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Parkplatz 2 Kommentare

Ein Drama in keinem Akt und wo die Wut begraben liegt

27. September 2017 von

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Spiel und Spass am Park Platz Sommerfest – dem Regen zum Trotz.

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Spiel und Spass am Park Platz Sommerfest – dem Regen zum Trotz.

Von

Online seit
27. September 2017

Printausgabe vom
28. September 2017
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Es regnet Säure vom Himmel der Entrüstung, die Menge tobt, erzürnte Menschen hauen voller Rage in die Tasten und reiten hasserfüllt durch die Weiten der Sozialen Medien und Kommentarspalten der Zürcher Medienlandschaft. «Quo vadis, Letten», hallt es theatralisch den Fluss entlang. Menschen in akuter Angst vor Neuem, in Sorge um ihre Ruhe und Freiheit.

Wir erlebten den Sommer auf dem Park Platz mit gemischten Gefühlen. Wir erfreuten uns an neuen Projekten und engagierten Menschen, die Ideen auf dem Platz verwirklichen, genossen die Gemeinschaft mit vielen. Doch spürten wir in letzter Zeit auch vermehrt Ablehnung und Anfeindung gegenüber unserem Projekt. Als wir im Zürcher Tagblatt (27. Juli 2017) auf einen Artikel über den Letten stiessen, waren wir verwirrt. Wütend. Enttäuscht.

Verwirrt über die Auslegung unseres Projekts. Wir wurden kurzerhand auf Café und Konzerte reduziert, der Autor Jan Strobel heftete uns den (vom Tages-Anzeiger übernommenen) schmeichelhaften Titel «Partybrache» an und adelte uns als hip. Von einem Journalisten eines amtlichen Blattes erwarten wir etwas mehr Recherche. Viel Aufwand wäre es nicht gewesen, auf unserer Website die Idee des Park Platz nachzuschauen. Er hätte auch vorbeikommen können, und mit einem unverkrampften Lächeln im Gesicht hätten wir ihn über den Platz geführt und ihm die Bandbreite unserer Projekte erklärt. Wir sind nämlich keine partyorientierte Konzertbrache mit Café, die sich im Sud des postfaktischen Hipstertums bis zur totalen Ignoranz weichkocht.

Wütend über die Anschuldigungen gegen uns, die der Artikel verbreitete. Eine Anwohnerin beklagte sich über die «ständigen Zettel» an der Wohnungstür, welche Lärm ankündigen würden, der die Nachbarschaft durchgehend von «15 Uhr {…} bis Mitternacht» belaste. Die ständigen Zettel lassen sich zum Zeitpunkt des Artikels auf zwei Anlässe reduzieren, bei denen wir grössere Lärmemissionen ankündigten. An einem dieser Anlässe gab es zwei Konzerte an etwa je einer Stunde über den Tag verteilt. Die zweite Feier war ein Festival mit Musik und Konzerten, das tatsächlich von 15 Uhr an bis nachts dauerte. Die zitierte Person nannte unsere Brache einen «Kinder-Bretter-Robinson-Spielplatz mit Gerümpel aller Art». Wir mögen Kinder. Spielplätze auch. Und wir wiederspiegeln keine Welt, die immer piekfein und sauber aufgeräumt ist. Wir stehen für den realistischen Alltag, die Kreativität von Menschen aller Art, die Unordnung vieler Lebenssituationen und die Schwierigkeit der Bewältigung davon. Und irgendwie sieht unser Platz auch ein wenig so aus, je nach Perspektive.

Enttäuscht waren wir, dass wir vom Autor nicht persönlich kontaktiert wurden. Wir halten es für selbstverständlich, bei einer kritischen Publikation über einen Ort auch die Kritisierten zu befragen. Es hätte von Respekt gezeugt, uns mit den Vorwürfen zu konfrontieren und unsere Meinung in Erfahrung zu bringen. Doch dies blieb auf der Strecke und diese einseitigen Zeilen fanden ihren Weg in den öffentlichen Diskurs. Leider erhielten wir auch keine Antwort auf ein E-Mail an Jan Strobel.
Wir sind ein Ort der Gemeinschaft, ein Platz der Eigeninitiative und Selbstverwirklichung. Unsere Idee lebt von der Diversität der verschiedenen Akteure und Projekte auf dem Platz. Wir sind immer offen für Kritik und wünschen uns, dass diese direkt bei uns angebracht wird. Damit wir auch ehrlich darauf reagieren können.

