hatte. Ergänzt durch sehr unterhaltsames Filmmaterial aus jenen Jahren, das Ursula Marx zur Verfügung stellte, und die zahlreichen Erinnerungen, die die Teilnehmer der Veranstaltung beisteuern konnten, entstand, was durch «obugoo» auch entstehen soll: Ein lebendiger, interaktiver Dialog und Wissensaustausch, von dem alle Seiten nur profitieren können.

«obugoo»
Nationale Homepage: www.obugoo.com
Regionale Plattform für Wipkingen und Umgebung: wipkingen.obugoo.com
Interessentinnen und Interessenten können sich gratis einloggen, um Wissen und Erfahrungen anzubieten oder zu suchen. Via Pinnwand können Fragen gestellt werden.
Anfragen und Kontakt: Zürcher Gemeinschaftszentren, GZ Wipkingen,
Ursula Marx, ursula.marx@gz-zh.ch oder Telefon 044 276 82 83.

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