Gesundheit
Stadtspital Zürich: Alles für den Rücken im neuen Wirbelsäulenzentrum
Das Stadtspital Zürich bündelt seine Kompetenzen rund um Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule und führt neu ein Wirbelsäulenzentrum. Geleitet wird es von Daniel Coluccia, Chefarzt Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie.
25. März 2026 — Daniel Diriwaechter
«Ich habe Rücken»: Mit diesem Satz brachte der deutsche Komiker Hape Kerkeling einst ein sogenanntes Volksleiden auf den Punkt. Was sich auf der Bühne amüsant anhört, ist im realen Leben ein ernstes Thema: Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt.
Dahinter können ganz unterschiedliche Ursachen stecken – von Abnutzungserscheinungen über Bandscheibenvorfälle und Reizungen des Ischiasnervs bis hin zu Tumoren oder Verletzungen der Wirbelsäule.
Das Stadtspital Zürich trägt diesem breiten Spektrum Rechnung, bündelt seine vorhandenen Kompetenzen und hat neu ein Wirbelsäulenzentrum geschaffen. Leiter des Zentrums ist PD Dr. med. Daniel Coluccia, Chefarzt Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie. Die wirbelsäulenspezifischen Fachdisziplinen wie Chirurgie, Rheumatologie, Neurologie, Physiotherapie, Radiologie sowie Schmerzklinik sind bereits etabliert im Stadtspital, erklärt er.
«Im Wirbelsäulenzentrum haben wir diese Fachdisziplinen gebündelt und die interprofessionelle Zusammenarbeit, die wir im Alltag leben, auch organisatorisch in den Statuten festgelegt.» Dadurch werde die interdisziplinäre Arbeit, die im Stadtspital Zürich grossgeschrieben wird, nach aussen noch sichtbarer.
«Im Stadtspital wird ein Problem mit dem Rücken stets von mehreren Fachpersonen behandelt», sagt Coluccia. Der Austausch zwischen den Spezialistinnen und Spezialisten sei im Alltag fest verankert und erleichtere die Behandlung erheblich. Im Falle des Wirbelsäulenzentrums bedeutet das: Unter einem Dach sind sämtliche Fachrichtungen beheimatet, die für die Behandlung von Rückenleiden relevant sind.
Von Abnutzung bis Tumorerkrankung
Im neuen Zentrum kann also das gesamte Spektrum an Erkrankungen der Wirbelsäule behandelt werden – von der Halswirbelsäule bis zum Becken. «Ich bin ein Verfechter davon, früh eine klare Diagnose zu stellen und bei länger dauernden Beschwerden eine radiologische Bildgebung wie beispielsweise ein MRI zu machen, und danach einen Behandlungsplan aufzustellen», sagt Coluccia.
Entscheidend sei zudem, ob mit Rückenschmerzen der Alltag noch funktioniere. Wenn die Schmerzen jedoch so stark sind, dass man nur mit viel Mühe laufen oder arbeiten kann, sollte man sich rasch untersuchen lassen. Auch dann, wenn Nervenschmerzen auftreten, Schmerzen in Arme oder Beine ausstrahlen oder neurologische Auffälligkeiten wie Gefühlsstörungen oder Kraftverlust bestehen.
Operieren oder nicht?
Oft könne man Betroffene nach der Diagnose zunächst beruhigen, so der Chefarzt. In vielen Fällen sei eine Operation gar nicht nötig. Stattdessen werde zunächst eine konservative Behandlung angestrebt, etwa mit Schmerzmedikamenten, Infiltrationen oder Rückenübungen.
Sollte es doch zu einer Operation kommen, verfügt das Zentrum über viel Erfahrung. Im Jahr 2025 wurden laut Coluccia am Standort Triemli rund 600 operative Eingriffe an der Wirbelsäule durchgeführt. Doch der Chefarzt betont, dass zunächst immer überprüft werde, ob konservative Therapien ausreichen.
Hinzu komme: Moderne Wirbelsäulenchirurgie sei jedoch heute deutlich schonender als früher. Häufig arbeiteten die Chirurginnen und Chirurgen mit dem Operationsmikroskop und minimalinvasiven Zugängen. «Der Eingriff kann dank moderner Operationstechnik maximal schonend durchgeführt werden», so Coluccia. Bei einer Bandscheibenoperation etwa bleiben Patientinnen und Patienten meist nur zwei Tage im Spital.
Manchmal sei es jedoch auch riskanter, eine notwendige Operation zu lange hinauszuzögern – etwa bei mechanischen Problemen wie einer Spinalkanalstenose, bei der Nerven eingeengt werden. «Solche Probleme lassen sich nicht einfach mit Tabletten oder Training beheben», erklärt Coluccia.
Vorbeugen ist möglich – aber nicht immer
Ob sich Rückenleiden vollständig verhindern lassen, wird immer wieder diskutiert. Ein Patentrezept gebe es jedoch nicht, sagt Coluccia. Gewisse Risikofaktoren seien bekannt: Rauchen und starkes Übergewicht zum Beispiel erhöhten die Wahrscheinlichkeit für Verschleisserscheinungen. Regelmässige Bewegung und gezieltes Krafttraining können helfen, die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Dennoch könne auch jemand, der alles richtig mache, beispielsweise einen Bandscheibenvorfall erleiden, schliesslich können im Alltag oder beim Sport Fehlbelastungen und folglich Schäden am Rücken nicht immer vermieden werden. Umso wichtiger ist es deshalb, bei anhaltenden Beschwerden frühzeitig eine fundierte Abklärung vorzunehmen und den passenden Behandlungsweg zu finden.
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