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Quartierleben

«Wir treten mit vereinter Stimme auf»

30. März 2016 von

Foto: Fredy Haffner

Die Quartiervereinspräsidenten Beni Weder, Wipkingen, und Alexander Jäger, Höngg, treffen sich unterhalb der Waid an der Emil-Klöti-Strasse, genau auf der früheren Gemeindegrenze.

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30. März 2016

Printausgabe vom
31. März 2016
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Quartiervereine sind ein wichtiges Überbleibsel der Gemeindeautonomie. Die beiden Quartiervereinspräsidenten Beni Weder, Wipkingen, und Alexander Jäger, Höngg, diskutieren über Verbindendes und Unterschiede der beiden Quartiere, über die Aufgabe ihrer Vereine, wie man diese wahrnimmt – und über Quartierentwicklung.

Man trifft sich auf der Redaktion, am kleinen Tisch, nachbarschaftlich eng zusammensitzend. Man kennt sich und ist per Du, so wie auch dieses Interview festgehalten ist.

«Wipkinger»: Wie gut kennt ihr euer Nachbarquartier, wie nehmt ihr es wahr?

Alexander Jäger: Ich kenne Wipkingen relativ gut, weil mein Vater dort aufgewachsen ist. Ich war oft an der Nordstrasse beziehungsweise der Rousseaustrasse bei meinen Grosseltern. Im Unterschied zu damals, 1987, leben heute aber viel mehr Junge mit Kindern in Wipkingen – ich fand damals fast keine anderen Jungs, um Fussball zu spielen. Das Quartier selbst sieht aber dort noch genau gleich aus: viele Genossenschaftshäuser der «Bähnler», mein Grossvater war auch einer von ihnen. Es ist ein schönes Quartier und in die Stadt kommt man sogar zu Fuss.

Beni Weder: Höngg kenne ich gut, weil meine Schwiegereltern da wohnen. Ich nehme Höngg − und dieses Image verbreitet man bei euch ja auch − noch immer als «Dorf» wahr, das seine Traditionen und Anlässe wie das Wümmetfäscht hoch hält. Für uns Wipkinger ist es auch ein Naherholungsgebiet: Zum Schlitteln gehen auch wir aufs «Müseli» bei der Waid oder wir spazieren auf dem Höhenweg zum Gubrist.
Höngg sehe ich auch als ETH-Standort, und trotzdem leben in Höngg weniger Junge als bei uns. Die Statistik mit der Alterspyramide zeigt für Wipkingen einen «Bauch» bei der Altersgruppe um die 40 und für Höngg, mit sinkender Tendenz, einen bei um die 50. Der Wandel bei uns setzte vor sieben Jahren ein, was auch die Schulen zu spüren bekamen: Es entstanden mehr Kindergärten, Klassen und Betreuungsstätten.
Worüber bei uns auch immer geredet wird, ist der «Ringling».

Warum das?

Weder: Weil die Leute aus Wipkingen auf ihrem Sonntagsspaziergang die Baugespanne sehen und das beschäftigt sie.

Jäger: Und in Höngg bewegt dafür der Bahnhof Wipkingen: Er ist auch für Höngg als Umsteigeort wichtig. Höngg hat ja leider keinen Bahnhof. Man muss, will man nicht über den HB, nach Altstetten, Oerlikon oder eben Wipkingen.

Weder: Schon, aber der «Ringling» bewegt aus Wipkinger Sicht anders. Bei uns besteht, wie auch Alexander beobachtet, noch viel alte Bausubstanz mit eher kleinen Wohnungen. Junge ziehen in diese günstigen Wohnungen und haben dann ein Problem, wenn sie später mit Familie eine Wohnung suchen. Günstige Familienwohnungen fehlen, auch wenn einzelne Genossenschaften reagieren und Wohnungen zusammenlegen oder gleich ganz neu bauen. Trotzdem wird Bausubstanz und Charakter erhalten, wo es geht. Spekulationen mit Blockrand- oder Arealüberbauungen haben es in Wipkingen schwerer – man nimmt, was die Siedlungsstruktur angeht, die Verantwortung war. Der «Ringling» aber ist ein gewaltiger Kuchen…

Jäger: Es sind aber auch Genossenschaften und die Stadt, die den «Ringling» bauen wollen…

…Und auch Höngg kennt das Problem mit den fehlenden, bezahlbaren Familienwohnungen: Ausser im Rütihof findet man kaum etwas. Und damit sind wir mittendrin: Was verbindet die beiden Quartiere, oder was trennt sie?

