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Reformierte Kirchgemeinde Wipkingen

Freiwilligenarbeit: Kirchgemeinde sucht Talente

27. September 2016 von

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Verena Profos und Monica Ferrari

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Freiwilligenarbeit ist eine Chance, Menschen miteinander zu vernetzen.

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Kerngruppe Freiwilligenarbeit, Reformierte Kirche Wipkingen

Von

Online seit
27. September 2016

Printausgabe vom
29. September 2016
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Freiwilligenarbeit, die das Miteinander im Quartier fördert, ist seit jeher auch eine Aufgabe der Kirche gewesen. Die Kirchgemeinde Wipkingen macht sich diese Aufgabe neu zum Schwerpunkt und lädt Menschen mit all ihren Talenten, mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten ein, ihr Engagement zu fördern und sich zu vernetzen. Wie das gehen soll, erzählen Kirchenpflegerin Verena Profos und Sozialdiakonin Monica Ferrari-Zanetti.

Sie wollen sich auf Talentsuche für eine Verstärkung der Freiwilligenarbeit machen. Warum starteten Sie die Initiative?

Verena Profos: Freiwilligenarbeit war immer wichtig in der Kirchgemeinde, aber sie ist bei uns «in die Jahre gekommen», die Freiwilligen wurden älter und dadurch ihre Zahl auch kleiner. Wir mussten also reagieren. Wir wollten aber die bestehende Freiwilligenarbeit wie zum Beispiel im Besuchsdienst oder dem Kirchenkaffee nicht nur wieder beleben, sondern die Ausrichtung der Freiwilligenarbeit neu überdenken, neue Ressourcen entdecken.

Welche Art von Freiwilligenarbeit schwebt Ihnen vor?

Verena Profos: Ein zentraler Begriff ist für uns die Partizipation, das heisst, wenn sich jemand freiwillig engagieren will, soll er auch mitreden und mitgestalten können. Aus diesem Grund sind wir nun daran, ein sogenanntes Freiwilligen-Parlament zu realisieren. Das Freiwilligen-Parlament ist eine Première und zwar nicht nur für uns in Wipkingen. Soweit ich orientiert bin, gibt es so etwas noch nirgends. Das zeigt, wie wichtig uns die Partizipation ist.

Welche Talente suchen Sie?

Monica Ferrari: Uns ist es ein Anliegen, eben nichts fest vorzugeben. Wir sind offen für die Begabungen, die die Menschen einbringen wollen. Daraus können dann Angebote entstehen.

Können Sie ein Beispiel im Bereich Jugend und Familie nennen?

Monica Ferrari: Bereits etabliert ist in Wipkingen das ökumenische Tageslager für Kinder in den Frühlingsferien. Da sind wir auf die Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen und können Kochtalente oder Kreativtalente für handwerkliche Projekte und Bastelarbeiten brauchen. Schön ist, wenn Menschen selber auf uns zukommen und sagen: «Ich möchte mich auch bei euch einbringen».

Wenn die reformierte Kirche zur Freiwilligenarbeit einlädt, sind dann nur Kirchenmitglieder gefragt oder sind auch Katholiken, Konfessionslose und Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften gemeint?

Verena Profos: Die Frage ist nicht: «Woher kommst du?», sondern «machst du gerne mit?» Nehmen wir das Beispiel «Singkreis». Der war einst ein bescheidenes Grüppchen und hat sich weiterentwickelt, mittlerweile über die Kirchgemeinde- und über die Konfessionsgrenzen hinaus. Da bringen Menschen buchstäblich ihre Stimme mit ein und es sind auch Leute dabei, die nicht unbedingt die Kirche gesucht haben und doch engagiert mitwirken. Ähnlich steht es mit unserer «Ungarn-Gruppe», die ebenfalls konfessions- und kirchgemeindegrenzenübergreifend vernetzt ist. Diese Gruppe bildete sich in Zusammenhang mit unserer Gemeindepartnerschaft mit der ungarischen Kirchgemeinde in Göncruszka, einer kleinen Kirchgemeinde, die sich in kreativer Weise für die Integration der Roma in ihrer Umgebung engagiert.

Sie öffnen die Kirchentüre weit. Gleichwohl gibt es Menschen, die Vorbehalte haben, sich in der Kirche zu engagieren.

Monica Ferrari: Das ist schon so, aber es gibt solche, die sich sagen, wenn die Kirche sich in diesem oder jenem Bereich sinnvoll einbringt, dann helfe ich gerne mit.
Verena Profos: Diese Vorbehalte gibt es. Aber vielleicht könnte Freiwilligenarbeit sogar eine Chance sein, um Vorurteile abzubauen.

Sie suchen das Engagement der Menschen. Was bekommen die Freiwilligen dafür? Was hat die Kirche zu bieten? An Räumen, an Unterstützung?

Verena Profos: Bei den Räumen müssen wir organisatorisch kreativ sein. Was wir den Freiwilligen bieten, ist aber in jedem Fall Starthilfe, Begleitung, Unterstützung. Auch Weiterbildung, Erfahrungsaustausch und Vernetzung sind wichtig.
Monica Ferrari: Wir arbeiten auch mit Zeit- und Leistungsnachweisen der Benevol, der Dachorganisation für Freiwilligenarbeit. Solche Dokumentationen sind wertvoll, weil die Freiwilligen diese als berufliche Qualifikationen ausweisen können.

