Mobiler Recyclinghof: Der steile Weg zum leeren Keller

Wer Sperrgut gratis loswerden will, muss zuerst Höhenmeter sammeln: Der Mobile Recyclinghof auf der Waidhalde sorgte für Diskussionen über den steilen Entsorgungsweg. Wer mit dem Auto anrückte, wurde konsequent weggeschickt.

Mobiler Recyclinghof bei der Schule Waidhalde: In diesem Jahr ist noch Schwitzen angesagt. (Foto: das)

Ein Samstagmittag, Anfang Juni. Die Autorin ist mit dem Velo unterwegs von Höngg nach Wipkingen. Ihr Ziel: das Schulhaus Waidhalde. Unterwegs, auf den letzten paar hundert Metern, kommen ihr die ersten keuchenden Personen entgegen, teils zu Fuss, teils auf Velos. Vollbeladen, mit Matratzen, Gebrauchsgegenständen oder Kleinmöbeln ächzen sie den steilen Weg von der Rosengartenstrasse hinauf. Dort, auf dem Schulhof, hat sich an diesem Vormittag der Mobile Recyclinghof postiert: Mehrere Lastwagen stehen bereit, in denen Sperrgut gratis entsorgt werden kann.

Beim Tauschplatz finden Gegenstände, die noch gut in Schuss sind, ein neues Zuhause. Und wer Tipps zur Reparatur defekter Haushaltsgegenstände braucht, kann sich von Entsorgung und Recycling Zürich beraten lassen. Schlange stehen wie noch bei den Entsorgungsaktionen auf dem Röschibachplatz muss man heute nicht. Es sei aber dennoch ganz ordentlich etwas los, bestätigt Daniel Walter Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ).

Anfahrt mit dem Auto ist nicht gestattet

In den ersten drei Stunden hat er bereits rund 700 Quartierbewohnende gezählt. Wichtige Voraussetzung für die Entsorgung: Die Ware muss zu Fuss, per Velo oder dem Handwagen angeliefert werden – eine Anfahrt mit dem PKW ist verboten. Allerdings gibt es auch Quartierbewohnende, die wissentlich oder unwissentlich gegen die Regeln verstossen. Eher wissentlich, so vermutet Walter. Denn so mancher kommt mit dem Auto angefahren, umkreist die Sammelstelle kurz und verschwindet dann aus dem Sichtfeld der Verantwortlichen – nur um kurz darauf zu Fuss vorbeizukommen.

Hier aber bleiben die Mitarbeitenden hart: Freundlich, aber bestimmt machen sie darauf aufmerksam, dass die Entsorgung mit Auto untersagt ist. Die Waren werden zurückgewiesen – es sei denn, das Auto wird nach Hause gebracht und die Ware zu Fuss wieder vorbeigebracht. Diese Gespräche seien schon ein wenig anstrengend, so Walter. Und bei diesem Standort häufiger zu führen als an anderen Orten. Ihre gute Laune verlieren die Mitarbeitenden vor Ort deswegen aber nicht.

Nächstes Jahr am «Röschi»?

Eitel Sonnenschein herrscht dennoch nicht. Denn viele Quartierbewohnende wünschen sich den Recyclinghof an einer einfach zugänglichen Stelle. Der Quartierverein hat dazu eigens eine Umfrage gestartet und die Ergebnisse dem ERZ zur Verfügung gestellt. Erwartungsgemäss schwang der Röschibachplatz als gewünschter Standort oben aus. Warum also wird dennoch beim Schulhaus Waidhalde entsorgt? Dazu sagt Maria Colon, Mediensprecherin beim ERZ: «Geeignete und bewilligungsfähige Standorte für den Mobilen Recyclinghof (MRH) zu finden, ist eine Herausforderung.»

Der Recyclinghof benötige 200 Quadratmeter Platz und sei mit mehreren Lastwagen vor Ort. Dazu seien unter anderem auch die Zufahrtsmöglichkeiten und die Bodenbeschaffenheit von Bedeutung. Die Schule Waidhalde sei bis anhin der einzige Standort in Wipkingen, der «den Vorgaben und Anforderungen genügte, verfügbar und auch bewilligungsfähig war.» Es sei jedoch der Wunsch von ERZ, den Recyclinghof in Zukunft auf dem Röschibachplatz durchzuführen.

Und: «Wir sind zuversichtlich, dass wir der Quartierbevölkerung per Anfang 2027 den Standort Röschibachplatz anbieten können.» Informiert werden soll mit den Entsorgungsunterlagen für das nächste Jahr, die voraussichtlich im November publiziert werden.

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