Weder: Als Kreis 10 der Stadt Zürich sitzen wir im gleichen Boot. Wenn man mit Behörden verhandelt oder in Mitwirkungsverfahren dabei ist, dann treten Wipkingen und Höngg zusammen als Kreis 10 mit möglichst einer Stimme auf. Das verbindet.

Spricht man sich ab?

Weder: Bei den aktuellen Verfahren, zum Beispiel zum Verkehr, vertritt jedes Quartier seine eigenen Anliegen, unterstützt aber das andere.

Jäger: Ja, in der Regel unterstützen wir uns immer. Einzig bei der Petition zur Tramlinie 17 war der QVH nicht bei den Unterstützern, aber diese Initiative damals kam auch nicht direkt vom QVW aus. 

Weder: Wir haben ja auch oft ähnliche Anliegen. Nehmt den Meierhofplatz, der eine Verkehrsruine ist: Da gab es erfolglose Bemühungen, verkehrstechnisch etwas zu verändern. Wipkingen hat dies am Röschibachplatz unterdessen geschafft. Beide Quartiervereine unterstützten sich gegenseitig, aber das Thema Verkehr ist in der Stadt Zürich leider allgemein total verbockt, manchmal hat man das Gefühl, es gehe nichts mehr. Aber bleiben wir beim Positiven: Wir machen jetzt zusammen eine Zeitung, diese hier.

(Schmunzelnd) …Ich hoffte natürlich, dass jemand von euch dies als verbindendes Element erwähnt.

Weder: Nein, im Ernst, ich finde das wichtig. Und dann wäre da noch der gemeinsame Schulkreis, das Quartierbüro und die Quartierwache der Polizei. Oder die Kirchgemeinden, die nun teilweise fusionieren (siehe Bericht auf Seite XY).

Jäger: Wären nur noch die Restaurants anzufügen, aber das ist meine ganz persönlich Sicht: In Wipkingen habt ihr Lokale, wie Höngg sie vermisst. Zum Beispiel das «Café des Amis», das «Kafi Schnaps» oder der «Damm» – alles für junges, urbanes Publikum.

Weder: …und nun noch das «The Artisan». Aber auch Wipkingen war kulinarisch lange eine öde Brache. Der Wandel begann mit dem «Nordbrüggli»: Als dieser ehemalige «Alkispunten» von Jungen übernommen wurde, war der Samen gesät. Das ist wie in der Natur: Hat erst mal eine Pionierpflanze die Brache besiedelt, ziehen andere Arten nach. Vielleicht ist das in Höngg ja nun auch auf dem Weg?
Wir stellen jedenfalls fest, dass man bei uns wie in Berlin «noch auf den Kiez geht»: Das unmittelbare Lebensumfeld wird zunehmend wichtig und man geht auf dem Heimweg, im Quartier, noch auf ein Bier vorbei.

Jäger: Das haben wir in Höngg noch nicht. Vielleicht auch, weil wir etwas weiter weg sind – ist man endlich im Dorfzentrum, dann ist das Zuhause verlockend nahe.

Themawechsel: Wie definiert ihr die zentrale Aufgabe der Quartiervereine und wie nehmt ihr diese wahr?

Jäger: Der Quartierverein soll sich für die Anliegen der Quartierbevölkerung einsetzen und sich dabei auf jene konzentrieren, die viele Menschen betreffen.

Und wie erfahrt ihr von diesen Themen?

Jäger: Wenn uns jemand ein Anliegen zuträgt, schauen wir in der nächsten Vorstandssitzung, ob andere auch davon gehört haben. Letzthin trat zum Beispiel jemand mit einem Vorschlag an mich, wie man die Bäulistrasse verkehrsberuhigen könnte. Im Vorstand zeigte sich aber, dass dies ein Einzelvorschlag war, zudem einer, der bereits mit der Stadt am runden Tisch Verkehr Kreis 10 umfassend erörtert und abgelehnt worden war. Also traten wir auch nicht mehr darauf ein.