Eines der Mittel zur Ankurbelung der Freiwilligenarbeit ist das Freiwilligenparlament, das in Wipkingen bereits einmal getagt hat. Was für «Parlamentarier» sind da zusammengekommen?

Monica Ferrari: Es waren 15 ganz unterschiedliche Frauen und Männer, die sich getroffen haben. Einige die sich bereits freiwillig engagieren, andere die einfach mal zum Schnuppern kamen. Leute mit unterschiedlichem Bezug zur Kirche. Auch die Nachbarschaftshilfe war vertreten.

Was muss man sich unter einem Freiwilligen-Parlament vorstellen?

Monica Ferrari: Das Parlament soll Plattform sein für Fragen, Erfahrungsaustausch, gemeinsames Planen. Das erste Parlament war wichtig als Standortbestimmung: Wo stehen wir? Was wollen wir? Der nächste Schritt wird sein, miteinander jemanden aus dem Kreis der Freiwilligen zu bestimmen für die Leitung der Parlaments-Treffen. Auch das ist ein Zeichen der Partizipation.
Verena Profos: Das Parlament ist die Institution, welche die Freiwilligenarbeit bündelt, vernetzt. Die Kerngruppe agiert dabei sozusagen als Herzschrittmacher und gibt Impulse. Was wir auch anstreben, sind gemeinsame Schulungen und Weiterbildung, zum Beispiel mit Referenten zu bestimmten Themen.

Freiwilligenarbeit ist nicht nur eine Domäne der Kirche. Viele Vereine tragen ebenfalls dazu bei, dass sich Menschen begegnen und unterstützen. Wie funktioniert hier der Austausch?

Monica Ferrari: Sehr gut. Mit der Nachbarschaftshilfe stehen wir in engem Kontakt und tauschen uns regelmässig aus. Der ökumenische Austausch mit der katholischen Pfarrei Guthirt ist auch gut. Ein Beispiel ist der Basar: Da wir selber kein Basar-Projekt mehr haben, können wir Interessierte mit der Projektgruppe der katholischen Pfarrei vernetzen. Auch zum Durchgangsheim für Flüchtlinge ist der Kontakt angebahnt.

Was erträumen Sie sich für die Zukunft der Freiwilligenarbeit in Wipkingen?

Monica Ferrari: Ich wünsche mir, dass sich vermehrt Menschen engagieren, und dass sie sich gegenseitig wahrnehmen und bestärken. Dass man spürt, man ist nicht alleine unterwegs, sondern andere tragen auch mit.
Verena Profos: Was ich mir erträume ist, dass die Freiwilligenarbeit zu einer Chance wird, dass sich Menschen miteinander vernetzen. Dass sich so in unserem Quartier, in unserer Kirchgemeinde, Nischen der Beständigkeit bilden. Das dünkt mich wichtig in unserer Zeit, in der ja so manches im Umbruch ist. Ich vertraue aber auch darauf, dass wir durch unsere gemeinsamen Schritte in der Freiwilligenarbeit auf überraschende Ressourcen stossen und auch neue Möglichkeiten entdecken.

Das Interview führte Christian Schenk.

Unsere Leitsätze
Aus dem Freiwilligenkonzept der reformierten Kirchgemeinde Wipkingen
«einladen»: Eingeladen zur Gemeinschaft. Wir laden ein zur Teilnahme und zur Mitarbeit. Wir freuen uns über alle, die mitwirken möchten. Wir suchen mit Ihnen eine Aufgabe, die Ihren Fähigkeiten entspricht.
«begegnen»: Arbeiten im Team. Wir bieten Arbeiten in unterschiedlichen Teams. Die Begegnung mit Menschen ist von entscheidender Bedeutung für unser Leben.
«begleiten»: Gemeinsam unterwegs Wer in unserer Kirchgemeinde mitarbeitet, hat eine direkte Ansprechperson.
«fördern»: Weiterbildung als Angebot Wir unterstützen unsere Freiwilligen bei der Ausübung ihrer Aufgaben und bieten Entfaltungsmöglichkeiten.
«wertschätzen»: Gutes tun und darüber reden. Wir anerkennen den Einsatz unserer Freiwilligen und reden darüber. Ihre Erfahrung und Anliegen sind uns wichtig bei der Gestaltung des Gemeindelebens.

Freiwillig – und Sie?
Haben Sie Lust, Ihre Talente für Freiwilligenarbeit einzubringen und sich mit anderen auszutauschen? Haben Sie Zeit, sich in der Arbeit mit Kindern, in der Unterstützung für Flüchtlinge, im Besuchsdienst oder mit eigenen Plänen einzusetzen? Seien Sie herzlich willkommen zum nächsten Freiwilligen-Parlament am 26. Oktober im Kirchgemeindehaus Wipkingen.

Kontakte:
Falls Sie Fragen oder Anregungen haben, wenden Sie sich an die Kerngruppe Freiwilligenarbeit. Wir freuen uns über Echos. Kerngruppe Freiwilligenarbeit:
Verena Profos, Vizepräsidentin der Kirchenpflege, 044 271 91 83
Monica Ferrari, Sozialdiakonin, 044 272 95 63
Roger Daenzer, Sozialdiakon,044 272 89 66
Samuel Zahn, Pfarrer, 044 271 23 33

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