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Gewerbe Wipkingen

Wasser sparen – aber richtig

27. Juni 2018 von

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27. Juni 2018

Printausgabe vom
28. Juni 2018
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Wasser soll vernünftig verbraucht werden. Allerdings gibt es Übertreibungen mit dem Thema Wasser sparen, welche gravierende Folgen haben können.

Das Zürcher Trinkwasser ist erstklassig. In Wipkingen konsumieren wir vorwiegend Trinkwasser vom Käferberg, wo das neue Reservoir kürzlich eingeweiht wurde. Ein massvoller Wasserverbrauch senkt zwar die Menge, hat aber auch unerwünschte Nebenwirkungen. In weniger gut sanierten Häusern steigt die Temperatur der Wasserleitungen und des darinstehenden Wassers selten auf über 15 Grad. In Minergiehäusern sinkt die Temperatur kaum mehr ab. Dies ist energetisch sinnvoll, hat aber einen unerwünschten Nebeneffekt: Die Wasserleitungen im Haus erwärmen sich ebenfalls auf konstant 18 bis 20 Grad Celsius. Dies hat eine unerwartete Konsequenz: Die Wasserleitungen in gut sanierten Häusern werden zu einem Ökosystem. Obwohl es komplett dunkel ist, überleben darin allerlei Kleinstlebewesen. Viele Wasserpflanzen setzen sich in den Röhren, Zuleitungen und Abwasserleitungen fest. Blaualgen, Grünalgen und Einzeller, die sich durch Zellteilung vermehren, finden hier einen Lebensraum. Der Unterschied zwischen 15 Grad und 20 Grad ist massiv. Auch gefährliche Krankheitserreger überleben in gut isolierten Häusern vermehrt: Der bekannteste und gefährlichste sind der Auslöser der Legionärskrankheit, die Legionellen. Die Bakterien überleben, und unter der Dusche oder beim Händewaschen übertragen sich die Krankheitserreger auf den Menschen.

Durchfluss gewähren

Gegen die weniger gefährlichen Kleinstlebewesen und Krankheitserreger hilft regelmässiger Wasserdurchfluss. Die neuen wassersparenden Duschbrauseköpfe und Wasserhahnen in den Lavabos gewähren leider zu wenig Durchfluss. Beim normalen, alltäglichen Wasserverbrauch werden die Leitungen im Haus nicht mehr ausgespült. Die Lebewesen bleiben im Leitungssystem drin und halten das Ökosystem aufrecht.
Ein übertriebener Trend zum Wasser sparen zeigt eine unerwünschte Nebenwirkung: Die sogenannten Stillstandzeiten im Wassersystem eines isolierten Hauses sind zu gross. Daher muss man in einem Haus nicht bedingungslos Wasser sparen, sondern man soll dafür sorgen, dass die Leitungen regelmässig komplett durchgespült werden.
Wasser muss fliessen: Hahnen täglich für ein bis zwei Minuten laufen lassen und im WC immer die grosse Spülung benutzen und zwischendurch leer spülen. Die Kanalisation im Untergrund ist ihrerseits ein Ökosystem, welches aber nicht in physischem Kontakt mit den Menschen steht. Das Abwasser wird gereinigt und ist nachher wieder unbedenklich.

Boiler richtig einstellen

In den letzten Jahren sind die Fälle von ausgebrochener Legionärskrankheit massiv gestiegen. Ein erhöhter Wasserdurchfluss hilft nicht, da diese Bakterien im heissen Wasser bis etwa 60 Grad Celsius überleben. Die Warmwasseraufbereitung und die Heizung müssen deshalb entsprechend eingestellt sein. Heizungssysteme, welche auch das Warmwasser mit einbeziehen, müssen fachmännisch installiert sein und korrekt funktionieren. Auf jedem Boiler steht ein Hinweis, wann die nächste Revision fällig ist. Dies muss ein Fachmann besorgen und man darf die Fristen im Eigeninteresse nicht überziehen.
Gute Heizungssysteme erwärmen oft das gesamte Heisswasser einmal in der Woche auf 90 Grad und töten damit die Kleinstlebewesen und Krankheitserreger in den Leitungen. Der Boiler muss konstant auf etwa 70 Grad eigestellt sein. Wer Energie sparen will und die Boiler auf weniger als 60 Grad einstellt, fördert ein unerwünschtes Ökosystem in seinem Haus, welches für den Bewohner dramatisch enden kann. 

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