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Stadtspital Waid 1 Kommentar

Saisonende für Wintersportverletzungen

29. März 2017 von

Foto: Roland Brändli

Kann wieder lachen: Gabriela Wittlinger mit ihrem gebrochenen Handgelenk.

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29. März 2017

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Nun blicken die Skigebiete wieder ruhigeren Zeiten entgegen – mit Auswirkungen bis ins Unterland. Denn auch im Stadtspital Waid fallen Operationen weg, wenn im Frühling die Ski, Snowboards, Schlitten und Schlittschuhe im Keller versorgt werden.

Gabriela Wittlinger fährt mit hohem Tempo am Pistenrand, wo der Schnee etwas ruppig ist. Dennoch – die exzellente Skifahrerin hat keine Ahnung, weshalb sie plötzlich stürzt. Kein Stein weit und breit und auch die Ski hat es ihr nicht «verschnitten». Als sie sich benommen wieder hochrappelt, spürt sie Übelkeit. Und das Handgelenk schmerzt. Trotzdem fährt sie an jenem Freitagnachmittag noch anderthalb Stunden weiter und lenkt am Abend sogar das Auto nach Zürich zurück. Doch am Samstagmorgen ist das Handgelenk so geschwollen, dass sie die Notfallstation aufsucht. Die Diagnose: Fraktur des Kahnbeins, eines der neun Knöchelchen in der Handwurzel. «Dieser Bruch ist ein Klassiker», erklärt Handchirurgin Catherine Hess vom Stadtspital Waid. Gabriela Wittlinger ist als Frau von Mitte 50 allerdings keine typische Patientin. «In der Regel sind von dieser Verletzung junge, sportliche Männer betroffen: Skifahrer, Skater und sehr häufig Fussballer», so die Chirurgin, «stets nach einem Sturz auf eine harte Unterlage.»

Operation ja oder nein?

Für Gabriela Wittlinger stellt sich nun die Frage: Operieren oder nicht? Bei einer Operation muss die Handchirurgin die Schraube im feinen, gewölbten Knochen dreidimensional äusserst genau platzieren, sonst heilt der Bruch nicht. Andererseits hat mitunter auch die konservative Behandlung mit Gips ihre Tücken. Ist der Knochen im hinteren Drittel gebrochen, wo er schlecht durchblutet ist, wächst er in 80 Prozent der Fälle selbst bei zwölfwöchiger Ruhigstellung nicht wieder zusammen. Bei Gabriela Wittlinger heisst es abwägen, beide Wege sind möglich. Catherine Hess rät eher zur Operation. Auch für die bewegungsfreudige Patientin ist der Fall schnell klar. Den Arm zwölf Wochen im Gips blockiert zu haben, wäre ihr eine schreckliche Vorstellung.

Folgen des verdrehten Knies

Die diversen Gefahren der Wintersportarten werden selbst in einem Unterländer Spital wie dem Stadtspital Waid jeden Winter spürbar. Jemand mit einem zertrümmerten Bein wird zwar in der Regel gleich vor Ort im Berggebiet chirurgisch versorgt. Hingegen führen die typischen Skifahrerverletzungen Kreuzband- oder Innenbandriss nach einem «verdrehten Knie» heute nicht mehr direkt in den Operationssaal, sondern werden im Berggebiet nur noch primärbehandelt. Später kommen die Betroffenen dann via Hausärztin oder Hausarzt ins Spital ihres Wohnorts oder melden sich auf der hiesigen Notfallstation, um sich weiter abklären zu lassen. Für die Rehabilitation nach Knieverletzungen steht in der Physiotherapie des Waidspitals seit kurzem ein Gerät namens «AlterG» zur Verfügung. Dieses Anti-Schwerkraft-Laufband vermag das Körpergewicht durch eine aufblasbare Luftkammer um bis zu 80 Prozent zu verringern und ermöglicht so ein schonendes und schmerzfreies Geh- und Lauftraining. «Die Patientinnen und Patienten profitieren davon enorm», betont der Unfallchirurg Patrick Grüninger.

Gefährdete Schultern

Grüninger ist spezialisiert auf die Behandlung von Schulterverletzungen. Auch diese gehören im Winter zum täglichen Brot in der Waid-Unfallchirurgie. Besonders gefährdet für Schultersehnenrisse oder andere Verletzungen an der Rotatorenmanschette sind die Snowboarderinnen und Snowboarder. Wenn sie stürzen, geht die Schulter oft mit voller Wucht voraus. Häufig tut die Schulter nach einem solchen Unfall zwar weh, doch auf dem Röntgenbild sieht man nichts, weil ja nichts gebrochen ist. Also verordnet der Hausarzt oder die Hausärztin vielleicht zuerst einmal ein Schmerzmittel und Physiotherapie, bis klar wird, dass das nicht hilft. «So vergehen nicht selten drei bis vier Monate, bis die Leute zu mir kommen», berichtet Schulterspezialist Patrick Grüninger.
Als gefährlichsten Wintersport mit den übelsten Verletzungen bezeichnet der Unfallchirurg indes das Schlitteln. Da könne alles in Bruch gehen, Kopf, Schulter, Rücken, Bein. Weil die Schlittelpiste am Üetliberg quasi zum Stadtspital Triemli hinunterführt, landen verletzte Schlittlerinnen und Schlittler in Zürich allerdings eher auf der dortigen Notfallstation als im Stadtspital Waid.

Operation gut verlaufen

Bei Gabriela Wittlinger ist die Operation gut verlaufen. In ein paar Tagen kann sie die Fäden entfernen lassen. Auch die stabilisierende Gipsschiene darf sie bald ablegen. Und im nächsten Winter, so viel ist klar, wird es die begeisterte Skifahrerin trotz allem wieder auf die Piste ziehen.

Kommentare

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500
19. Juli 2017 um 16:16 Uhr von Theo Bodmer

Ja, ja, d’Gaby wider. Immer uf tutti: im Winter uf de Piste,
im Summer wohl ufm Sprungbrätt. Und sicher überhaupt im Läbe, gäll. De Bumbi würd jetzt säge: „wenn la chère Gabriela nur bim Wörtli apprendre achli mee enthusiasme zeigen würde!“