Weder: Unser QVW-Motto lautet «Wipkingen verbindet». Wir wollen für alle, die hier wohnen und arbeiten ein lebenswertes Quartier erhalten und, noch lieber, entwickeln. Zum Beispiel die Lettenbrache: Der QVW mietete diese von der Stadt, veranstaltete einen Ideenwettbewerb und nun bespielen Junge den Platz, völlig happy, dass sie einen Freiraum bekommen haben. Sie gründeten sogar den Verein Parkplatz und dieser motiviert andere Leute, eigene Projekte zu verwirklichen.
Oder wir erreichten damals bei der Stadt ein Mitwirkungsverfahren für den Röschibachplatz. Es dauerte ein paar Jahre, aber unterdessen haben wir dort unseren lebendigen Dorfplatz.
Ein anderes Vorgehen zeigt das Beispiel der IG Am Wasser/Breitensteinstrasse (IGAWB), gegründet von Anwohnenden, die sich gegen den Durchgangsverkehr wehren wollen. Sie wandten sich an dem QVW und wir unterstützen sie, geben ihnen eine Plattform.
In hochaktuellen Situationen reagiert der QVW-Vorstand aber auch selbst und sofort, wie beim Abbau des Viertelstundentaktes am Bahnhof Wipkingen, da musste man in Wipkingen nicht zuerst fragen «Bewegt euch das?», sondern einfach gleich mit der Unterschriftensammlung für die Petition starten.
Die Aufgabe der Quartiervereine ist es, wie Alexander auch sagt, die Anliegen der Menschen aus dem Quartier zu vertreten, egal ob sie Mitglied im Verein sind oder nicht. Es geht darum, das Quartier lebenswert zu erhalten oder zu machen.

Aber über die Relevanz der Anliegen entscheidet bei euch beiden der Vorstand?

Weder: Es ist nicht am Vorstand zu entscheiden, was wichtig ist und was nicht, sondern den Menschen zu helfen, sich für etwas einzusetzen. Wir fragen uns einfach, wie wir ein Anliegen unterstützen können.
So ist man schnell für alles zuständig und die Leute getrauen sich, ihre Anliegen vorzubringen oder gleich mit einem konkreten Vorhaben zu kommen: Wenn man dann Hand bietet, dann bewegt sich etwas. So kamen wir auch zu unserem Facebook-Auftritt: Eine Quartierbewohnerin wollte eine Studie zum Thema «Facebook im Quartier» für ihre Bachelor-Arbeit schreiben − wir unterstützten sie und sie erstellte im Gegenzug unseren Facebook-Auftritt, der heute 850 regelmässige Likers hat, die wir innert wenigen Tagen informieren und mobilisieren können.

Handhabt das der Quartierverein Höngg auch so vielseitig?

Jäger: Ich bin noch zu wenig lange Präsident, um dies wirklich beantworten zu können. Aber zum Beispiel damals, als der Kampf gegen den «Ringling» begann, kam das Anliegen auch aus der Bevölkerung. Der QVH reagierte und an der GV wurde ein Delegierter gewählt.

Wie aktiv sind denn die Mitglieder eurer Vereine?

Jäger: Am meisten bei und zu den Quartieranlässen, da kommen oft Verbesserungsvorschläge. Zum Beispiel dass man beim Räbeliechtliumzug die Strassenbeleuchtung ausschalten sollte oder dass man einen einzigen grossen Umzug anstatt den Sternmarsch der kleineren Umzüge machen sollte.
Aber wenn ich nun so Beni zugehört habe, muss ich feststellen, dass ihr in Wipkingen vor allem politisch aktiver seid als wir in Höngg.

Weder: Ja, aber trotzdem sind wir, im Gegensatz zu anderen Quartiervereinen der Stadt, politisch neutral. Bei uns muss niemand Parteimitglied sein, um im Vorstand mitzumachen, und es gibt auch kein Parteienkontingent.

Aber die politische Neutralität müsst ihr ja in euren Statuten haben, das ist in der Charta (siehe Infobox), welche die Quartiervereine zusammen mit der Stadt aufgesetzt haben, so festgeschrieben?

Weder: Ja, aber bei uns hat die Neutralität auch einen historischen Hintergrund: Der QVW war einst komplett links, beherrscht von den Gegnern der Rosengartenstrasse. Es kam zu Massenaustritten und erst mit der Zeit schaffte man es, wieder neutrale Leute in den Vorstand zu wählen, und die Mitgliederzahlen stiegen wieder. Heute sind 5,7 Prozent aller Wipkingerinnen und Wipkinger Mitglied im QVW. Höngg hat, so viel ich weiss, zirka 5,5 Prozent. Wir sind also zwei Vereine mit repräsentativem Background. Andere Quartiervereine funktionieren total anders, dort muss man zum Beispiel als Mitglied zuerst aufgenommen werden. Bei unseren Vereinen nicht, wir nehmen alle Interessierten auf.

