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Quartierverein Wipkingen 1 Kommentar

Grosses Kino: Töffli-Film «Sachs, Puch und Co.» von Rafael Koller

27. September 2016 von

Foto: Rafael Koller

Musiker in Fahrt.

Locationscout auf ihrem Velosolex

Von

Online seit
27. September 2016

Printausgabe vom
29. September 2016
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Der Filmemacher und Kameramann Rafael Koller hat einen wunderbaren Film über Menschen gedreht, in deren Leben das Töffli einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Der Quartierverein Wipkingen sprach mit dem Regisseur und Gründer von Tele-Wipkingen.

Wer in der Jugend Mofa gefahren ist, wird diese Zeit höchstwahrscheinlich mit Erlebnissen und Anekdoten rund um das Vehikel verbinden, das mehr als ein Velo und weniger als ein Töff ist: ein Töffli eben. Für die einen ein günstiges Fortbewegungsmittel, für die anderen ein Objekt mit tausend Möglichkeiten zur individuellen Modifizierung. Überlange Teleskopgabeln beispielsweise, ein kunstvoll bemalter Tank oder natürlich auch technische Eingriffe am Motor zwecks Steigerung der maximalen Geschwindigkeit.
Die Blütezeit in der Schweiz erlebte das Mofa in den 1970er und -80er Jahren. Es bedeutete für viele ein Stück Freiheit, man konnte schon ab 14 Jahren damit irgendwohin fahren, ohne auf die Eltern angewiesen zu sein, selbst ausgedehnte Touren oder gar Ferien lagen damit drin. «Die Idee, einen Töffli-Film zu machen, entstand, als ich vor Jahren mitbekommen habe, dass es in der Schweiz eine Art Retro-Bewegung rund um das Mofa gibt, mit Clubs, Rennen, gemeinsamen Ausflügen und so weiter», erzählt Rafael Koller. Zudem sei ihm während der Recherche bewusst geworden, dass sich in ländlichen Gebieten das klassische Töffli unter Jugendlichen noch immer grosser Beliebtheit erfreue. «Auf dem Land findet sich schneller einmal ein altes Mofa, das mit relativ wenig Aufwand wieder flottgemacht werden kann. Und damit fahren jetzt Jugendliche herum». Und erfahren ein Zusammengehörigkeitsgefühl, mehr Autonomie und Mobilität, ähnlich also wie einst die Eltern- oder Grosselterngeneration das Mofa als ein Stück Freiheit erlebte. Aber auch in urbanen Gebieten werde das Töffli als praktisches Fortbewegungsmittel heute noch vereinzelt genutzt, so Koller. «Ich wollte nicht nur einen Film über die organisierte Töffliszene in der Schweiz machen, sondern unbedingt auch Menschen porträtieren, die das Töffli im Alltag effektiv brauchen», erklärt der Filmemacher seine Motivation.

Praktisches Fortbewegungsmittel ohne Parkplatzstress

So kommen im Film nebst den eigentlichen «Freaks», die fast ihre ganze Freizeit mit dem Restaurieren und Tunen ihrer fahrbaren Untersätze verbringen, vor allem Leute vor, für die ihr Gefährt in erster Linie ein praktisches Fortbewegungsmittel fernab von Parkplatzstress und Stauproblematik ist. Da gibt es zum Beispiel den Bauern, der seine Milch auf den Töfflianhänger lädt und damit zur Sammelstelle fährt. Ein Musiker und Instrumentenstimmer aus Wipkingen gelangt mit dem Mofa schnell und stressfrei zum Auftragsort und die Velosolexfahrerin sucht als Locationscout für Film- oder Fotoprojekte nach geeigneten Aufnahmeobjekten. Der Film erzählt auf spannende und sehr unterhaltsame Weise unterschiedlichste Lebensgeschichten, die das Mofa als gemeinsamen Nenner haben. Dabei wird auch das Vertrauen spürbar, das die Töfflifans dem Filmemacher Rafael Koller entgegenbringen, das Vertrauen, auch als «schräger Vogel» nicht in die Pfanne gehauen zu werden. Diese Empathie des Filmemachers und sein Interesse an den Menschen werden im Film erlebbar und machen diesen zu einem lebendig vermittelten Stück Schweizer Kulturgeschichte, fernab von irgendwelchem Schulzimmermief. Der Regisseur nimmt seine Person im Film gänzlich zurück. Aber er war natürlich selber ein «Töfflibueb, mit allem was dazugehörte», wie er sagt. Also auch Tunen und Frisieren. «Dementsprechend machte ich auch einschlägige Erfahrungen mit der Polizei, musste mit dem Mofa immer wieder mal auf die Rolle und danach das Töffli auf dem Strassenverkehrsamt in gesetzeskonformem Zustand neu vorführen», erzählt Rafael Koller. In seinem Ausdruck spiegelt sich Leidenschaft, die Augen funkeln. Auch ausgedehnte Touren über verschiedene Pässe hätten dazugehört und die damals fast obligate Fahrt ins Tessin. Geschichten, die viele von uns in irgendeiner Form ebenfalls zu erzählen wüssten und sich wohl auch deshalb in diesem Film wiedererkennen werden.

Vorpremiere
Im November findet in Wipkingen eine Vorpremiere für alle Beteiligten statt. Der Termin für die Premiere steht noch nicht fest, wird aber auf unserer Webseite www.wipkingen.net kommuniziert, sobald wir das Datum wissen. Der Trailer zum Film «Ciao, Puch, Sachs und Co.» ist auf der QV-Webseite und auf youtube abrufbar.

Kommentare

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500
10. März 2017 um 20:00 Uhr von Jakob Kaufmann

Ich bin 72 Jahre alt und suche ein sehr schönes Caravelle 502 handgeschaltetes Mofa.
Kannmir jemand so etwas anbieten bin bereit für ein schönes Mofa ein guten Preis zu bezahlen.
Gruss Jakob Kaufmann