Gemeinsam geht es besser

Nähen und Flicken werden gerne auf die lange Bank geschoben. Eine Höngger Wohngemeinschaft organisierte deshalb einen Tag, der sich ausschliesslich diesen Aufgaben widmete.

Im Wohnzimmer trafen sich alle, um gemeinsam zu flicken und zu nähen. (Foto: dad)

Wir kennen es: Da ist die Hose, die wie angegossen sitzt, die wegen einer losen Naht aber im Schrank bleibt. Dort das geliebte Velo mit dem Platten, das im Keller rumsteht. Das muss nicht sein, dachten sich fünf Mitglieder einer Wohngemeinschaft aus Höngg.

«Bei einem gemeinsamen Frühstück haben wir festgestellt, dass wir alle Sachen haben, die schon lange geflickt werden müssen», sagt Artemisia. So entstand die Idee eines Näh- und Flicktages – nicht nur mit den WG-Bewohnerinnen, sondern auch mit deren Freundinnen. Ganz nach dem Motto: Was man sich schon lange vornimmt, ist einfacher in Gesellschaft und mit gemeinsamer Motivation.

Dabei sind Näh- und Flickanlässe nicht neu, sie werden etwa in Gemeinden und bei den Kirchen als «offener Treff» angepriesen, manchmal als Werkstatt oder gar als Event. Im Vordergrund stehen nebst den Arbeiten auch die Gemeinschaft und das gegenseitige Helfen.

Einfach ausprobieren

In der Höngger WG ist es nun so weit: Ort des Geschehens ist das grosszügige Wohnzimmer in der Doppelhaushälfte an der Ottenbergstrasse. Die Bewohner*innen zeigen sich dankbar, dass sie in dieser Konstellation dort leben können. Sie würden von der Vermieterin die Möglichkeit und die Freiheit erhalten, das Haus neu zu beleben, sagen sie.

Und sie stehen mitten im Leben, studieren Kommunikation, Lobbyieren für die gute Sache, engagieren sich in Start-ups oder kreieren Computersimulationen. Und heute nähen und flicken sie.

Die Gruppe will sich aus Nachhaltigkeitsgründen nur ungern neue Sachen kaufen und deshalb wird versucht, das Leben der Gegenstände zu verlängern. Die Parole des Tages lautet: Einfach ausprobieren. Artemisia und Joelle widmen sich zunächst den Stoffen. «Mit einem einfachen Schnittmuster wollen wir uns Taschen schneidern», sagen sie. Man spricht auch von «Upcycling»; die kreative Wieder- oder Weiterverwendung gebrauchter Materialien.

Iwan sitzt derweil vor der Nähmaschine, die extra ausgeborgt wurde. Er wird versuchen, bei einer Jacke den Reissverschluss anzunähen. Ausserdem hat er eine Hose dabei, die im Schritt gerissen ist. «Ich will die Kleider flicken, damit ich sie wieder tragen kann, aber man darf ruhig sehen, dass es geflickt ist», so Iwan. Das habe Charme.

Seine Kollegin Andrea hat derweil ein altes ABB-T-Shirt entdeckt – es fehlt nur ein weiteres «A» und sie hat ein Fan-Shirt der schwedischen Kultband. Der Buchstabe wird mit viel Geduld auf das Shirt genäht. Schliesslich warten noch zwei Fahrräder, die auf Vordermann gebracht werden müssen.

Und so verfliegt die Zeit, immer wieder klingelt es an der Tür, neue Gesichter und neue Arbeiten finden sich ein. Die Stimmung ist locker, das Arbeiten verführt zu Gesprächen. «Ich fände es cool, wenn wir den Tag wiederholen», sagt Andrea.

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