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AL

Gedanken zum geplanten Rosengartentunnel

27. September 2017 von

Foto: zvg

Richard Wolff, Stadtrat AL

Von

Online seit
27. September 2017

Printausgabe vom
28. September 2017
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Gestatten Sie mir einige nachdenkliche Überlegungen zum Projekt Rosengartentunnel.

Ich wohne seit über 35 Jahren in Wipkingen. Fast ebenso lang beschäftige ich mich als Quartierbewohner, aber auch beruflich mit der Rosengartenstrasse. Durch meine «privaten» Augen ist die vierspurige Stadtautobahn zwischen Wipkingerplatz und Bucheggplatz einfach eine hässliche Wunde, welche ein attraktives Stadtviertel brutal zerschneidet. Aus beruflicher Sicht – ich war viele Jahre als Stadtentwicklungsforscher und -berater tätig – war der Ausbau der Rosengartenstrasse zur de facto Stadtautobahn stets ein grosser städteplanerischer Fehler. Seit Jahren fordern Bürgerinitiativen und progressive Verkehrsplanerinnen und -planer einen Rückbau und eine Verkehrsberuhigung der Rosengartenstrasse. Nun liegen die Pläne für einen vierspurigen Rosengarten-Autotunnel zwischen Bucheggplatz und Wipkingerplatz vor. Die heutige Rosengartenstrasse würde dafür verkehrsberuhigt und eine neue Tramlinie erhalten. Das Tram soll von der Hardbrücke her hinauf an den Bucheggplatz und weiter nach Oerlikon und Affoltern verkehren. So weit so gut. Nichts spricht gegen eine neue Tramlinie. Tatsächlich ist es sinnvoll, den öffentlichen Verkehr weiter auszubauen. Insbesondere die Verbindung zwischen dem Norden und dem Westen Zürichs muss noch besser werden. Zürich wächst – vor allem im Norden und im Westen – und der Verkehr soll möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln, per Velo und zu Fuss abgewickelt werden. Das verlangt auch die sogenannte Städteinitiative, die den Anteil des motorisierten Individualverkehrs am Gesamtverkehr in der Stadt Zürich auf 20 Prozent senken will. Es spricht auch nichts gegen eine Verkehrsberuhigung mit Spurreduktion auf der bestehenden Rosengartenstrasse. Die Frage ist nur, ob es – um diese Ziele zu erreichen – tatsächlich einen neuen vierspurigen Strassentunnel braucht. Mit der Verlagerung des jetzigen Verkehrsvolumens in einen Tunnel verbessert sich die gegenwärtige Verkehrssituation einzig auf dem wenige hundert Meter langen Abschnitt zwischen Bucheggplatz und Wipkingerplatz.  Sowohl am Bucheggplatz als auch am Wipkingerplatz werden auch in Zukunft mindestens gleich viele Autos verkehren. Ausserdem müssen dort neue grosse Tunnelportale erstellt werden. Am Wipkingerplatz würde eine zweistöckige, vierspurige Tunnelein- und -ausfahrt entstehen, mehrere Wohnhäuser an der Rosengartenstrasse müssten dafür abgerissen werden. Am Bucheggplatz würde das Tunnelportal ungefähr am Ort des heutigen Blumenladens gebaut. Damit wird auch der Zugang zum Naherholungsgebiet Waidberg beeinträchtigt. Alles in allem frage ich mich, ob es sich lohnt, für den Rosengartentunnel so viel Geld auszugeben, schwere Eingriffe in den Bereichen der beiden Tunnelportale hinzunehmen und mehrere Wohnhäuser abzureissen. Der Kantonsrat und allenfalls das Stimmvolk werden darüber entscheiden.

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