«Und dann kam Netflix»

Ein Höngger auf Netflix – das ist Maxwell Mare gelungen. In der deutschen Serie «Kacken an der Havel» spielt er die Rolle des Schweizers Köbi. Wir haben den jungen Schauspieler zum Interview getroffen.

Der Höngger Maxwell Mare spielt eine Nebenrolle in der deutschen Netflix-Serie «Kacken an der Harvel». (Foto: Jasmine Osterwalder)
Maxwell Mare zu Besuch in der Höngger Zeitung. (Foto: Jasmine Osterwalder)
Maxwell mit dem Regisseur Jano Ben Chaabane. (Foto: zvg.)
Szene im Gaslight Restaurant: Der Schauspieler Anton Schneider musste wegen Maxwells Schweizerdeutsch lachen und steckte das gesamte Set damit an. (Foto: zvg.)
In den Proben mit Vinzent Redetzki und Alex und Dimitrij Schaad. (Foto: zvg.)
Der Dreh der letzten der neun Folgen. (Foto: zvg.)
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Maxwell Mare aus Höngg hat den Sprung in eine internationale Produktion geschafft. In der deutschen Serie «Kacken an der Havel», die Ende Februar auf Netflix angelaufen ist, spielt der 19-Jährige den Schweizer Köbi. Im Zentrum steht der Rapper Toni, der in sein Heimatdorf Kacken zurückkehren muss und dort mit einem völlig neuen Leben konfrontiert wird. Für Mare ist die Rolle ein wichtiger Meilenstein. Hier erzählt er, wie es dazu kam.

Maxwell, du bist in Höngg gross geworden und hier immer noch zu Hause. Was bedeutet dir der Ort?

Maxwell Mare: Ich bin hier aufgewachsen und kenne nichts anderes. Ich liebe Höngg, es ist sehr friedlich und gut angeschlossen. Besonders mag ich die Werdinsel

Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?

Ich mache das, seit ich klein bin. Schauspielerei war für mich immer etwas Natürliches und hat einfach Spass gemacht. Ich bin ein offener Mensch und gerne unter Leuten. Obwohl meine Eltern nichts mit der Schauspielerei am Hut haben, haben sie mich immer unterstützt. Neben dem Schauspielunterricht bin ich auch anderweitig aktiv, etwa im Tischtennisclub Höngg, und kreativ tätig.

Was war dein erster grösster Schauspielerfolg?

Mein erster Kinofilm war «Rider Jack» im Jahr 2014. Ich habe die junge Version der Hauptrolle gespielt. Die erste grosse Rolle folgte in «Papa Moll». Ich habe mich beim Casting angemeldet und die Rolle des «Fritzli» bekommen. Ich machte Freudensprünge.

Wie waren die Dreharbeiten von Papa Moll?

Ich hatte den Spass meines Lebens. Die drei Monate am Dreh vergingen sehr schnell, weil ich so in meinem Element war. Mit der Schule war es gut vereinbar und sie haben mich unterstützt.

Wie ging es dann weiter mit der Filmkarriere?

Nach «Papa Moll» wurde es etwas ruhiger und ich habe mich auf die Sekundarschule konzentriert. Den Theaterunterricht habe ich aber immer weitergeführt. Meine Lehrerin ist Isabella Schmid, die im Film die Mutter Moll gespielt hat. Daneben hatte ich kleinere Theaterprojekte und spielte bei der SRF-Komödie «Amen Saleikum» mit. In dieser Zeit habe ich mich auch persönlich weiterentwickelt und wusste: Ich möchte mit der Schauspielerei fortfahren.

Und wie kam es zu Netflix?

