Ein Platz für alle

Der Quartierverein montiert im Herbst den «bronzenen Hasen» auf das Vordach des Restaurants Nordbrüggli. Der Architekturpreis gehört unter die Leute, die den Platz für sich einnehmen und somit erst mit Leben füllen. Ein Stimmungsbild.

Miteinander auf dem Röschibachplatz. (Foto: Archiv Wipkinger Zeitung)

Röschibachplatz an einem sonnigen Montag nach einem nassen, kühlen Wochenende. Von der Arbeit Heimkehrende verbringen den Feierabend unter freiem Himmel, treffen Bekannte oder tauschen ein paar Worte mit Fremden aus, wieder andere geniessen Momente, die ihnen ganz alleine gehören und lassen mit geschlossenen Augen wärmende Sonnenstrahlen auf ihre Körper einwirken.

Die sonnigen Plätze des Nordbrüggli sind fast restlos besetzt, und auch die Bänke auf dem Röschibachplatz füllen sich nach und nach. Ich setze mich auf eine Bank und esse ein feines Sauerrahmglace von der Gelateria um die Ecke.

Eine Frau sitzt hinter mir und liest in einem Buch, lacht dabei immer wieder laut heraus, weiter unten, gegenüber dem Kiosk, hockt eine Gruppe Jugendlicher zusammen, diskutiert, kichert, nebenbei läuft Musik, die plötzlich übertönt wird von zwei Männern, die lauthals vor der Kioskbar irgendetwas debattieren. Nach einer klaren Ansage seitens der Wirtin reissen sich die beiden Streithähne zusammen, und kurze Zeit später scheinen sie wieder ein Herz und eine Seele zu sein.

Ein älterer Mann sitzt auf einer Bank, kaum vier Meter neben den Jugendlichen, zieht gemütlich an einer Zigarre und blättert in einer Illustrierten. Als sich zwei Kollegen zu ihm gesellen, legt er die Zeitschrift beiseite. Einer von den Rentnern ruft alsbald den Jungen etwas zu, worauf eine Frau aus der Gruppe der Jugendlichen an ihrem Smartphone hantiert und kurz darauf ertönt aus der Box ein Stück der Rolling Stones. Auch wenn das Leben oft kein Wunschkonzert ist, hier kann das durchaus mal so sein.

Ruhe finde ich auf unserem Dorfplatz also nicht, aber Erholung vom Alltag. Und manchmal weckt die Stimmung auf der Plaza sogar etwas wie Feriengefühl in mir. Manche nennen den Platz Piazzetta oder schlicht «de Röschi», und diese Kosenamen zeigen, dass sich die Menschen hier wohlfühlen und diesen Ort als Zentrum des Quartierlebens immer mehr für sich entdecken und nutzen.

Der samstägliche Frischwarenmarkt, dessen Angebot sich in kurzer Zeit massiv vergrösserte, trägt ebenfalls zur Belebung bei. Hier findet man eine grosse Palette an Produkten, die direkt vom Feld auf den Verkaufstisch kommen, Spezialitäten aus dem Glarnerland, aus Italien oder Griechenland, baumgereifte Tropenfrüchte aus Direktimport und vieles mehr.

Das tönt jetzt alles – zugegebenermassen – etwas sehr euphorisch und Sie fragen sich vielleicht, ob der Schreiberling eine rosa Brille aufgesetzt hat. Natürlich gibt es Schattenseiten: Lärm, insbesondere am Wochenende, herumliegender Abfall, Vandalismus im Bahnhofs-WC und und …

Aber durch die gute soziale Durchmischung funktioniert die Selbstregulierung hier doch weitgehend gut. Man redet noch miteinander, ohne gleich die Polizei zu rufen, was beispielsweise im Fall des selbsternannten Quartier-DJ`s mit dem riesigen Verstärker auf Rollen, der jede Ecke des Platzes mit seinem Sound beschallen zu müssen glaubte, gut gewirkt hat. Ohne Ausgrenzung, durch Dialog. Leben und leben lassen, Rücksicht nehmen, Toleranz üben, aber eben auch nicht alles einfach hinnehmen. Damit es ein Platz für alle bleibt.

Patrik Maillard

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