Jäger: Man muss nicht einmal im Quartier selbst wohnen…

Weder: Wegen dieser Mitgliederpolitik sind wir erfolgreich: Man kann sich zum Beispiel für einen Fussgängerübergang vor einem Kindergarten als Quartierverein stark machen, egal ob dort ein SP- oder ein SVP-Kind rüber muss – es geht um das Anliegen des Quartiers, nicht um jenes der Politik.

Aber ihr habt auch aktive Parlamentarierinnen und Parlamentarier im Vorstand. Ist das nicht heikel, wenn dann nicht jede Partei gleich vertreten ist?

Weder: Nein. Erstens muss man bei uns offenlegen, wo man Mitglied ist, und zweitens ist die Aufnahme in den Vorstand beim QVW ein Prozess: Zuerst ist man ein halbes Jahr bei den Vorstandssitzungen dabei und muss zeigen, dass man sich für alle Anliegen einsetzt und nicht nur für die eigenen. Erst dann kann man sich zur Wahl stellen. Und viele unserer Vorstandsmitglieder sind ganz bewusst parteilos, auch ich.

Jäger: Beim QVH ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass eigentlich alle Parteien vertreten sein sollten, die in einem der Räte vertreten sind. Aber aktuell findet sich bei SP, GLP und SVP einfach niemand, der Zeit hat.

Weder: Der QVW hingegen will explizit keine parteipolitische Zusammensetzung des Vorstandes, weil man so parteipolitische Auseinandersetzungen umgeht.

Jäger: Das kennen wir in Höngg aber auch nicht: Parteipolitik kam dem Vorstand bei seiner Arbeit noch nie in die Quere.

Nach welchen Kriterien besetzt dann der QVW den Vorstand bei einer Vakanz?

Weder: Freiwillige vor!

Jäger: Das haben wir auch, aber die Politiker fragen wir immer wieder aktiv an.

Nun sind wir aber weit von der Frage abgeschweift, wie aktiv denn die Mitglieder seien.

Weder: Unsere Mitglieder sind per Akklamation sehr aktiv: Wenn wir etwas vorschlagen, finden sie es gut oder nicht und sagen ihre Meinung. Oder man wendet sich an uns, auch immer wieder Nichtmitglieder, weil man uns wirklich als Vertreter für das Quartier wahrnimmt und man weiss: Steht der QVW hinter einem Anliegen, hat dieses ein anderes Gewicht.

Das ist ja auch eure Aufgabe der Stadt gegenüber. Sieht das die Stadt auch so?

Weder: Ja, uns nehmen die Behörden so wahr.

Jäger: Das kann ich nicht beurteilen.

In der Charta heisst es auch, dass «die Quartiervereine versuchen, bei Konflikten zwischen Quartierbevölkerung und Verwaltung vermittelnd Einfluss zu nehmen und zur Deeskalation beizutragen». War das schon nötig, ist gerade etwas aktuell?

Jäger: Generell zum Thema Verkehr.

Weder: Genau, aber gerade da ist es auch für einen Quartierverein schwierig zu vermitteln. Das sehen wir bei der Rosengartenstrasse, diesem fast schon fundmentalistisch besetzten Thema. Doch es gibt auch andere Beispiele, wie jenes der Anwohner des Wipkingerparkes, die sich über den überbordenden Lärm im Sommer ärgern: Da hat der QVW bei der Stadt einen runden Tisch angeregt und alle Beteiligten und Betroffenen zusammengebracht. Darauf wurden die verschiedenen Probleme auf allen Ebenen angegangen.

Jäger: Das ist wie bei uns mit dem Bikepark, der im Rütihof entsteht. Da haben wir auch mitgeholfen, um eine Lösung zu finden, mit der auch die Anwohnenden leben können. 

Und dann heisst es in der Charta auch, dass die Stadt ihrerseits bei Projekten der Stadt, welche ein Quartier verändern können, den Quartierverein frühzeitig informieren und konsultieren muss. Klappt das?

