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SVP

Steigendes Ärgernis Staatsbetriebe

29. März 2017 von

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29. März 2017

Printausgabe vom
30. März 2017
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Die Staatsbetriebe Post, SBB und ZKB haben ihr Leistungsangebot in Wipkingen abgebaut. Wie rechtfertigt sich nun die Staatsgarantie?

Das erste Stadtzürcher Hochhaus, das reformierte Kirchgemeindehaus, wurde mit dem Versprechen gebaut, dass es für immerdar das Zentrum Wipkingens sein solle. Nur so war das Ja in der Volksabstimmung zu erreichen. Die Zürcher Kantonalbank hatte im Erdgeschoss ihre Wipkinger Filiale. Die Post, damals die PTT, richtete 1931 ihre erste grosse Postfiliale in Wipkingen ein, geräumig, mit Platz für Pakete, mit Schaltern für Postgeschäfte, Zahlungsverkehr und Beratungen. 2003 wechselte die Post in die Filiale in den Coop am Röschibachplatz – welche selbstverständlich zu klein ist. Nun will die Post eine weitere Filiale einrichten, die bald auch wieder zu klein sein wird.

Paketflut zu erwarten

Das Internet stellt die Welt auf den Kopf. Man kann erahnen, dass die Menschen künftig weniger in Einkaufszentren einkaufen, sondern sich die Sachen im Internet bestellen und heimschicken lassen. Bei der Auktionsplattform Ricardo sind beispielsweise in der Rubrik «Antiquitäten und Kunst» über 43’000 Artikel aufgelistet, oder in «Haushalt und Wohnen» über 200’000 Artikel. Dies nimmt fast alles den Weg per Paket. Und zwar zuerst vom Verkäufer an den Schalter, dann vom Kunden abgeholt am anderen Schalter. Wie will eine kleine Filiale dies bewältigen? Wir begreifen nicht, weshalb die Post ihre Poststelle Wipkingen mit Tiefgarage, Anfahrt für PW und Lieferwagen, genügend Platz für Pakete und Briefe und geräumiger Schalterhalle durch winzige «Schälterchen» in Apotheken oder Cafés ersetzt.

Staatsgarantie mit Auflagen

Ein Argument für Staatsmonopole sind die Auflagen, die damit verbunden sind. Die Post hat eine Beförderungspflicht für Briefe und Pakete. Was ordentlich frankiert ist und dem Postreglement entspricht, muss befördert werden. Eine private Firma muss das nicht. Eine private Post würde Bergtäler oder abgelegene Dörfer weniger oder gar nicht mehr bedienen. Dies ist ein ernsthaftes Argument für ein Staatsmonopol. Wahlen und Abstimmungen wären beispielsweise mit privatisierter Post nicht mehr ohne weiteres garantiert.
In Wipkingen leben 15 000 Menschen, es gibt fast 5 000 Arbeitsplätze. Und da soll eine Filiale nicht rentabel betrieben werden können? Und warum zieht es dann die Modeketten und Sportschuh-Konzerne auf der ganzen Welt in die teuersten Lagen in den Innenstädten?

Bahnschalter: Huttwil macht‘s vor

Im bernischen Huttwil geht’s: Dort hat die BLS beim komplett renovierten Bahnhof ein Zentrum eingerichtet. Mit Kiosk, Ladengeschäft und einem Reisebüro, inklusive Bahnbillette-Schalter. Automaten hat es auf jedem Perron, wer nach Paris oder in die Südsee verreisen will, kriegt am Schalter Beratung und ein Komplett-Angebot.
Das Bahnhof-Reisebüro Wipkingen hat den Tatbeweis erbracht, dass Billettverkauf verbunden mit Kundenservice funktioniert und einem Kundenbedürfnis entspricht. Es ist komplett unverständlich, weshalb die SBB diese Erfolgsgeschichte einsargen will.

Dienstleisten oder privatisieren

Viele Dienstleistungen, welche für das Kleingewerbe praktisch und notwendig sind, werden abgebaut. Kleingewerbe, Fachgeschäfte oder Kioske funktionieren weiterhin mit Bargeld. «Münz» muss man wechseln können – kein grosses Geschäft für eine Bank, aber eine Notwendigkeit für das Kleingewerbe. Die Wipkinger Filiale der ZKB war zweckentsprechend, die Schliessfächer waren ausgebucht. Viele Unternehmen haben ihre Passwörter für die Informatik und Notfallpläne in versiegelten Couverts im Schliessfach aufbewahrt, und Private können dort ihre «Vreneli» und ihr Testament versorgen. Bahn ohne Verkaufsschalter, Post ohne Schalterhalle und Kantonalbank ohne Filiale in Wipkingen. Wenn Staatsbetriebe ihre Dienstleistungen laufend einschränken, kann man sie dann nicht gleich privatisieren?

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