Aus der Höngger Zeitung
Kunst aus Höngg – mitten in Paris
An der Seine sind aktuell unter dem Titel «Vibrations des plantes» Werke von Barbara Ellmerer zu sehen. Die Hönggerin widmet sich darin dem Innenleben von Pflanzen. Und sie weiss, was man von ihnen lernen kann.
21. April 2026 — Redaktion Wipkinger
Vor rund einem Monat erreichte die Redaktion der «Höngger Zeitung» eine Einladung. Absender war die Galerie Andres Thalmann an der Rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris, unweit des Place de la Concorde, im 8. Arrondissement. Sie zeigt neue Arbeiten der Künstlerin Barbara Ellmerer, die in Höngg lebt; die Vernissage fand bereits Mitte März statt. Wir, die Lokalredaktion, schafften es leider nicht in die Stadt an der Seine, wurden aber neugierig.
«Vibrations des plantes» nennt sich die Ausstellung, also das Vibrieren der Pflanzen. Das kommt nicht von ungefähr, widmet sich die Künstlerin doch mit grosser Leidenschaft der Flora: Exotische Pflanzen oder Bäume, deren Wachsen sie auch am Höngger Berg beobachtet. In ihren Werken geht sie über das Auge des Betrachters hinaus und lässt das Innenleben der Pflanzen nach aussen treten.
So schreibt die Galerie Andres Thalmann in der Einladung: «Ellmerers Pinselführung transformiert Schwingungen, Ströme und Verdichtungen in Schichten vibrierender Farben.»
In der Welt zuhause
Ellmerer ist inzwischen wieder zurück in Zürich. Hier arbeitet sie in ihrem Atelier in der ehemaligen Seidenfabrik und lebt weiter oben am Hönggerberg. Mit der Galerie Andres Thalmann mit Sitz in Zürich und Paris arbeitet sie schon länger zusammen; als Künstlerin böten sich ihr so viele Möglichkeiten. «Mir gefällt das internationale Programm der Galerie sowie deren Beteiligung an Kunstmessen in Mexiko, Deutschland und Frankreich», wie sie dem «Höngger» auf Nachfrage erklärt.
Sie stellt ihre Arbeiten in der ganzen Welt vor. Ihre Werke waren unter anderem im Lalit Kala Akademi Museum in New Delhi (Indien), in der Casa Museo Mariátegui in Lima (Peru), auf der Chiang Mai Social Installation (CMSI) auf Einladung des Goethe-Instituts Bangkok (Thailand), im Musée d’art et d’histoire in Neuchâtel sowie im Kunsthaus Biel Centre d’art Bienne zu sehen – um nur einige zu nennen, wie es in der Einladung heisst.
Die Ausstellung
Ellmerer, die ursprünglich in Meiringen aufgewachsen ist, präsentiert ihre Kunst also von der Schweiz aus rund um den Globus. «In der aktuellen Ausstellung zeige ich meine wuchernden Pflanzenstücke, mal fast unsichtbar fein, mal farbig fluoreszierend, dabei immer das Innenleben, die Kräfte der Pflanze aufspürend», sagt sie.
Sie folge dabei der bekannten Biologin Lynn Margulis auf ihre Weise in oft grossformatigen Malereien. In den aktuellen Werken bestimmen Pflanzen als gleichberechtigte Partnerinnen das Farbgeschehen, das in feinen Vernetzungen, sacht getönten Schichten, die Bilder bewegen lässt.
Dem «Höngger» erklärt Ellmerer, dass sie durch ihre Arbeit die Symbiose zwischen Pflanzen, Pilzen und Bäumen durchaus als Allegorie auf die Menschen und ihre Handlungen sehe. Statt im ständigen Kampf verbunden zu sein, sollten wir lernen, die Symbiose zu leben. «Biologie ist die Lehre des Lebens», sagt sie – und widerspricht damit im gewissen Sinne Darwin («Survival of the Fittest»). Nicht Konkurrenz, sondern Zusammenarbeit sichere das Überleben der Menschheit.
Nun lädt die Künstlerin ein, sich in diese «vibrierenden Bildfelder hineinzubegeben und Malerei als Prozess von Umbruch und Transformation zu erfahren», wie die Galerie schreibt. Einige Bilder in Ölfarben, die nun nahe dem Élysée-Palast zu sehen sind, habe sie bereits vor einiger Zeit fertiggestellt, so Ellmerer, während weitere Werke, mit Kalligraphie-Tusche gemalt, für «Vibrations des plantes» geschaffen wurden.
Höngg ist der Lebensmittelpunkt
Auch wenn Ellmerer mit ihrer Kunst um die Welt reist, ist Höngg ihr Lebensmittelpunkt. «Ich habe hier das Wasser der Limmat und den Nebel auf dem Hönggerberg», sagt sie. Es sei die hiesige Natur, die sie immer wieder anrege und zum Arbeiten motiviere. Aber auch das Internationale: «Die ETH auf dem Hönggerberg verleiht Impulse für die Umgebung, das finde ich spannend», sagt Ellmerer.
Bald wird sie aber wieder nach Paris reisen; ihre Bilder sind dort noch bis am 23. Mai zu sehen. Am 6. Mai ist sie dort zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

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