Kommentare

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500
1. Oktober 2017 um 20:11 Uhr von Schenkel Martin

Hallo liebe Wipkinger Zeitung

Da gibt es in der Wipkinger Zeitung aber Kontra, gegen den Tagblatt Bericht von Jan Strobel über den Letten, sich aber nur der Parkplatz betroffen fühlt – auch hier wird ihrerseits, ein Text veröffentlich, ohne einen einzigen betroffenen Anwohner zu fragen, im guten Glauben wird der Park Platz Text in ihrem Sinne einfach abgedruckt. Wo ist da, die im Parkplatz Bericht vermisste, Recherche, auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen und diese zu befragen?

Alleine der Textanfang, reiner Spott und Hohn gegen die unzufriedenen Anwohner – die Parkplatzbetreiber scheinen nichts begriffen zu haben.

Da wird er Tagblatt Bericht von Herr Storbel kritisiert, obwohl der vom Letten allgemein sprach und nicht mit jedem Wort nur die sich angegriffenen Parkplatz Betreiber meint.

Es interessieren nicht die Ideen des Parkplatzes, es interessierten ausschließlich die neu dazugekommen Lärmemissionen. Was laut ist und mit künstlichen Musikverstärkern und Bässen dröhnt und somit stört, nennen wir modern halt „Party“, dazu gehört neu auch der Parkplatz, wenn solche Geräte zur Klangverteilung im Quartier beitragen. Um welche Musikstilrichtung es geht, ist den Anwohner eigentlich egal. Die Lautstärke muss runter und auf das Minimum, auch die Anzahl an solchen Veranstaltungen muss reduziert werden.

Was es sonst noch für Veranstaltungen und für kulturelle Anlässe gibt, die in Ruhe ablaufen, gegen die hat nie jemand was gesagt! Es geht einzig um den Lärm!

Ein Platz der Selbstverwirklichung seien sie, aber leider auch auf Kosten der Anwohner.

Das sich der Parkplatz in ihrem Text für was Besseres hält als alle anderen Letten-Unterhaltungsbetreiber ist reine Ansichtssache, aber etwas sehr überheblich!

Die ständigen Zettel … auch da, scheint der Parkplatz nicht verstanden zu haben, dass wir über den ganzen Letten reden und nicht nur um sie!

Wie offen sie für Kritik sind, wie sie es im letzten Satz behaupten zeigt, dass kein Wort von unserer gemeinsamen Aussprache auf dem Parkplatz mit Anwohnern am 23. August 19 Uhr, erwähnt wird, in der man uns bloss mitteilte, dass eine neue Party stattfinden wird.

Dass nach so einer Aussprache, trotzdem noch so spöttisch geschossen wird, sie dazu wohl noch denken, besonders amüsant und schlagfertig geschrieben zu haben, wird die Parkplatzbetreiber und Anwohner keinen Schritt näher bringen.

Um mit ihren Worten zu Enden, die zeigen, dass sie in einer etwas anderen Welt leben,
verabschiede ich mich mit

„Grüßen in den Kosmos“

M. Schenkel

2. Oktober 2017 um 10:11 Uhr von Redaktion Wipkinger

Sehr geehrter Herr Schenkel
Besten Dank für Ihr Mail zur «Park Platz»-Thematik. Als Verlag verweisen wir darauf, dass im «Wipkinger» die Verantwortung für Texte und Bilder auf Seiten, welche von Wipkinger-Akteuren besetzt werden, auch bei diesen Akteuren liegen. Die entsprechenden Seiten sind mit Informationsboxen der jeweiligen Akteure versehen, überschrieben mit «Redaktionelle Beiträge von».
Verlag Quartierzeitung Höngg GmbH, Herausgeberin des «Wipkingers»