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Ratgeber

Unterwegs mit Höwi: Im Tempel der Pizzaner

12. April 2016 von

Foto: Höwi

Pizza direkt aus dem mit Holzofen.

Foto: Höwi

Fleischspiess, heisser Stein.

Foto: Höwi

Gastgeber Nino Reshani.

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12. April 2016

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Wie schrieb doch der Restaurant-Tester im «Wipkinger» vor drei Wochen? «Es ist ja nicht so, dass wir in Höngg nicht auch ein paar nette kulinarische Tankstellen hätten.» Na also, dann rein in die Beweisführung! Den Anfang macht das «Pantheon» im Frankental. Soviel vorweg: Wenn es um die beste Pizza in der Stadt geht, dann kann der Italo in Höngg ganz vorne mithalten.

Knusprig, der Teig nicht zu dick, der Boden nicht pampig: So muss eine richtig gute Pizza sein. Und weil eine Pizza ohne Belag nicht mehr ist als ein Fladenbrot, macht erst das, was drauf kommt, den Unterschied. Da ich mindestens ein Mal pro Woche Pizza esse, dürfte zwischenzeitlich der halbe Turm von Pisa in meinem Magen gelandet sein. Nicht alle waren lobenswert. Ausgerechnet in Neapel, wo dieses Gericht erfunden wurde, habe ich die schlampigste gegessen. Und wie oft musste ich in der Pizza-Hochburg Zürich − hier gibt es mehr Pizzerien als in jeder anderen Schweizer Stadt − den «Salami picante» mit der Lupe suchen?
Nichts zu meckern gibt es im «Pantheon». Da wird der Holzofen mit Birkenholz auf 300 Grad befeuert, die Kreationen sind gut belegt, lieber legt der Pizzaiolo noch eine Mozzarella-Kugel oder eine Scheibe Parmaschinken mehr drauf. Wen wundert’s, gehen an Spitzentagen gut hundert Pizzen durchs Feuer.
Doch wie kommt es, dass man diesen Klassiker der mediterranen Küche ausgerechnet im Frankental so gut beherrscht? Wer das wissen will, muss sich Nino Reshani vorknöpfen, am besten bei einer Flasche sardinischem Turriga, seinem Lieblingswein, und nach dem Ansturm der Mittagsgäste, denn typisch im «Pantheon» ist, dass der Chef auch selber mitserviert. «Ich brauche den Kontakt zu den Gästen, aber auch das Adrenalin, wenn der Laden voll ist», sagt Reshani.

Tellerwäscherkarriere

Man kann sich den stets elegant gekleideten Patron schlecht vorstellen, wie er vor 35 Jahren im Ristorante Da Cesare in Rom verschmierte Teller sauber wusch. «Doch die Story stimmt, ich habe als Tellerwäscher begonnen, wechselte dann aber rasch an den Pizzaofen und in den Service», erinnert sich Reshani, heute verheiratet und Vater von vier Kindern. Es folgte ein Abstecher ins «Duschlbräu» im bayrischen Rosenheim, dann landete er in Unterengstringen, wo er nach einem Probetag im Restaurant Il Vagabondo angestellt wurde. Es folgten eigene Restaurants wie das «Casanova» im Niederdorf und das «Milano» an der Militärstrasse. Als dann das «Bombach» im Frankental abgerissen und neu gebaut wurde, meldete er sich als Pächter und bekam den Zuschlag. «Das war 1993, und ich glaube, dass es in Höngg kein anderes Restaurant gibt, das eine so konstante Geschichte hat», sagt Reshani. Er freut sich, in zwei Jahren ein Fest zum 25-jährigen Bestehen zu veranstalten. Wetten, dass man dann auch etliche Promis antreffen wird? Denn nebst der Gastronomie hat der «Pantheone» noch zwei Passionen: Autos und Sport. Dutzendweise prangen Fotos bekannter Grössen an den Wänden. Schumacher, Ecclestone, Niki Lauda, aber auch Russi, Köbi Kuhn oder der legendäre Giovanni Trapattoni. Auch Missen und TV-Grössen kann man entdecken, angefangen bei Patrizia Boser über Jennifer Ann Gerber, Miss Schweiz 2001, bis zu Christa Rigozzi.
Fast noch bekannter als die Pizza im Pantheon ist das Fleisch vom heissen Stein. Höwi hat auch in diesem hart umkämpften Feld ausgiebig Feldforschung betrieben und darf festhalten: Die Darreichung kommt an diejenige im Restaurant Adlisberg, der für mich besten, heran. Einzig bei den Saucen gibt es Steigerungspotenzial. Zwingend müsste noch eine superscharfe mit auf den Tisch. Dass das Rindsfilet seit dreizehn Jahren vom gleichen Qualitätsmetzger kommt, merkt man, wenn man es nach einem Unterbruch wieder bestellt: Es ist noch genau so butterzart wie vor Jahren. Besonders edel ist der Filetspiess mit Peperoni, Zwiebeln und Pilzen am Spiess. Schöner kann die carnivore Welt nicht untergehen!

Sehen und gesehen werden

Immer wieder erstaunlich, wie viele Gäste dem Verkehrslärm zum Trotz draussen sitzen. Man kann es aber so sehen, wie es die meisten wohl auch tun: Da läuft was! Die Terrasse ist eine Bühne. Sehen und gesehen werden. Bekannten zuwinken. Die Stammgäste sind ohnehin ein auffälliges Merkmal des «Pantheon». Viele kommen regelmässig wieder, mit ein Grund, dass das Restaurant auch an Festtagen von Familien gut besucht wird. Dies wird auch am Sonntag, 8. Mai, so sein, dann ist Muttertag, dann gibt es das «Menu della Mamma» (siehe Website).

Kritik?

Frölein, ä Stange bitte! Und dann kommt so ein austauschbares, hellgelbes Hopfenmalzgebräu. Vorschlag: Mindestens ein schönes Pale Ale müsste noch auf die Karte. Und gerne auch ein Pilgrim-Bier mit Champagnerkorken. Vor allem an heissen Tagen ist dem Gourmet nämlich nicht immer nach Wein zumute, obwohl die Weinauswahl im «Pantheon» gefällt, vor allem der Valpolicella «Ripasso» ist ein süffiges Tröpfchen.
PS: Nächsten Monat geht Höwi ins «Desperado». Auf die «Nachos» bin ich gespannt, auf die «Camarones al Patron» ohnehin. Hasta la vista, baby! 

Il Pantheon
Limmattalstrasse 400, 8049 Zürich-Höngg
044 341 10 70
www.ilpantheon.ch
Täglich geöffnet.
    

Zum Autor
Er nennt sich Höwi, ist ein stadtbekannter Gastrokritiker und Buchautor und hat sich vorgenommen, den kochlöffelschwingenden Profis im Kreis 10 in die Töpfe zu schauen. Das Ergebnis wird wie hier monatlich im «Höngger» beziehungsweise alle drei Monate in der Wipkinger Zeitung präsentiert. Viel Spass – oder besser: «Guten Appetit»!

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