«Es geht nicht nur ums Tauschen, sondern auch um die Stimmung»

Er ist ein beliebter Treffpunkt in Höngg: der Frauenkleidertausch. Zweimal im Jahr wird gestöbert, getauscht, gelacht und angestossen. Claudia Perpinyani vom Frauenverein Höngg und Dominique Grob vom GZ Höngg über Nachhaltigkeit und Begegnungen.

Dominique Grob und Claudia Perpinyani besuchten blendend gelaunt die Redaktion der «Höngger Zeitung» für das Interview. (Foto: dad)

Auch in diesem Jahr findet der Frauenkleidertausch im GZ Höngg zweimal statt. Der nächste Anlass ist am Freitag, 20. März. Die Kooperation zwischen dem Gemeinschaftszentrum und dem Frauenverein Höngg ist ein fixer Eintrag in der Agenda.

Claudia Perpinyani und Dominique Grob, wie entstand der Frauenkleidertausch in Höngg?

Claudia Perpinyani: Im Jahr 2018 wurde ich Vorstandsmitglied im Frauenverein Höngg und übernahm das Ressort Veranstaltungen. Da ich sehr gerne in Secondhandläden stöbere, vermisste ich ein entsprechendes Angebot in Höngg. Also habe ich die Idee gemeinsam mit Dominique Grob vom GZ umgesetzt. Der Zeitgeist spielte uns ebenfalls in die Karten: Gebrauchte Kleider wurden salonfähig, und das Thema Nachhaltigkeit gewann an Bedeutung.

Dominique Grob: Für das GZ Höngg war es zudem wichtig, nicht einfach eine Tauschbörse auf die Beine zu stellen, sondern einen Anlass zu gestalten, der auch als Treffpunkt funktioniert – mit Musik und Bar. Ein Ort für Frauen.

War der Anlass von Beginn an ein Erfolg?

Claudia Perpinyani: Ja, er fand 2019 zum ersten Mal statt, und wir wurden regelrecht überrannt. Rückblickend war der erste Tausch sehr chaotisch, aber erfolgreich. Das Konzept haben wir danach laufend angepasst.

Dominique Grob: Durch den Frauenverein und die Kooperation hatten wir von Anfang an ein grosses Publikum. Es ist sehr durchmischt – von Teenagern bis zu Seniorinnen, Mütter und Töchter. Das sprach sich schnell herum. Heute veranstalten wir den Frauenkleidertausch zweimal im Jahr. Im letzten Dezember kamen über 100 Frauen, das ist der Durchschnitt. Der Tausch findet zudem immer im gleichen Zeitraum statt. So wissen die Frauen: Jetzt ist es wieder so weit.

Claudia Perpinyani: Hinzu kommt: Es ist ein idealer Anlass, um alleine auszugehen. Du kommst zu uns, vielleicht um Kleider abzugeben oder zu stöbern, dann triffst du jemanden – oder auch nicht. Dank der Kleider steht man nicht verloren herum, sondern hat immer etwas zu tun.

Wie verläuft der Kleidertausch, was sind die Voraussetzungen?

Claudia Perpinyani: Der Eintritt kostet fünf Franken, mit der KulturLegi ist er gratis. Man muss keine Kleider mitbringen, sondern kann auch einfach so vorbeischauen. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Der Ablauf ist einfach: Wer Kleider hat, bringt sie in den ersten Stock zur Kleiderabgabe. Dort werden die Stücke geprüft, denn sie müssen sauber und unbeschädigt sein. Danach geht es ins Untergeschoss in den Kulturkeller – das ist die «Verkaufsebene». Dort hängen bereits viele Kleider und das Stöbern beginnt.

Dominique Grob: Man trifft sich auch und tauscht sich aus. Die Bar hilft dabei sehr. Sie wird von zwei Frauen betreut, und man kann gemütlich dort stehen oder auf den Sofas verweilen.

Welche Kleider werden angeboten?

Claudia Perpinyani: Es gibt Kleider quer durch alle Stile: Alltägliches, aber auch elegante Stücke. Keine Skianzüge und keine Unterwäsche – aber sonst eigentlich alles. Man findet heute sogar Vintage-Mode, was viele junge Frauen spannend finden. Kurioses gab es auch: Konzert- und Opernkleider mit Pailletten – echte Hingucker.

Dominique Grob: Ich erinnere mich an eine ältere Dame, die uns einen Teil ihrer Garderobe aus den 1980er-Jahren überlassen hat, das waren wunderschöne Abendkleider. Diese Stücke kamen extrem gut an.

Gibt es eine Regel für die Anzahl Stücke, die man mitnehmen kann?

Claudia Perpinyani: Aktuell sind es 15 Teile. Wir zählen nicht nach, aber es kam schon vor, dass eine Frau alles einpackte, was sie kriegen konnte. Das ist nicht Sinn der Sache.

Dominique Grob: Um dagegen vorzugehen, habe ich es einmal mit Durchsagen versucht: «Es hat für alle genug!» Aber jene, die gehortet haben, liessen sich davon nicht beeindrucken. Nun kommunizieren wir diese Regel bereits beim Einlass. Am Ende geht es um einen Event mit guter Stimmung, da wirkt Hamstern kontraproduktiv.

Dürfen Männer den Anlass auch besuchen?

Dominique Grob: Der Anlass steht Männern offen, aber meines Wissens waren bisher nur einmal zwei Männer vor Ort, die ihre Frauen begleitet haben. Die Stimmung verändert sich schon, wenn Männer dabei sind. Unter Frauen probieren viele ungenierter ein Kleidungsstück an. Wir haben auch improvisierte Garderoben, aber gerade junge Frauen stehen oft vor der Spiegelwand im Kulturkeller, um die ausgewählten Stücke zu prüfen.

Was geschieht mit Kleidern, die niemand will?

Claudia Perpinyani: Es bleiben oft einige Stücke übrig, da wir sehr viele erhalten. Manche bekommen beim nächsten Tausch eine zweite Chance, andere bringe ich anschliessend ins Brockenhaus. Das Auto ist manchmal gut gefüllt.

Vielen Dank für das Interview!

Der Frauenkleidertausch im 2026

Der Frauenkleidertausch
Freitag, 20. März, 19–21.30 Uhr
Eintritt: Fr. 5.– /
gratis mit KulturLegi
Ohne Anmeldung
GZ Höngg, Limmattalstr. 214

Abgabezeiten: Freitag, 20. März, von 11–13 Uhr oder am Abend
von 19–20.30 Uhr, max. 2 Taschen.

Der Frauenkleidertausch im Herbst: Freitag, 30. Oktober

0 Kommentare


Themen entdecken