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Grüne

Stadt begrünen statt Grün bestatten

29. März 2017 von

Foto: Martin Zahnd, natur-fotograf.ch

Auch Füchse nutzen Grünkorridore, die leider zunehmend unter Druck geraten.

Von

Online seit
29. März 2017

Printausgabe vom
30. März 2017
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Mehr Grün tut gut – doch Grün ist leider ein knappes Gut. Dabei geht es keineswegs nur um Bäume. Auch kleinste Flächen, wie Baumscheiben oder Fassadenbegrünungen, helfen, Zürich ein Stück lebenswerter zu machen.

Die Stadt Zürich hat das erkannt und sich zum Ziel gesetzt, jedem Einwohner acht Quadratmeter und jedem Arbeitsplatz fünf Quadratmeter Grünfläche zur Verfügung zu stellen. Viele Quartiere verfügen aktuell bei Weitem nicht über so viel Grünraum. Zudem sagt eine Zahl nichts darüber aus, ob dieses Grün tauglich ist als Erholungsraum für Menschen, als ökologische Nische für das, was kreucht und fleucht oder als Klimapuffer in der heissen Jahreszeit. Manchmal ist Grün reines Abstandsgrün zwischen Gebäuden, ist isoliert auf Dächern oder darbt auf knapp 30 Zentimetern Erde über einer Tiefgarage, die in den Boden eingegraben ist.

Miteinander von Grün und Stadt

Die Grünen haben im Jahre 2014 die Grünstadt-Initiative lanciert, die das Grün schützen und dessen Nutzen fördern will: Erstens ist öffentlicher Grünraum zu sichern. Zweitens sollen Grünräume vernetzt und verstärkt der Erholung und der Biodiversität dienen. Und drittens sollen sie in allen städtischen Quartieren ausreichend vorhanden sein. Die wachsende Stadtzürcher Bevölkerung setzt die vorhandenen Grünräume zunehmend unter Druck. Einerseits wird nach Innen verdichtet, was heissen kann, dass Innenhöfe zugebaut oder ganze Siedlungen durch grössere Bauten ersetzt werden und somit Grünfläche verloren gehen. Andererseits besteht die Versuchung, zum Beispiel für Schulhäuser oder Sportstätten Freihaltezonen zu Bauzonen umzuwandeln und zu überbauen. Und zuletzt kann eine Übernutzung bestehende Anlagen gefährden, wie das zum Beispiel rund um das Seebecken zu beobachten ist.

Grüne Lebensräume statt Abstandsgrün

Wir Grünen stellen klar: Sowohl die Schaffung von Wohnraum durch Verdichten als auch Schul- und Sportanlagen sind berechtigte Anliegen, die wir unterstützen. Mit der Initiative wollen wir lediglich, dass im Planungsprozess auch Grünräume ihren angemessenen Stellenwert erhalten und geplant werden, so wie zum Beispiel die Anzahl Geschosse, die Höhe von Kaminen oder die Abstellplätze für Autos und Velos beachtet werden müssen. Dabei geht es nicht um die reine Fläche, die etwa mittels Grünflächenziffer – das Verhältnis von unversiegelter Fläche zur gesamten Grundstücksfläche – gemessen wird. Viel entscheidender ist die Qualität, die leider oft vergessen geht. Nicht alles was glänzt, ist Gold oder übertragen: Nicht alles was grünt, ist ökologisch wertvoll. Nur weils grün ist, bietet es noch keine Erholung, beleben es noch keine Tiere oder unterschiedliche Pflanzen.

Natur am Bahndamm

Um der Bevölkerung die verschiedenen Facetten und Zusammenhänge zu zeigen, veranstalten wir im April und Mai in der ganzen Stadt Quartierrundgänge. In Wipkingen startet dieser Rundgang bei den Bahngeleisen (siehe Infobox). Diese bieten von der Überdeckung, wo gestalteter Grünraum der Naherholung dient über das Urban-Gardening-Projekt «Garte über de Gleis» bis zu den verwilderten und kaum von Menschen betretenen Flanken des Bahndammes unterschiedlichste Naturräume auf wenigen hundert Metern. Es folgt die Limmat, die auf ihrer Passage durchs Quartier ebenfalls eine ganze Palette an lebendigen Grünräumen durchfliesst. Der rund 90-minütige Spaziergang findet seinen Abschluss beim Lettenareal.

Jürg Rauser, Grüne Kreis 6/10

Grünstadt-Exkursion Wipkingen
Wir erkunden grüne Lebensräume entlang der Gleise und der Limmat von der Nord- bis zur Kornhausbrücke. Leitung: Ueli Nagel, Biologe, Alt-Gemeinderat.
Dienstag, 25. April, 17.30 bis zirka 19 Uhr
Treffpunkt: Bushaltestelle Bahnhof Wipkingen (stadteinwärts)

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