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Stadtspital Waid

Urologische Hilfe bei Prostatabeschwerden

14. Dezember 2016 von

Foto: zvg

Dr. Josef Beatrice zeigt am Modell, wo die Prostata liegt: Gleich unter der Blase.

Von

Online seit
14. Dezember 2016

Printausgabe vom
15. Dezember 2016
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Gutartige Prostatavergrösserungen und Prostatakrebs gehören zu den zentralen Themen der Urologie im Stadtspital Waid. Der Urologe Josef Beatrice erklärt, wann eine Untersuchung nötig ist und welche Behandlungen es gibt.

Jeder Mann spürt früher oder später seine Prostata. Diese Drüse liegt genau unterhalb der Blase und umschliesst die Harnröhre. Und weil die Prostata ab dem Alter von etwa 40 Jahren zu wachsen beginnt, engt sie die Harnröhre nach und nach ein. Gleichzeitig übt sie gegen oben einen Reiz auf die Blasenmuskulatur aus. Die Folgen: Beim Wasserlösen ist der Strahl ist nicht mehr so kräftig, im Extremfall bis zum Verschluss, das Hinauszögern klappt nicht mehr so gut, zum Teil bis zur Inkontinenz, es tröpfelt nach, in der Nacht werden mehrere Toilettengänge nötig und oft bleibt nach dem Wasserlösen das Gefühl, die Blase sei nicht ganz leer.

Schmerzlose Untersuchung

Wie weit die Prostata bereits vergrössert ist, lässt sich einfach und schnell mit Abtasten untersuchen, kombiniert mit einer Harnflussmessung und einem Ultraschall. Die Symptome beim Wasserlösen deuten in der Regel auf eine gutartig vergrösserte Prostata hin – und nicht etwa auf Krebs. «Wenn sich jemand dadurch nicht sehr gestört fühlt, reicht vielleicht schon eine Handvoll Kürbiskerne im Tag als Therapie», erklärt der Urologe Dr. Josef Beatrice vom Stadtspital Waid. Bei grösserem Leidensdruck helfen gut wirksame und meist gut verträgliche Medikamente. Das klassische Mittel, der der sogenannte Alphablocker, entspannt die Muskulatur der Prostata, so dass der Druck auf die Harnröhre nachlässt. Allerdings kann dieses Medikament auch den Blutdruck senken. Ist dieser vorher schon zu tief, könnte Schwindel drohen. Die zweite Gruppe von Wirkstoffen, die 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, beeinflusst den Testosteronstoffwechsel in den Prostatazellen. Diese Mittel lassen das Prostatavolumen wieder um rund 25 Prozent schrumpfen, entfalten ihre vollständige Wirkung aber erst nach mehreren Monaten.

Sollten die Medikamente nicht oder nicht mehr anschlagen, bleibt die «kleine Prostataoperation». Bei dieser Routineoperation via Harnröhre wird der innere Teil der Prostata entfernt. «Viele Patienten haben Angst vor dieser Operation», sagt Josef Beatrice. Doch der Urologe kann sie beruhigen: «Bei der kleinen Prostataoperation ist weder eine Inkontinenz noch eine Impotenz zu befürchten.» Diese beiden Risiken drohen in Einzelfällen nur bei der «grossen Prostataoperation». Bei dieser Krebsoperation muss die ganze Drüse entfernt werden. Aber selbst das gelingt mit den heutigen modernen Operationstechniken, oft mit Unterstützung eines Roboters, viel präziser und damit schonender als früher. Und je früher der Krebs entdeckt wird, desto weniger radikal muss operiert werden.

Screening gegen Krebs

Im Gegensatz zur gutartigen Prostatavergrösserung macht sich ein Prostatakrebs meistens über lange Zeit nicht bemerkbar, sondern leider oft erst, wenn es schon zu spät ist. Der Urologe des Stadtspitals Waid plädiert deshalb für regelmässige Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt oder bei der Hausärztin. Zwar gibt es immer noch kritische Stimmen gegen das Screening mittels PSA-Bluttest (Prostataspezifisches Antigen). Tatsächlich ist dieser Test nicht direkt diagnostisch. Er zeigt nur die Wahrscheinlichkeit an, dass eine Krebserkrankung vorliegen könnte. Ob dem wirklich so ist, muss anschliessend mit einer gezielten Gewebeprobe überprüft werden. In etlichen Fällen erweisen sich am Ende die Angst des Patienten und die für ihn unangenehmen Folgeuntersuchungen als unnötig. «Auf der anderen Seite», betont Josef Beatrice, «ist heute klar erwiesen, dass das Screening die Sterblichkeit am Prostatakrebs reduziert.» Und das hat Gewicht. Immerhin ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung und die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern. Etwa 1600 Männer sterben pro Jahr in der Schweiz daran. Das entspricht etwa der Tödlichkeit von Brustkrebs. Insgesamt bekommt sogar jeder sechste Mann irgendwann die Diagnose Prostatakrebs. Glücklicherweise handelt es sich in vielen Fällen um harmlose Arten, die über Jahrzehnte ganz langsam vor sich hin wachsen, so dass der Betroffene gar nie etwas davon spürt. Der Urologe des Waidspitals meint denn auch: «Beim 80-Jährigen muss man Prostatakrebs nicht mehr aktiv suchen, wenn er symptomlos ist.» Empfohlen werden die PSA-Bluttests für Männer im Alter zwischen 50 und 70 Jahren, und zwar etwa alle zwei Jahre. Denn aufschlussreich ist auch, wie sich der PSA-Wert entwickelt. Ein einmalig erhöhter Wert kann von unbedeutenden entzündlichen Vorgängen in der Prostata herrühren. Ein kontinuierlich ansteigender Wert jedoch lässt aufhorchen. Stabile oder gar sinkende Werte hingegen bedeuten Entwarnung in Sachen Krebs.

Katja Rauch

Zwei Urologen im Stadtspital Waid
Josef Beatrice und Peter Sauermann betreuen die Urologie des Waidspitals.

 

 

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