Im Züri-Sack landen zu viele Lebensmittel und Wertstoffe

46 Prozent des Abfalls in Zürich wird recycelt. Es landen aber noch immer zu viele Lebensmittel und Wertstoffe im Kehricht. Zudem werden Gegenstände im Sperrgut entsorgt, die noch funktionsfähig sind. Die Stadt zeigt auf, was sie dagegen unternimmt.

Der blaue Züri-Sack. (Foto: Stadt Zürich)

Erstmals hat die Stadt Zürich analysiert, was Bevölkerung und Betriebe im Kehricht und Sperrgut entsorgen, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Dazu hat ein Team von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) 832 Kehrichtsäcke und 367 Anlieferungen beim Recyclinghof untersucht.

Die Analyse zeigt: Die Züri-Säcke von Haushalten sind zu 19,6 Prozent des Gewichts mit vermeidbaren Lebensmittelabfällen gefüllt. Pro Einwohner und Jahr werden somit 23,4 kg Lebensmittel im Kehricht entsorgt.

Die Stadt sensibilisiert darum mit Aktivitäten gegen Food-Waste verschiedene Zielgruppen, beispielsweise mit Aktionen in den Schulen, Food-Waste-Monitoring in den städtischen Verpflegungsbetrieben oder indem sie Projekte wie den jährlichen Foodsave-Day oder Angebote wie Madame Frigo finanziell unterstützt. Auch der Bund hat Lebensmittelverluste landesweit als Problem erkannt und einen Aktionsplan beschlossen.

Wertstoffe im Abfall, intakte Gegenstände im Sperrgut

Unter den Abfallarten mit den höchsten Anteilen im Hauskehricht sind auch etliche Wertstoffe, die recycelt werden könnten. Die grössten Anteile nehmen dabei biogene Abfälle (z. B. Rüstabfälle mit 12,1 %), Kunststoffverpackungen und Getränkekartons (12,1 %), Karton (4,9 %), Papier (4,5 %) und Glas (3,9 %) ein.

Im Kehricht von Unternehmen mit weniger als 250 Vollzeitstellen steht Papier mit einem Anteil von total 24,1 Prozent, an erster Stelle wovon 7,6 Prozent als verwertbar kategorisiert wurden. Die Anteile der übrigen Abfallarten sind weitgehend gleich wie im Hauskehricht.

Gemessen am Gewicht werden im Recyclinghof vor allem Möbel entsorgt. Gemessen an der Anzahl Gegenstände liegen Haushalts- und Gebrauchsgegenstände auf dem ersten Platz.

Ein hoher Anteil von 68,1 Prozent der Objekte dieser beiden Kategorien ist dabei noch funktionstüchtig, 3,3 Prozent sind reparierbar und 28,6 Prozent defekt.

Städtische Angebote für mehr Recycling und Kreislaufwirtschaft

Um die Recyclingquote zu erhöhen und die Kreislaufwirtschaft zu fördern, erweitert und optimiert ERZ das Angebot laufend: Der Mobile Recyclinghof wird bis Ende 2026 auf 32 Standorte ausgebaut und die Bioabfallsammlung erweitert. Bereits eingeführt sind Recyclingbehälter auf öffentlichem Grund und eine wöchentliche Kartonsammlung.

Die Stadt hat sich ausserdem dem nationalen Recyclingsystem «RecyPac» für Kunststoffe und Getränkekartons angeschlossen und richtet aktuell die Textilverwertung neu aus.

Zur Förderung der Kreislaufwirtschaft bietet ERZ an den bedienten Entsorgungsstellen Tauschmöglichkeiten an, führt Bring- und Holtage mit den Quartierorganisationen durch und betreibt seit Herbst 2025 das beliebte Bring- und Holangebot im «Josy».

Das geplante Recyclingzentrum Juch-Areal ist ebenfalls auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtet. Im Sommer 2026 startet zudem das Pilotprojekt Reparaturförderung.  

«Abfall ist klimarelevant»

Stadträtin Simone Brander betont die Bedeutung des Abfalls für die Klimapolitik: «Netto-Null 2040 verlangt eine Reduktion der indirekten Treibhausgasemissionen der Stadt Zürich um 30 Prozent gegenüber 1990.»

Um dieses Ziel zu erreichen, brauche es unter anderem weitere Anstrengungen zur Abfallreduktion. Mittelfristig setze die Stadt darum auf eine Erhöhung der Recyclingquote von heute 46 Prozent auf über 50 Prozent.

Damit sei es aber nicht getan: «Recycling ist gut und wichtig, der Königsweg ist aber die Kreislaufwirtschaft», sagt Simone Brander und verweist auf die Strategie Circular Zürich, mit der langfristig eine Reduktion der Gesamtabfallmenge angestrebt wird.

«Die Abfallanalyse zeigt, wo die Potenziale liegen. Diese Potenziale müssen wir nun gemeinsam weiter ausschöpfen», sagt Stadträtin Simone Brander.

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