Die «Neue» im SP-Interview: Stefania Koller

Am 8. März hat die SP im Kreis 10 sehr gut abgeschnitten. Neben den drei Bisherigen wurde neu Stefania Koller in den Gemeinderat gewählt. Mathias Egloff hat ihr deshalb ein paar Fragen gestellt.

nimmt nun Stefania Koller (Mitte) Platz im Gemeinderat für die SP Zürich 10. Hier checkt sie die Resultate mit Michel Zimmermann, der als Wahlkampfleiter und Rekord-Telefonierer grossen Anteil hatte am Erfolg. Ebenso links Chiara Schmid unsere Kampagnenleiterin. (Bild: Andreas Geis)

Ein Beitrag der SVP Zürich 10, Matthias Egloff

Ein Tag ist vergangen seit dem Wahlfest am Sonntag in der Nacht. Hast du deine Gefühle schon sortiert?
Stefania Koller: Ganz ehrlich: Es scheint mir alles noch ein bisschen surreal. Sitze ich ab Mitte Mai wirklich im Gemeinderat? Was für eine Ehre, was für ein Privileg!

Du arbeitest als Architektin und Stadtplanerin für ein Büro in Zürich, betreust viele Projekte gleichzeitig. Was musst du jetzt alles umstellen?
Primär muss ich meinen freien Tag umstellen. Von Freitag auf Mittwoch, weil dann die Fraktions- und Ratssitzungen sind.

Wäre die Kommission für Hochbau und Stadtentwicklung ein möglicher Ort, wo du wirksam werden könntest?
Das ist bestimmt der Ort, an dem ich am schnellsten wirksam werden könnte. Die Themen dieser Kommission sind mein tägliches Brot. Da ich eine neugierige und wissensdurstige Person bin, kann ich mir aber auch gut vorstellen, in anderen Kommissionen mitzuwirken. So oder so freue ich mich auf angeregte Diskussionen mit meinen Ratskolleg:innen.


Was gefällt dir an deinem Wohnort Wipkingen?
Für mich ist Wipkingen ein Dorf in der Stadt. Eine Ansammlung lebendiger, gut vernetzter Nachbarschaften. Das finde ich grossartig. Ob beim Gang zum Quartierdepot, auf dem Weg nach Hause vom Joggen oder vom Büro, immer wieder begegne ich Menschen, die ich kenne. Flüchtige Bekanntschaften, gute Freund:innen, alles ist dabei. So soll sich Zu-Hause-sein anfühlen. Nicht nur für mich, sondern für alle Wipkinger:innen, die unser Quartier zu dem lebenswerten Stück Stadt machen, das es ist. Ich lebe an der Nordstrasse, ganz in der Nähe vom Röschibachplatz. An die Zeit von Matrazen Concord kann ich mich gut erinnern. Die Schattenseite der Aufwertung ist die Verdrängung, und die bereitet mir grosse Sorgen.

Gibt es sozialdemokratische Anliegen, die du besonders voranbringen möchtest?
Ich identifiziere mich klar mit den Kernanliegen der SP, im «Tages-Anzeiger» einmal treffend zusammengefasst als «Renten rauf, Mieten runter, Mindestlohn hoch, Sozialsysteme stärken». Aufgrund meines Werdegangs brenne ich aber besonders für den gemeinnützigen Wohnungsbau oder breiter gesagt: für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Die Frage, wie wir Innenverdichtung ohne Verdrängung bewältigen können, treibt mich am meisten um. Die zugrundeliegenden Themen sind einerseits bezahlbarer Wohnraum, aber auch eine zukunftstaugliche, ressourcen-schonende Stadtentwicklung.

Du hast einen Blitzstart hingelegt und gleich den Eintritt in den Gemeinderat geschafft. Was treibt dich an/was motiviert dich?
Ein gutes Beispiel dafür ist der jährlich wiederkehrende und immer noch hoch relevante feministische Streik. Die tiefe Solidarität, die ich fühle, wenn ich mit tausend Gleichgesinnten auf der Strasse stehe, ist unglaublich selbstermächtigend.

Du bist als Architektin ästhetisch geschult und interessiert, bestimmt hast du deine Lieblingsorte im Kreis 10?
Unsere Ränder mag ich besonders gern. Von der Kirche Wipkingen oder von der Waid über die Stadt schauen, die Limmat entlang zur Werdinsel spazieren, das gefällt mir. Auch dem Wipkingerplatz kann ich etwas abgewinnen. Infrastruktur aus nächster Nähe fasziniert mich. Die Roheit der Infrastrukturbauten hat etwas für sich. Die findet man in unserer sonst so herausgeputzten Stadt nur selten.

Und welche müsste man verbessern?
Grosses Potenzial sehe ich bei der Rosengartenstrasse. Die Wunde, die dem Quartier mit dieser Strasse zugefügt wurde, ist wirklich krass. Dass das Quartier über die Rosengartenstrasse wieder zusammenwachsen kann, ohne dass seine Bewohner:innen dabei verdrängt werden, das wünsche ich mir für Wipkingen.

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