Wie wollen wir Zürichs Zukunft gestalten?

Wer die Ergebnisse der städtischen Umfrage von 2015 liest, erkennt rasch, dass die Zürcherinnen und Zürcher mit der Stadt, ihren Behörden und öffentlichen Dienstleistungen im Grossen und Ganzen sehr zufrieden sind.

Ronny Siev, GLP Kreis 10
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In der Umfrage wird der Verkehr als das grösste Problem benannt. Vor allem Höngg, mit den notorischen und scheinbar alternativlosen Nadelöhren Meierhofplatz und Am Wasser/Breitensteinstrasse ist vom Verkehr geplagt. Wipkingen muss bis auf weiteres mit der meistbefahrenen Strasse der Schweiz leben, da der aktuelle kantonale Entwurf eines völlig überdimensionierten Rosengartentunnels so kaum mehrheitsfähig sein dürfte. Der öffentliche Verkehr in der Stadt ist hervorragend ausgebaut. Auch hier bildet der Kreis 10 eine Ausnahme, denn die Benutzer des Bahnhofs Wipkingen müssen weiterhin auf den Viertelstundentakt warten. Veloschnellstrassen fehlen weitgehend. Ich konnte kürzlich in Wien sehen, was diesbezüglich möglich wäre. Die Grünliberalen setzen sich stets für den getrennten Fussgänger- und Veloverkehr und den öffentlichen Verkehr ein und bieten dabei Hand zu Lösungen, bei denen die Menschen im Zentrum stehen, nicht die Autos und nicht die Dogmen. Mit dem Richtungswechsel einer Fahrspur in den grossen Einfallachsen je nach Tageszeit gehen wir Grünliberalen einen ganz neuen Weg, auf dessen Umsetzung wir sehr gespannt sind.

Arbeitslosigkeit, ein wachsendes Problem

Als zweitwichtigstes Problem nennt die Umfrage die Arbeitslosigkeit. Der derzeitige Digitalisierungsschub hat zur Folge, dass immer mehr Prozesse automatisiert werden. Nicht nur die Dienstleistungen sind davon betroffen, auch in der verarbeitenden Industrie hält die Automatisierung mit eindrücklichen Effizienzsteigerungen Einzug. Unsere beiden grossen Lebensmittelhändler haben bereits weitgehend auf Roboterkassen umgestellt. Viele «Lädeli» haben Schwierigkeiten, im neuen Umfeld zu überleben. Die Online-Konkurrenz bietet grosse Sortimente zu oft günstigeren Preisen an. Ladenlokale bleiben deshalb immer öfter leer. Zur Belebung der Stadt sollten sie umgenutzt werden können. Kinderkrippen oder Quartiertreffpunkte könnten so einen Platz finden. Die Finanzbranche, einst das Rückgrat der Zürcher Wirtschaft, hat in den vergangenen zehn Jahren einen beispiellosen Niedergang hinnehmen müssen. Die Credit Suisse beispielsweise hat ihre hiesige Mitarbeiterzahl seit 2007 beinahe halbiert. Das Ende des Bankgeheimnisses hatte zur Folge, dass die Hälfte der hochrentablen ausländischen Vermögen auf Schweizer Banken das Land verlassen haben, aber auch, dass viele Stellen ins Ausland verlagert werden konnten. Auch diese Entwicklung wird durch die Digitalisierung zusätzlich verstärkt, es ist keine Trendumkehr zu erwarten. Einige Freunde von mir, gut ausgebildet und mit eindrücklicher, langjähriger Arbeitserfahrung sind derzeit auf Stellensuche. Für die meisten ist es eine neue Erfahrung, einen neuen Platz im Arbeitsmarkt finden zu müssen. Mir geht es sehr nahe, wenn gestandene Familienväter nach Dutzenden von Absagen fast zu verzweifeln drohen.

Digitalisierung birgt Chancen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt – nutzen wir sie!

Wir müssen uns den neuen Herausforderungen stellen und entsprechende Lösungen anbieten, damit Zürichs Wirtschaft zu neuer Dynamik finden kann. Was können wir für sie tun? Umschulungen können der Karriere einen neuen Schub geben und sollen gefördert werden. Zusätzlich müssen Arbeitslose, aber auch Jugendliche lernen, was die neue Welt ihnen für neue Chancen bieten kann. Digitalisierung schafft auch Tausende neuer Jobs. Jeder kann heute im Social-Media-Bereich Content produzieren. Jeder kann heute Apps entwickeln. Erstmals in der Geschichte kann heute jeder mit minimaler Infrastruktur weltweit Kunden erreichen. Bereits in den Schulen sollte die Digitalisierung und die daraus entstehenden Berufsmöglichkeiten thematisiert werden. So können wir brachliegendes Potential ausschöpfen, mit dem klaren Ziel, Zürich zum Innovations- und Technikhub zu entwickeln. Auch sollen Ausbildungsstätten vermehrt die Selbstständigkeit als valable Alternative zum Erwerbsleben darstellen. Die Grünliberalen fordern deshalb die Null-Bürokratie-Initiative für Kleinstunternehmen. Sie wird der Wirtschaft den benötigten Schwung geben. Wir Grünliberalen, unsere Fraktion im Gemeinderat, unser Stadtratskandidat Andreas Hauri, gemeinsam mit unserem Think Tank GLP Lab haben für die kommenden Jahre neue progressive und innovative Ideen für Zürich ausgearbeitet. Nur indem wir uns mit den neuen Gegebenheiten auseinandersetzen, können wir sicherstellen, dass die Zürcherinnen und Zürcher auch in künftigen Umfragen ihre grosse Zufriedenheit ausdrücken können.

Ronny Siev, GLP Gemeinderat Kreis 10

 

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