Genau, dann kam Netflix! Das war eine ziemlich grosse Sache. Mein Theaterverein BellAcademia hat mich für ein E-Casting für die deutsche Netflix-Serie «Kacken an der Havel» vorgeschlagen. Zunächst hörte ich lange nichts. Doch plötzlich hiess es, ich solle nach Berlin kommen. Ich flog zum ersten Mal allein und hatte ein Reading. Mir war erst nicht klar, ob ich die Rolle tatsächlich bekommen hatte. Für das Team vor Ort offenbar schon, sie haben es nur nicht direkt ausgesprochen.

Der Trailer der Serie «Kacken an der Harvel».

War das mit der Lehre vereinbar?

Ich habe im Sommer 2023 meine Lehre als Stickerei-Entwerfer begonnen. Ich wollte ein Jahr später den Betrieb wechseln und war gerade auf der Suche. Genau zu diesem Zeitpunkt kam die Einladung für «Kacken an der Havel» und der Dreh startete kurz darauf. Dafür konnte ich meine Ferientage einsetzen. Für die Berufsschule an der Schweizerischen Textilfachschule in Zürich und Winterthur bin ich mittwochs hin- und hergependelt. Insgesamt hatte ich rund 20 Drehtage.

Stickerei-Entwerfer ist ein eher ungewöhnlicher Beruf.

Ja, das ist tatsächlich ziemlich «nischig». In meinem Jahrgang bin ich der einzige Lernende. Ich designe bei der acundis AG Stoffe und Stickereien für Lingerie sowie Haute Couture und Prêt-à-porter. Mich fasziniert die Liebe zum Detail und der Weg vom Entwurf zum fertigen Produkt. Ich zeichne auch sehr gerne und habe vor der Lehre einen künstlerischen Vorkurs gemacht.

Zurück zu Netflix, welche Rolle spielst du in der Serie?

«Kacken an der Harvel» spielt in einem kleinen, fiktiven und ziemlich schrägen Dorf in Berlin-Brandenburg. Im Zentrum steht der Rapper Toni, der eigentlich berühmt werden möchte. Ich selbst spiele den Schweizer Jungen Köbi, der mit seinem Vater in das Dorf zieht. Ich bin da ein Exot, weil das Kaff ziemlich von der restlichen Welt abgeschottet ist. Ich mische mich etwas in das Geschehen vor Ort ein. Meine Rolle Köbi ist sehr aufgestellt und warmherzig, teils verwirrt und ein bisschen naiv.

Inwiefern kannst du dich mit Köbi identifizieren?

Uns verbindet vor allem die Herkunft aus der Schweiz und der Wunsch, für andere das Beste zu wollen. Ansonsten sind wir unterschiedlich: Er ist deutlich introvertierter als ich. Ich musste mich deshalb intensiv in die Rolle hineinversetzen, habe ihn aber sehr ins Herz geschlossen.

Maxwell in seiner Rolle als Schweizer «Köbi». (Foto: zvg.)

Wie war es für dich auf dem internationalen Set?

Das war ein riesiges Erlebnis. Viele haben wegen meines guten Hochdeutschs gar nicht gemerkt, dass ich aus der Schweiz komme. Ich musste am Set ständig zwischen Schweizerdeutsch und Hochdeutsch wechseln, weil meine Rolle ausschliesslich Schweizerdeutsch spricht. Ich traf dabei auf Veronica Ferres und Jördis Triebel. Am meisten freute ich mich über die Begegnung mit dem Rapper und Schauspieler Fatoni alias Anton Schneider. Seine Musik kannte ich bereits. Mein Schweizerdeutsch brachte ihn in einer Szene zum Lachen und steckte das ganze Set an.

Woran arbeitest du als Nächstes?

Aktuell habe ich noch kein neues Projekt. Im Sommer schliesse ich meine Lehre ab, danach möchte ich mich stärker auf die Schauspielerei konzentrieren und aktiv nach Castings suchen. Mein Traum wäre wieder eine Rolle im Ausland. Ich könnte mir auch vorstellen, mit einem Agenten zusammenzuarbeiten.

Vielen Dank für das Interview!

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