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Ratgeber

Von Gärten

14. Dezember 2017 von

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14. Dezember 2017

Printausgabe vom
14. Dezember 2017
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Am Anfang war es das Grün: Ohne Büsche, Bäume und Blumenblätter gäbe es kein Leben. Sie zu einem Garten zu komponieren, lässt sie jedoch über ihren reinen Nutzen hinauswachsen. In Gärten finden Natur, Mensch und Kunst zusammen.

Nicht Wildnis, sondern Paradies – das ist die Idee der Gärten. «Inspirationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte» erzählt die Entwicklung der Gärten von ihrem mutmasslichen Beginn in Mesopotamien bis heute. In chronologisch geordneten und mit Stichworten versehenen Abschnitten geht es – mit einem Schwerpunkt auf Mitteleuropa – um die bedeutendsten Stile, Strömungen und Menschen in der Gartenkunst. Dass Sehnsüchte und Weltanschauungen neue Gärten entstehen lassen und dass Gärten zu Kunstwerken inspirieren, soll diese Zeitreise auch vor Augen führen. Jeder Garten spricht alle Sinne an: Vögel zwitschern im Frühjahr und fliegen geschäftig von Busch zu Baum. An Sommervormittagen duftet der frisch gemähte Rasen, im Herbst das Fallobst. Himbeeren direkt von der Staude zu essen, bleibt unvergesslich, die Farben der selbst gezogenen Karotten und Blumen leuchten direkt ins Herz. Und im Winter, wenn es schneit, ist alles in Weiss gehüllt und still, die Pflanzen ruhen aus und sammeln Kraft für den Neuanfang. Auch wenn die berühmten und stilbildenden Gärten oft durch grossen Reichtum möglich wurden, sind schöne Gärten kein Privileg der Wohlhabenden. Ob Schrebergarten, Landschaftspark oder Volkspark, ob Bauerngarten, Balkon- oder Gemeinschaftsgarten in der Grossstadt – kleine und grosse Gärten durchwirken die gebaute Landschaft. Vielleicht sind sie heute noch bedeutsamer als in ihrer bisherigen Geschichte: In Zeiten verdichteten Bauens holen wir in Gärten Luft – in einem umfassenden Sinn –, und für viele Tiere sind sie Lebensraum und Nahrungsquelle. Warum aber schmecken Himbeeren nach Himbeeren? Woher holen Beeren, Früchte, Gemüse und Kräuter ihren Geschmack, wenn nicht aus der Gartenerde, die ein ganzes Universum an Leben enthält, und aus der Luft, dem Regen, dem Sonnenlicht und der Hitze? Wer einen Garten anlegt, verwirklicht sein eigenes Paradies. Die buchstäbliche Verwurzelung von Büschen, Bäumen und Blumen im Garten und die Wiederkehr der Jahreszeiten vermitteln uns ein Gefühl von Beständigkeit und Halt. Gärten lehren uns, im Augenblick zu leben, mit all unseren Sinnen die Umgebung wahrzunehmen und uns auf Wesentliches zu besinnen. Nicht allein Zweck und Arbeit, sondern Lust und Kontemplation: Als imaginierte Glücksorte haben Gärten utopische Kraft. Sowohl die prächtigen historischen Gärten als auch die kleinen idealistisch gehegten Gartenparadiese schenken unseren Lebensorten Zauber und Poesie. Ideen begründen Gärten. In Gärten wachsen Ideen.

Inspirationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte. erschien im Oktober im Birkhäuser Verlag. ISBN 978-3-0356-1383-4. Nadine Olonetzky, 1962 in Zürich geboren, schreibt zu Themen aus Fotografie, Kunst und Kulturgeschichte und ist Autorin sowie Herausgeberin mehrerer Bücher. Sie ist Mitglied von Kontrast (www.kontrast.ch), Projektleiterin/Lektorin im Verlag Scheidegger & Spiess und lebt in Wipkingen.

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