OJA ist vermehrt im Quartier unterwegs

Die Offene Jugendarbeit Zürich verstärkt ihre Aufsuchende Jugendarbeit in Wipkingen. Damit reagiert sie auf Bewegungen im Quartier und ist für Jugendliche noch besser erreichbar.

Das AJA-Team (Aufsuchende Jugendarbeit) mit Co-Leitung: (v.l.n.r.), stehend: Erman Sahin, Noah Schmid, sitzend: Livia Roth, Line Kacprzak (Co-Leitung OJA Mitte). (Foto: zvg)

Vom Standort der OJA Mitte im Jugendkulturlokal Planet5 am Sihlquai führt der Dammsteg ins Quartier. Menschen sitzen draussen, geniessen die Sonne in einem Café, bestellen ein kühlendes Getränk. Es sind Erwachsene, die sich die gemütlichen Gartenstühle im Restaurant teilen. «Jugendliche verfügen in der Regel nicht über ein Budget, das ihnen viel Konsum ermöglicht», erklärt Jugendarbeiter Noah Schmid, während er die Treppe vom Flussufer Richtung Bahnhof Wipkingen hochgeht. «Deshalb suchen sie sich Plätze im öffentlichen Raum, wo sie sich ohne Konsumzwang treffen können.» Was für Jugendliche ein wichtiger Ort für Begegnung und Entwicklung ist, kann hier und da zu Nutzungskonflikten führen.

Räume ohne Konsumzwang

«Jugendliche fühlen sich in ihrem Quartier Wipkingen sehr wohl», sagt Line Kacprzak, Co-Leitung der OJA Mitte dazu. Das zeigt sich in Gruppen von bis zu 20 Jugendlichen, die sich an verschiedenen Plätzen rund um den Bahnhof Wipkingen treffen. «Das ist im Grunde schön, bringt aber natürlich auch Reibungspunkte mit sich.» Die OJA reagiert darauf und verstärkt ihre Präsenz im Quartier: Statt bisher einmal pro Woche ist sie nun zwei- bis dreimal mehrere Stunden mit der Aufsuchenden Jugendarbeit (AJA) unterwegs. Mit Noah Schmid, Livia Roth und Erman Sahin übernehmen drei Fachpersonen die Hauptverantwortung dieses Bereiches. Sie beobachten Entwicklungen im Quartier, sind Ansprechpersonen für Jugendliche, vermitteln bei Konflikten und setzen sich für die Anliegen junger Quartierbewohnerinnen ein.

Noch ist es im Landenbergpark ruhig. Die vor Blicken geschützten Sitzbänke werden gern von Jugendlichen genutzt. «In der Regel suchen Jugendliche Plätze, auf denen sie ungestört unter sich sein können», sagt Noah Schmid. Die OJA sieht sich deshalb während der AJA im Gegensatz zur Nutzung ihrer Treffangebote als Gast in den Lebensräumen der Jugendlichen. Bei ersten Begegnungen stellt sie ihr Angebot vor, ohne sich aufzudrängen. «Die regelmässigen Runden ermöglichen es, Beziehungen aufzubauen.» Damit die Jugendarbeitenden als solche erkannt werden, tragen sie auf ihren Rundgängen einen Rucksack mit OJA-Logo und einen OJA-Button.

Vermitteln statt intervenieren

Einige Schritte weiter ist der Rö-schibachplatz gut besucht. Für Jugendliche sei er zu exponiert und stark von Erwachsenen besetzt, erzählt Noah Schmid. Da Jugendliche im Verlauf eines Abends häufig den Ort wechseln, ist der Platz dennoch ein wichtiges Bindeglied zwischen verschiedenen Treffpunkten. Die Quartiergärten oberhalb des Röschibachplatzes bieten dagegen Raum, in dem sich Jugendliche gern aufhalten. Dort treffen öffentlicher Raum, ein Restaurant und von Anwohnerinnen gepflegte Gärten aufeinander. – Entsprechend entstehen gelegentlich Reibungspunkte.

«Treten solche auf, übernehmen wir gern eine Vermittlungsrolle und sprechen mit allen Involvierten», führt Line Kacprzak aus. «Wir haben keinen ordnungspolitischen Auftrag, aber wir sensibilisieren Jugendliche dafür, wie sie sich im öffentlichen Raum verhalten können.» Ebenso wichtig sei es, Erwachsene im Umgang mit Jugendlichen zu unterstützen. Entscheidend ist für die Fachpersonen, präventiv zu wirken, bevor Konflikte eskalieren. «Wir erleben oft, dass Interesse und ein Gespräch auf Augenhöhe auch bei grossen Gruppen junger Quartierbewohner*innen viel bewirken können», betont Noah Schmid.

Neue Treffpunkte im Blick

Beim Weg die Gleise entlang zeigt Noah Schmid auf das Perron. Auch dieses wird immer wieder als Treffpunkt genutzt. «Wir beobachten bei unseren Rundgängen, welche Standorte zu neuen Begegnungsorten umfunktioniert werden», erklärt er und biegt ab zu den Hochhäusern neben den Bahngleisen. Dort stehen einladende Tische und Bänke, Spuren von Nussschalen am Boden zeigen, dass sie bereits genutzt wurden. «Littering ist im Quartier ein Thema, wie überall in grösseren Städten», sagt der Jugendarbeiter. «Es sind aber nicht nur Jugendliche, die Abfall liegen lassen.» Die OJA nimmt deshalb auch solche Veränderungen und Beobachtungen im öffentlichen Raum wahr und spricht Jugendliche bei Bedarf darauf an. Im Zentrum steht dabei nicht die Kontrolle, sondern der Kontakt und das Gespräch.

Der Weg führt unter der Bahnlinie hindurch und über den Fluss zurück zum «Planet5». Nach knapp zweieinhalb Stunden endet in der Regel die Runde. Zurück im Lokal tauschen sich die Mitarbeitenden noch kurz über ihre Beobachtungen und Begegnungen aus: Was hat sich im Quartier verändert? Wo sind neue Treffpunkte entstanden, wo gab es Konflikte? Und wo lohnt es sich, bei der nächsten Runde genauer hinzuschauen? Die Rucksäcke wandern zurück an ihren Platz – bis zur nächsten Runde durch das Quartier.

Eingesandt durch OJA Mitte

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