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Sozialzentrum Hönggerstrasse

Im «Team Intake» des Sozialzentrums Hönggerstrasse

28. März 2018 von

Foto: Quelle: Soziale Dienste Zürich, Fotografin: Giorgia Müller

Intake eines Sozialzentrums der Sozialen Dienste Zürich.

Von

Online seit
28. März 2018

Printausgabe vom
29. März 2018
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Wer das erste Mal einen Fuss in ein Sozialzentrum setzt, weiss oft nicht so genau, was sie oder ihn erwartet. Hinzu kommt, dass der Gang ins Sozialzentrum nicht immer einfach ist. Eine umso wichtigere Rolle spielt das Team, welches Menschen in finanzieller oder sozialer Not als erstes empfängt.

Im Erdgeschoss des Sozialzentrums Hönggerstrasse befindet sich das sogenannte «Intake». Dorthin kommen Menschen, die sich für die Unterstützung mit Sozialhilfe anmelden möchten oder andere soziale Fragestellungen haben. Wir sind die erste Auskunftsstelle im Sozialzentrum. Im Warteraum besteht eine umfangreiche Infothek mit allerlei nützlichen Informationen – zum Beispiel Wissenswertes über Arbeit und rechtliche Fragen, Tipps für die Freizeitgestaltung, Informationen für Familien und über Quartieraktivitäten sowie auch spezifische Infoblätter für Jugendliche oder ältere Menschen. Ebenso steht der Bevölkerung ein Computer mit Drucker, der auch als Kopiergerät genutzt werden kann, zur Verfügung. Dies wird sehr geschätzt. Manchmal bildet sich sogar eine kleine Warteschlange vor den Geräten. Glücklicherweise sind die meisten Besucherinnen und Besucher geduldig und regeln selbstständig, wer an die Reihe kommt. Auch helfen sich die Leute gegenseitig, wenn jemand mit dem Gerät nicht zurechtkommt. Manchmal wird mit Händen und Füssen kommuniziert. Mehr als die Hälfte unserer Klientinnen und Klienten stammt aus der Schweiz; die andere Hälfte sind Menschen mit ganz verschiedenen Nationalitäten aus der ganzen Welt.

Ein Wühltisch für alles

In einer Ecke in unserem Intake steht auch ein Wühltisch: Mitarbeitende aus dem Sozialzentrum, aber auch Leute aus dem Quartier bringen verschiedene gut erhaltene Waren wie Kleider, Spielsachen, CDs, DVDs oder Bücher vorbei. Alles kann gratis mitgenommen werden. Eine Möglichkeit, die rege genutzt wird. Denn wer von der Sozialhilfe unterstützt wird und folglich mit dem sogenannten Existenzminimum auskommen muss, kann sich keine grossen Sprünge erlauben.

Wie viel Wert hat ein Esel?

Das eigentliche Kerngeschäft unseres Intake-Teams besteht darin, hilfesuchenden Personen mit der nötigen Beratung und wenn nötig mit finanzieller Hilfe zu unterstützen. Die meisten Personen, die sich am Schalter melden, haben ihre Arbeitsstelle verloren oder stehen vor dem Ende des Bezugs von Arbeitslosentaggeldern. Sie möchten Informationen über die Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen Sozialhilfe. In einem Gespräch erklären wir alles.
Im sogenannten Unterstützungsantrag für Sozialhilfe steht, dass man wahrheitsgetreu über seine Einkommens- und Vermögenswerte Auskunft geben muss. Denn die Sozialhilfe kommt erst zum Zug, wenn das Vermögen beinahe ganz aufgebraucht ist. Dieser Schritt ist für viele nicht ganz einfach, weil man sehr viel über sich preisgeben muss.
Manchmal ist es allerdings auch nicht ganz einfach, das Vermögen zu beziffern. Ein Beispiel: Eine Klientin gab an, dass sie Besitzerin von drei Eseln sei, die im Tessin auf einem Bauernhof lebten. Wir klärten dann ab, welchen Wert die Esel haben. Denn ab einem gewissen Betrag hätten die Tiere veräussert werden müssen. Man einigte sich schlussendlich auf den «Wurstwert», der glücklicherweise unter der Vermögensfreigrenze lag, so dass die Klientin die Tiere behalten konnte.

Solche Situationen sind natürlich die absolute Ausnahme, das Beispiel zeigt aber schön auf, dass die Beurteilung des Vermögens nicht immer ganz einfach und klar ist. In einem nächsten Schritt bringen die Antragstellenden dann diverse Dokumente, wie Kontoauszüge oder den Mietvertrag, vorbei. Am Termin mit einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter werden daraufhin die Unterstützungsleistungen berechnet und besprochen. Es geht dabei aber nicht nur ums Geld. Wichtig ist auch, dass unsere Klientinnen und Klienten die für ihre jeweilige Lebenssituation notwendige Beratung erhalten. Dabei legen wir natürlich grossen Wert darauf, dass Klientinnen und Klienten respektvoll und freundlich behandelt werden. Hauptsächlich aus diesem Grund kommt es sehr selten zu problematischen Situationen in den Gesprächen. Auch wenn die Hilfesuchenden meist in einer grossen Not sind, finanziell und manchmal auch psychisch, oder Suchtprobleme haben, sind sie fast immer kooperativ und schätzen die finanzielle und beratende Unterstützung sehr.

Abwechslung garantiert

Selten haben Klientinnen oder Klienten falsche Erwartungen, zum Beispiel, dass private Schulden von der öffentlichen Hand übernommen werden könnten. In solchen Fällen ist es besonders wichtig, die Ruhe zu bewahren. Eine gute Ausbildung, Einfühlungsvermögen, aber auch die Fähigkeit, schwierige Themen anzusprechen, gehören zum Rüstzeug der Sozial- und Sachbearbeitenden. Glücklicherweise gibt es in unserem abwechslungsreichen Arbeitsalltag auch immer wieder etwas zum Schmunzeln: Ein Mann, der aufgrund seines Alters kaum mehr Chancen auf einen Job gehabt hätte, machte sich selbstständig. Er betrieb einen «Güggeli-Wagen», verkaufte also gebratene Poulets. Das Abenteuer war allerdings schnell zu Ende. Er zapfte dafür nicht unerhebliche Mengen von Strom illegal ab. Wenn er die Elektrizität selber hätte bezahlen müssen, wäre sein Betrieb nicht rentabel gewesen.

«Hoi, Frau Huber»

Manchmal ergeben sich über die Jahre auch lustige Traditionen. Ein etwas ungewöhnlicher Klient, der einen Beistand hat und dessen Sozialarbeiter in einer der oberen Etagen in unserem Haus arbeitet, liess es sich nicht nehmen, bei jedem Termin im Sozialzentrum zuerst im Intake vorbeizukommen und eine langjährige Mitarbeiterin am Schalter mit einem lauten «Hoi» zu begrüssen. Sie sagte darauf jeweils mit einem Augenzwinkern: «Für Sie immer noch Frau Huber!». Als sie an ihrem letzten Arbeitstag im Intake diesen Klienten aus dem Fenster auf der Strasse sah, eilte sie hinaus und bot ihm das «Du» an. Der Klient war hocherfreut. Seine Geste, sie auf die Backe küssen zu wollen, lehnte sie dann aber dankend ab.

Ramun Vital, Leiter Intake Sozialzentrum Hönggerstrasse

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