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Stadtspital Waid

Die letzte Lebensphase erträglich gestalten

28. März 2018 von

Foto: zvg

Stationsleiterin Verena Gantenbein und Chefarzt Roland Kunz auf der Baustelle zum neuen Zentrum für Palliative Care.

Foto: zvg

Auch am Lebensende sollen Patientinnen und Patienten selbstbestimmt über alles entscheiden können. Im Zentrum für Palliative Care des Stadtspitals Waid erhalten sie dabei vielschichtige Unterstützung.

Von

Online seit
28. März 2018

Printausgabe vom
29. März 2018
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Anfang Mai eröffnet das Stadtspital Waid ein Zentrum für Palliative Care und schliesst damit eine Versorgungslücke in Zürich. Das Zentrum richtet sich an Menschen mit chronischen, unheilbaren Krankheiten wie auch an ihre Angehörigen.

Dank moderner Behandlungsmethoden können heute immer mehr Krankheiten geheilt oder mindestens stabilisiert werden. Quasi als Kehrseite davon sterben nur noch zehn Prozent der Menschen an einem plötzlichen Tod, die übrigen erst nach einer mehr oder weniger langen Krankheitszeit, die von zunehmender Schwäche und manchmal komplexen Phasen mit belastenden Symptomen wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit und auch Angst begleitet wird. Es braucht deshalb neben der kurativen Medizin einen Betreuungsansatz, der sich auf die optimale Behandlung chronischer, unheilbarer Krankheiten konzentriert. Denn auch wenn keine Heilung mehr möglich ist, lässt sich noch sehr viel für eine gute Lebensqualität tun. Palliative Care ist nicht einfach eine neue medizinische Disziplin, sondern ein umfassendes Konzept, um die Situation von Menschen in der letzten Lebensphase zu verbessern. Dahinter steht eine Haltung, die sich den Grenzen der Medizin und des Lebens stellt. Das Konzept beruht auf einem bedürfnisgerechten Versorgungsnetz von der ambulanten Betreuung bis zur Akutspitalbehandlung und Langzeitpflege.

Die meisten Menschen möchten zu Hause sterben können

Fünfundsiebzig Prozent der Menschen in der Schweiz sagen, sie möchten am liebsten zu Hause sterben können. Oft gelingt es, diesen Wunsch zu erfüllen, indem die Hausärztin oder der Hausarzt sowie die Spitex die Betroffenen kompetent begleiten und zusätzlich eine spezialisierte Palliativ-Spitex punktuelle Unterstützung leistet. Manchmal kommt es aber zu Komplikationen, die zu Hause nicht gemeistert werden können. Dann ist es wichtig, dass im Spital ein Angebot zur Verfügung steht, das auf die Bedürfnisse dieser Patientinnen und Patienten ausgerichtet ist.

Eine Atmosphäre der Ruhe und der Wohnlichkeit

Bisher gab es in Zürich zu wenig Palliativ-Betten. Das Stadtspital Waid schliesst nun diese Lücke mit seinem neuen Zentrum für Palliative Care. Schwerkranke Menschen sollen hier eine Atmosphäre der Ruhe und Wohnlichkeit vorfinden, ähnlich wie zu Hause. Durchschnittlich werden die Patientinnen und Patienten etwa zwei Wochen auf der Akutstation bleiben. In dieser Zeit versucht ein spezialisiertes, multiprofessionelles Team, die Situation so weit zu stabilisieren, dass die Patientinnen und Patienten nach Hause zurückkehren oder allenfalls in eine Langzeitinstitution übertreten können.

Ganzheitliche Hilfe für alle Familienangehörigen

Die Patientinnen und Patienten wie auch ihre Angehörigen erhalten im Zentrum für Palliative Care eine vielschichtige Unterstützung. Einerseits werden die beeinträchtigenden Krankheitssymptome optimal behandelt, zum Beispiel mit einer gut eingestellten Schmerztherapie. Gleichzeitig steht das interdisziplinäre Team der Palliativstation den Betroffenen in ihrer schwierigen Situation auch psychologisch, spirituell und sozialdienstlich zur Seite.
Wichtig ist, dass die Patientinnen und Patienten selbstbestimmt über alles entscheiden können. Dabei brauchen sie Hilfe, indem sie ehrlich über die Prognose und die Handlungsalternativen informiert werden.
Auch das Gefühl von Sicherheit ist für die Betroffenen zentral. Dieses Gefühl entsteht durch ein tragendes Versorgungsnetz von der ambulanten Betreuung bis zur Akutspitalbehandlung und Langzeitpflege. Das Zentrum für Palliative Care im Stadtspital Waid ist Teil dieses Netzes und wird eng mit den vor- und nachgelagerten Institutionen zusammenarbeiten. So wissen auch bei Problemsituationen stets alle Beteiligten, wie reagiert werden kann – und das vermittelt Vertrauen.

Dr. med. Roland Kunz

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