Quartierleben
Dating im Kreis 10: Nicht ohne meinen Hund!
Eine ungewöhnliche Wandergruppe war vergangenen Sonntagvormittag auf dem Käferberg unterwegs: 64 Singles hatten sich zum «Hundedating» verabredet. Wir hatten die Gelegenheit, daran teilzunehmen – ausser Konkurrenz natürlich.
27. Juni 2026 — Dagmar Schräder
Den richtigen Partner fürs Leben zu finden, ist keine einfache Aufgabe. Vor allem heute, in der digitalen Welt. Deswegen haben Dating-Portale und -Apps Hochkonjunktur. Auch die Eventorganisation «noii» hat sich der Aufgabe verschrieben, Singles zusammenzubringen. Via App kann man sich hier zu den verschiedensten Anlässen anmelden – von Afterwork Drinks über Boat-Partys bis hin zum Pub-Quiz.
Ein ganz neues Format präsentierte die Organisation am vergangenen Sonntag: Dating mit Hund. Die Idee dazu kam ursprünglich von den beiden Hundetrainern Daria Skrzypcak und Yves Raschle von der Martin-Rütter-Hundeschule Aargau sowie Zürich Stadt. Warum nicht des Menschen besten Freund in die Partnersuche miteinbeziehen, fragten sie sich.
Denn: Wer einen Hund hat, kann sich in der Regel nicht vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein, der kein Herz für Hunde hat. Und wer Hunde nicht mag, der findet wohl nichts abstossender, als sich beim Date die Klamotten mit Hundehaaren zu versauen. Am besten also gleich mit offenen Karten spielen. Mit ihrem Vorschlag gelangten sie an «noii» und stiessen hier auf offene Ohren.
Männer mit Hund in der Unterzahl
Deshalb treffen sich an diesem hochsommerlichen Sonntagmorgen 64 Singles bei der Waid zum dreistündigen «social walk». Anmelden konnte sich, wer im Alter zwischen 21 und 41 ist und gerne Hunde mag. Einen eigenen Hund zu haben war keine Voraussetzung – im Gegenteil: Es wurde darauf geachtet, eine gleiche Anzahl Personen mit Hund und Hundelose teilnehmen zu lassen.
Was allerdings auffällt: Es sind mehr Frauen mit Hund vertreten als ohne. Dafür sind die männlichen Singles mit Hund in der Unterzahl. «Ganz logisch», scherzt eine Teilnehmende, «selbst in punkto Haustiere überlassen die Männer die Verantwortung offenbar lieber den Frauen.»
Auch hundemässig zeigt sich ein recht diverses Bild; eine eigentliche Lieblingshunderasse ist nicht auszumachen. Auf jeden Fall wirken die Vierbeiner alle ziemlich entspannt – angesichts der grossen Zahl an Artgenossen gar keine Selbstverständlichkeit.
Nach dem Einchecken erhalten die Ankommenden einen kleinen Willkommensgruss von Elina und Cecile vom «noii»-Team: Powerriegel und Getränk für die Menschen, Hundekekse für die Vierbeiner.
Eine Demo durch den Wald
Mit etwas Verspätung geht es dann los: Noch ein paar Tipps von Daria zum Umgang der Hunde untereinander und zum Verhalten unterwegs, dann übernimmt Yves mit der violetten «noii-Flagge» die Führung und macht sich auf den Weg in den Wald. Das sorgt für Aufsehen: Gleich der erste Passant fragt: «Seid ihr eine Demo oder was macht ihr hier?»
Der Spaziergang bietet Gelegenheit für erste Kontaktaufnahmen. Um die Konversationen zwischen den Singles etwas aufzupeppen, hat das Team den Teilnehmenden kleine Kärtchen ausgehändigt, die den Einstieg ins Gespräch erleichtern sollen. «Was ist das Albernste, das du jemals im Fitnessstudio gemacht hast?», steht da beispielsweise drauf.
Und ganz wichtig, das hat Daria ihnen beim Loslaufen noch mitgegeben: Immer erst nach dem Namen der Person fragen und nicht nach dem Hund. Das klappt aber nur teilweise: Die meisten Gespräche beginnen dann doch mit der Frage: Was ist das für eine Rasse? Und wie heisst der?
Hund auf dem Sofa – ist das erlaubt?
Schon bald wird gerastet, beim Weiher auf dem Käferberg. Hier gibt’s nicht nur Erfrischung für die Hunde, sondern auch Zeitvertreib für die Zweibeiner. Die müssen verschiedene Fragen beantworten und sich entsprechend aufstellen: «Darf der Hund bei euch aufs Sofa?», ist die erste Frage.
Hier sind sich fast ausnahmslos alle einig: Natürlich darf er das. In diesem Punkt sollte es also wenig Streit geben, falls sich dereinst eine Beziehung entwickeln sollte. Doch es gibt Grenzen: Beim Bett wird die Nein-Fraktion schon grösser.
Die nächste Etappe ist länger: 40 Minuten wird gewandert und anders als zuvor nicht nur im Schatten. Doch die Teilnehmenden scheinen sich gut zu unterhalten. Immer öfter führen jetzt auch die Hundelosen einen Vierbeiner an der Leine. «Eigentlich bin ich ja sowieso nur wegen der Hunde hier», lacht einer von ihnen.
Die Pause danach ist heiss ersehnt – im wahrsten Sinne des Wortes. Alle müssen trinken. Nun werden die Spiele etwas intimer: Immer ein Nicht-Hündeler und eine Person mit Hund müssen sich zusammentun. Der Hundebesitzer soll sein Gegenüber dazu bringen, mit dem Hund den Lieblingstrick auszuführen. Da können diejenigen punkten, die ihrem Hund charmante Kunststücke beigebracht haben.
Dating auch für Partymuffel?
Schliesslich wird schon zur letzten Etappe aufgebrochen: Zurück zum Parkplatz. Hier verabschieden sich Daria und Yves von ihrer Gruppe. Die allerdings hat es gar nicht so eilig, nach Hause zu kommen. Noch lange stehen die Teilnehmenden beieinander und unterhalten sich angeregt.
Ihr Fazit? Zufrieden sehen die meisten aus – auch wenn wohl niemand auf Anhieb den Partner fürs Leben gefunden hat. Doch mit der Erwartung ist auch kaum jemand gekommen. Ellie und ihre Besitzerin hatten auf jeden Fall Spass – auch wenn letztere anmerkt, dass es ruhig noch etwas mehr Spiele hätte geben können.
Das Element des Datings sei vielleicht ein wenig zu kurz gekommen. Ein anderer Teilnehmer bedankt sich bei den Veranstaltern: «Echt schön, dass ihr das organisiert habt», meint er. «Das ist endlich ein Event auch für Leute, die sich nicht so viel aus Partys machen.»
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