Politik
Die neue Nachbarin heisst jetzt Apartment 201
In der Stadt Zürich steigen die Mieten unaufhörlich und immer weniger Wohnungen sind frei. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Gleichzeitig steigen die Angebote kommerzieller Airbnb- und Business-Apartment-Anbieter*innen. Ein Beispiel aus Wipkingen.
29. Juni 2026 — Redaktion Wipkinger
Ein Beitrag von Leonie Klett, Vorstandsmitglied SP Zürich 10
Im Kreis 10 gibt es gemäss «insideairbnb» derzeit 211 über Airbnb vermietete Wohnungen und Zimmer. Darüber hinaus befinden sich in unserem Quartier weitere, über andere Plattformen wie «Swissstay» kurzzeitig vermietete Business Apartments. Das Phänomen der Kurzzeitvermietung von Wohnraum ist somit auch im Kreis 10 salonfähig geworden.
In der Wissenschaft gilt es als durch Studien belegt, dass kommerzielle Vermietungsplattformen für Ferien- und Businesswohnungen den Wohnungsmarkt prägen und Miet- sowie Verkaufspreise dadurch ansteigen lassen. Denn dieser Wohnraum ist dem regulären Wohnungsmarkt (mindestens teilweise) entzogen.
Prominente internationale Beispiele sind Barcelona und London. In diesen Städten wehrte sich die lokale Bevölkerung jüngst mit Protestaktionen gegen die Marktteilnahme jener Plattformen und wandte sich mit der Forderung regulatorischer Massnahmen an die Politik. Auch die Stadt Luzern hat bereits einschränkende Massnahmen gegen Airbnb und Co. ergriffen.
An der Zschokkestrasse
Aufgrund der für die Vermieter*innen rentablen Kurzzeitvermietungen kommt es denn auch vermehrt zu Leerkündigungen, wie das Beispiel der Sugus-Häuser illustriert hat. Ein weiteres Beispiel hat sich jüngst mitten in unserem Quartier, an der Zschokkestrasse 5, zugetragen.
Auf dem Dach der Liegenschaft stehen seit mehreren Monaten Visiere, die eine Aufstockung markieren. Vor einigen Wochen zogen alle bisherigen Mieter*innen gleichzeitig aus. Die Dachwohnung stand bereits zuvor während mehrerer Monate leer, nachdem dort eine WG ausgezogen war.
Nun hängen in allen Fenstern des Wohnhauses die gleichen, auf dieselbe Art und Weise drapierten Gardinen. Nachts erleuchten die Wohnungen alle im gleichen grellen Licht. Auf den Briefkästen kleben QR-Codes fürs Check-in und ein ironischer Hinweis an die Nachbarschaft: «sinnvolle Zwischennutzung».
Dabei erscheint das Konzept viel eher als eine für die Eigentümerin äusserst lukrative «Zwischennutzung». Es bleibt spannend zu beobachten, wie lange diese «Zwischennutzung» anhält.
Diese Entwicklungen zeigen auf, wie dringlich die Eindämmung solcher kommerziellen Kurzzeitvermietungen von Wohnraum in unserer Stadt und unserem Quartier ist. Dafür setzt sich die SP mit ihrer städtischen Initiative «Wohnraum schützen – Airbnbs und Business Apartments regulieren», die vergangenen Herbst zuhanden des Stadtrates eingereicht wurde, ein.


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