Jäger: In der Regel ja, man wird gut informiert. Ein schlechtes Beispiel ist aktuell höchstens jenes mit der Flüchtlingsunterkunft bei der Tüffenwies gleich auf der anderen Limmatseite – da wurden wir erst am Vortag über die Anwohnerinformationsveranstaltung informiert. Aber da hat man bei der Stadt vielleicht mehr auf die Quartiergrenzen geschaut als darauf, wer alles betroffen sein könnte, und deshalb gingen wir bei der Vorabinformation vergessen.

Weder: Es hängt auch sehr von den persönlichen Kontakten ab. Je besser man diese pflegt, desto früher wird man involviert. Doch das Problem ist eher die «Mitwirkung».

Jäger: Die ist immer das Problem…

Weder: Man ist bei einem Projekt zwar vor Ort, darf zuhören und sagen, was dem Quartier wichtig wäre, aber man bleibt Bittsteller, denn in einer Jury oder so ist man nicht. Wir wären gerne auf einem anderen Niveau, als Teil der Stadtentwicklung, denn niemand kennt die Anliegen der Bevölkerung aus direkterer Quelle als wir von den Quartiervereinen.

Jäger: Und wie es heute läuft, ist es manchmal trügerisch: Wenn etwas nicht zur Zufriedenheit des Quartiers läuft, heisst es später: «Aber ihr seid doch dabei gewesen?» Ja, war man, aber eben nur als Zuhörer und Bittsteller, mitbestimmen konnte man nicht – und darf deshalb auch letztendlich dagegen sein.

Stichwort «Mitwirkungsverfahren»?

Weder: Jenes zum Verkehr Kreis 10? Das war aus heutiger Sicht ein Mitwirkungsverfahren ohne Wirkung und das ist eher frustrierend für alle, die sich engagiert haben.
Besser läuft es manchmal, wenn Private oder Firmen etwas bauen wollen. Wir haben gerade in zwei Fällen erlebt, wie sich die Bauherrschaft von grösseren Überbauungen frühzeitig an uns wandte, um die Anwohnenden zu informieren. Das hat sich bewährt: Am Schluss gab es keinen einzigen Rekurs, nur weil man die Bevölkerung miteinbezogen hat. Vielleicht könnte die Stadt davon lernen.

Wünscht ihr euch manchmal etwas mehr «Gemeindeautonomie», wie sie vor der Eingemeindung war?
(Ein zögernder Blickwechsel)

Weder: Da fehlt den Zürcher Quartieren, im Gegensatz zu Paris, die Grösse. Paris ist aufgeteilt in Arrondissements mit kleinen Regierungen und politischem Gewicht. Oder Bern: Dort haben die Quartiervereine ein anderes politisches Gewicht. Man hat für Zürich auch mal das «Bernermodell» diskutiert, ist aber weit davon entfernt.

Jäger: Die beste Legitimation ist und bleibt eine hohe Mitgliederzahl.
(Weder pflichtet bei.)

Und was treibt euch an, Präsident des Quartiervereins zu sein?

Weder: Man kann trotz allem extrem viel bewirken, Dinge anreissen und realisieren, im unmittelbaren Umfeld, in dem man lebt. Das ist mega-spannend. Und man bekommt einen Dank zurück von jenen Leuten, die das auch zu schätzen wissen.

Jäger: Ja, der Einsatz für das Quartier ist der Motivator. Und ich muss sagen, dass es als Politiker wahrscheinlich schwieriger ist, etwas für ein Quartier zu erreichen, als als Quartiervereinspräsident.

… sagt der Kantonsrat und ehemalige Gemeinderat?

Jäger: Ja, weil mehr Leute etwas wollen – wenn sich das dann noch politisch mit Vorstössen unterstützen lässt, um so besser.

Beni Weder, Alexander Jäger, besten Dank für das Gespräch.

Beni Weder, 59, Elektroningenieur
Alexander Jäger, 46, Kantonsrat FDP, dipl. Umweltnaturwissenschafter ETH, stv. Generalsekretär Swiss Engineering STV

Stichwort «Charta»
Die «Vereinbarung zwischen der Stadt Zürich und den in der Zürcher Quartierkonferenz zusammengeschlossenen Quartiervereinen» umschreibt, nach welchen Grundsätzen die in der Quartierkonferenz zusammengeschlossenen Quartiervereine der Stadt Zürich organisiert sind und wie die Zusammenarbeit zwischen ihnen und der Stadtverwaltung zu gestalten ist.
Abrufbar unter www.quartierverein.ch/content/vereinbarung.php

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