Kinder & Jugend
Jeder zehnte Jugendliche wendet sich bei Sorgen an KI
Kinder und Jugendliche in der Schweiz machen sich laut Pro Juventute mehr Sorgen um ihre berufliche Zukunft und globale Krisen. Unterstützung holt sich jeder zehnte Jugendliche bei einer künstlichen Intelligenz.
20. März 2026 — MM (Medienmitteilung)
In einer repräsentativen Befragung wurden für die Pro Juventute Jugendstudie Jugendliche in der Schweiz im Alter von 14-25 Jahren aus den drei grossen Sprachregionen zu Stress und Sorgen, psychischem Befinden, Schutzfaktoren sowie zum Medienverhalten befragt.
Mit 88 Prozent gibt eine grosse Mehrheit der befragten Jugendlichen an, sich psychisch wohlzufühlen, wie Pro Juventute mitteilt. Die Beziehung zu den Eltern sowie gute Freundschaften bleiben für eine grosse Mehrheit zentrale Schutzfaktoren für ihre psychische Gesundheit.
Trotz dieser auch erfreulichen Befunde geben andere Ergebnisse Anlass zur Sorge. Aus der ersten Pro Juventute Jugendstudie im Jahr 2024 bestätigt sich: Jeder zehnte Jugendliche gibt an, aktuell in psychotherapeutischer Behandlung zu sein, Mädchen und junge Frauen doppelt so häufig wie männliche Befragte. Rund ein Viertel fühlt sich von den Eltern unverstanden. Jeder dritte Jugendliche gibt an, dass die Schule rsp. Ausbildung sie nicht gut auf das Leben vorbereitet.
Künstliche Intelligenz hilft Sorgen
Schul- und Ausbildungsstress bleibt auch in der zweiten Pro Juventute Jugendstudie der wichtigste Stressfaktor: Über ein Drittel der Jugendlichen setzt dies unter Druck, bei jungen Frauen fast jede zweite. Auch Sorgen um die berufliche Zukunft haben zugenommen – rund ein Drittel macht sich laut Medienmitteilung darüber Gedanken, bei der ersten Erhebung waren es 25 Prozent. Parallel dazu sinkt das Gefühl der Selbstwirksamkeit deutlich. Nur noch etwas mehr als ein Drittel der Jugendlichen gibt an, aktiv gegen eigene Probleme vorgehen zu können – bei der ersten Befragung war es noch die Hälfte.
Neu wurden die Jugendlichen gefragt, ob sie sich bei Problemen an eine Künstliche Intelligenz wie ChatGPT wenden. Jeder Zehnte gibt an, dies zu tun. Ähnlich häufig gaben die Jugendlichen an, sich bei Sorgen an Fachstellen und Beratungsangebote, wie zum Beispiel die Notrufnummer 147 von Pro Juventute, zu wenden.
Jungen Frauen geht es deutlich schlechter
Mädchen und jungen Frauen geht es gemäss der zweiten Pro Juventute Jugendstudie signifikant schlechter als männliche Befragte.
Mehr als die Hälfte sorgt sich um die eigene psychische Gesundheit – jede Dritte fühlt sich häufig müde und erschöpft. Weibliche Befragte berichten deutlich häufiger von Stress durch schulische, ausbildungsbezogene und persönliche Faktoren. Sie machen sich auch eher Sorgen um ihre Zukunft und globale Entwicklungen. Gleichzeitig sprechen junge Frauen häufiger mit Freund:innen, Eltern oder Geschwistern über ihre Probleme und wenden sich dreimal so häufig an Fachpersonen als männliche Befragte.
Erhöhte Belastung bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Die Pro Juventute Jugendstudie macht in der zweiten Befragung signifikante Unterschiede zwischen befragten Jugendlichen mit Migrationshintergrund sichtbar. Jugendliche, deren Eltern beide nicht aus der Schweiz stammen, erleben ihre Beziehung zu den Eltern häufiger als belastet und fühlen sich stärker unter Druck gesetzt. Sie berichten öfter von Stress und grösseren Sorgen um ihre psychische Gesundheit.
Schulische Anforderungen belasten sie besonders stark: 24 Prozent geben an, sehr häufig unter Prüfungsstress zu stehen, gegenüber 11 Prozent bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Auch hohe Erwartungen sowie Sorgen um die berufliche Zukunft treten häufiger auf.
Zudem machen sich Jugendliche mit Migrationshintergrund mehr finanzielle Sorgen und sind häufiger durch Diskriminierung belastet als Jugendliche, deren beide Eltern aus der Schweiz stammen. Digitale Medien nutzen sie im Vergleich zu den befragten Jugendlichen mit einem Elternteil oder beiden Elternteilen aus der Schweiz intensiver und berichten öfter von Schwierigkeiten, den Medienkonsum zu begrenzen.
Mehr Sorgen um die Welt
Rund ein Drittel der Jugendlichen sorgt sich um die Lage der Welt und die Gesellschaft. Stark zugenommen haben gegenüber der ersten Pro Juventute Jugendstudie 2024 Sorgen über Kriege: 40 Prozent fühlen sich dadurch belastet, gegenüber etwa einem Viertel in der ersten Erhebung.
Für die Mehrheit der Befragten stellen soziale Medien keine direkte Belastung dar: Nur 18 Prozent fühlen sich durch sie gestresst. Gleichzeitig berichten 36 Prozent, dass soziale Medien oder Games ihre Stimmung verbessern. Die Hälfte der Befragten hat jedoch Mühe, das Handy wegzulegen, etwa ein Viertel nutzt digitale Medien trotz negativer Auswirkungen weiter, und jede fünfte Person schätzt ihren Medienkonsum als problematisch ein.
Pro Juventute Jugendstudie wird weitergeführt
Die Pro Juventute Jugendstudie entstand in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJPP) der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Die KJPP fungierte als wissenschaftliche Partnerin unter der Projektleitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Susanne Walitza. Die Befragung wurde im Sommer 2025 von YouGov durchgeführt und vorgängig von der Ethikkommission des Kantons Zürich geprüft.
Die erste und zweite Pro Juventute Jugendstudie wurden durch die finanzielle Förderung der Ernst Göhner Stiftung ermöglicht. Dank einer Partnerschaft mit dem Kranken- und Vorsorgeversicherer CONCORDIA kann die Pro Juventute Jugendstudie in den kommenden Jahren weitergeführt werden. Weiter wird die Studie auch von der Gesundheitsförderung Schweiz unterstützt.
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