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Katholische Pfarrei Guthirt

Familienarbeit ist Beziehungsarbeit

14. Dezember 2016 von

Foto: zvg

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pfarrei-Winterferien.

Foto: zvg

Kinder im Hühnergehege

Von

Online seit
14. Dezember 2016

Printausgabe vom
15. Dezember 2016
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Erfahrenere Eltern haben ihre Kinder bereits auf einigen Lebensabschnitten begleitet und wissen, wie bereichernd, spannend, lustig, aber auch wie anspruchsvoll, anstrengend und überfordernd diese Aufgabe sein kann. Seit fünf Jahren darf ich jetzt in der Pfarrei Guthirt Familien auf ihrem Familienweg begleiten und unterstützen. In diesem Beitrag möchte ich gerne Einblicke in meine Arbeit geben und Sie, liebe Familien, ermuntern, die Familienarbeit in Guthirt mitzugestalten, sich einzubringen mit Wünschen und Ideen, mit Lob und Tadel.

Ein Zitat von Mahatma Gandhi lautet: «Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen». In der Bibel können wir lesen, dass Matthäus über Jesus schreibt: «Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich». Wenn ein Kind entsteht, wird aus einer Beziehung, aus einer Partnerschaft eine Familie. Der erste und wohl auch wichtigste Ort, um die Worte von Mahatma Ghandi und von Jesus in die Tat umzusetzen. Da wird Familienarbeit gemacht, 24 Stunden pro Tag und 7 Tage die Woche. Familienarbeit in Guthirt ist…

… miteinander Feste feiern …

Kinderfasnacht, Dreikönigsfest, Guthirtsonntag, Herbstbazar oder ein spontanes «Versteckis» auf dem Kirchenplatz. Miteinander Zeit verbringen, von sich erzählen und anderen zuhören, miteinander lachen und einander auch mal trösten. Je vertrauter wir miteinander sind, desto mehr können wir auch aufeinander zählen. Dieses Vertrauen gilt es aufzubauen, zu stärken und immer wieder zu beleben. Feste bieten dafür eine ausgezeichnete Gelegenheit.

… miteinander in die Ferien zu fahren …

Miteinander eine Ferienwoche in den Bergen zu verbringen, bringt nebst der Erholung auch viele neue Erfahrungen mit sich. Eltern lernen sich beim Kochen besser kennen, erleben mit, wie andere Eltern den Umgang mit alltäglichen Situationen meistern. Der Tagesablauf kann so gestaltet werden, dass möglichst alle Bedürfnisse der Kinder und der Erwachsenen befriedigt werden können. Es ist immer wieder toll, zu beobachten, wie sich schon auf der Zugfahrt ins Wallis neue Kontakte ergeben und Freundschaften entstehen. Eine Ferienwoche zusammen wirkt weit über die Woche hinaus, das Beziehungsnetz der einzelnen Familien wird dichter, und es entsteht immer mehr ein tragfähiges Netz, das auch in schwierigen Momenten zum Einsatz kommen kann.

… Hühner aufzuziehen …

Eigentlich begann es als Religionsunterrichtsprojekt. In der Schöpfungsgeschichte heisst es, dass wir rücksichtsvoll mit den Pflanzen und den Tieren umgehen sollen. Was liegt da näher, als mit Kindern der ersten und zweiten Klasse diesen Auftrag umzusetzen? Pflanzen werden gesät und gepflegt, bis die Früchte geerntet oder die Blüten bestaunt werden können. Wir brüten mit Hilfe eines Brutkasten Hühnereier aus. Nach einundzwanzig Tagen schlüpfen die Küken, und sofort ziehen diese die volle Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. Hier könnte jetzt das Projekt beendet werden, aber das wäre eine vergebene Chance. Darum wird schnell noch ein Hühnerhaus aufgestellt, und die kleinen Tiere bekommen ein Aussengehege, das auch für Passanten gut einsehbar ist. Die Schöpfung wird so fassbar, die Verantwortung dafür erlebbar, und für uns Erwachsene wird sichtbar, dass unsere Kinder den Auftrag «Seid achtsam zur Schöpfung» leben.

…miteinander Fragen diskutieren, auf die wir keine Antworten haben…

Was passiert, wenn wir gestorben sind? Gibt es einen Schöpfer? Wie sieht er aus? Hab ich früher schon einmal gelebt? Warum gibt es Krieg? Je nach Situation, in der wir uns befinden, beschäftigen uns solche Fragen, auf die wir noch nie eine befriedigende, abschliessende Antwort bekommen haben. Kinder stellen sie zum Teil sehr unverhofft und erwarten Antworten.
In Religionsunterrichtsstunden, Kinder- und Familiengottesdiensten stellen wir uns zusammen diesen Fragen. Aufgrund von eigenen Erfahrungen und im Austausch können Versuche von Antworten entstehen. Für den Moment mögen sie befriedigend sein, bestimmt aber nicht abschliessend. Jedes einzelne Kind ist einzigartig und hat seine ihm eigene Annäherung an mögliche Antworten auf die eingangs gestellten Fragen. Und jegliche Form der Auseinandersetzung mit solchen Sinnfragen bringt mich als Individuum einen Schritt weiter, tiefer in die Erfüllung und näher zu mir.

Was denken Sie?

Familienarbeit ist Beziehungsarbeit. Beziehungen können nur entstehen, wenn ein gesundes Mass an Vertrauen vorhanden ist. Die beschriebenen Angebote dienen dazu, Familien zusammenzubringen, die sich sonst nicht treffen würden, damit sie Vertrauen gewinnen und Beziehungen aufbauen können. Haben Sie eigene Ideen, die über die oben aufgeführten Punkte hinausgehen? Haben Sie als Kind Erfahrungen gemacht, die Sie mit Ihren Kindern auch gerne machen würden? Wo würden Sie selber mitmachen und ihr Beziehungsnetz stärken? Oder haben Sie das gar nicht mehr nötig? Ist die Kirche für diese Arbeit überhaupt die richtige Ansprechpartnerin oder suchen Sie lieber Antworten ausserhalb der Kirche? Ich freue mich sehr auf Ihren Beitrag. Vielleicht diskutieren wir schon bald Fragen, auf die es keine abschliessenden Antworten gibt.

Armin Stadler

Familienferien in Grächen
In der Woche vom 19. bis 25. Februar 2017 haben wir noch Zimmer frei in unserem Ferienhaus in Grächen. Das Freizeithaus Matterhornblick liegt wenig ausserhalb von Grächen, gleich bei der Talstation des Sessellifts. Informationen bei Armin Stalder: armin.stalder@zh.kath.ch

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