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Quartierleben 2 Kommentare

Hannibal war und ist einfach «live»

14. Dezember 2016 von

Foto: Béla Brenn

Hannibal und Lilliffee, wie man sie auf dem Röschibachplatz antrifft.

Von

Online seit
14. Dezember 2016

Printausgabe vom
15. Dezember 2016
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Es gibt Leute im Quartier, die einen Wiedererkennungseffekt haben. Einer davon ist Hannibal Buri, den man vor allem im Sommer oft auf dem Röschibachplatz trifft, wo er mit seinen Musikboxen und seinem Hund Lillifee für Stimmung sorgt. Wer sich mit ihm über sein Leben unterhält, merkt schnell: Er ist weit mehr als nur ein «schräger Vogel». Ein kleiner Einblick in ein sehr turbulentes und spannendes Leben.

Er ist nicht wegzudenken aus dem Quartierbild. Und doch war er nicht immer in Wipkingen. Von Auftritten am Openair St.Gallen über die Protestbewegung in den unruhigen Zürcher 80er-Jahren bis zu Punkrockkonzerten in Berlin oder London hat Hannibal einiges erlebt und gemacht in seinem Leben. Hannibal heisst eigentlich Christoph. Zu seinem Künstlernamen ist er durch eine spezielle Anekdote gekommen: In den 80er-Jahren hatte er einmal einen Auftritt in London, und auch seine damalige Freundin war auf der Reise dabei. Diese hatte, wie Hannibal erzählt, einen «ziemlich grossen Vorbau», und am Morgen nach dem Konzert scherzte sie und sagte: «Gestern bist du wie Hannibal wieder einmal über die Alpen gestiegen». Der damals noch Christoph genannte Hannibal kannte die Geschichte vom Karthager König nicht und war ein bisschen verwirrt über diese Metapher. Doch als seine Freundin es ihm erklärte, gefiel ihm der Name so gut, dass er ihn zu seinem Künstlernamen machte und sogar in seinem Pass ändern liess. «Unter dem Namen Christoph kennt mich fast niemand, alle nennen mich Hannibal».

Die hannibalsche Punkerkarriere

Hannibal ist 1963 geboren, seit 1995 lebt er nun im Quartier und fühlt sich sehr wohl hier. «Wipkingen ist ein soziales Quartier, und die Leute grüssen sich auf der Strasse. Man geht offen miteinander um, und wenn es einmal ein Problem gibt, wird es auch ehrlich angesprochen, und man ruft nicht sofort die Polizei». Aufgewachsen ist er in Luzern. Schon bald landete der junge Hannibal als Schlagzeuger bei der Luzerner Band «Crazy», die als erste Schweizer Punkband eine LP aufnahmen und eine der bedeutendsten Punkrockbands des Landes war. Hannibal bestritt zahlreiche grosse Konzerte in ganz Europa, wie zum Beispiel im KZ36 in Berlin oder eben auch in London. Danach liess er sich in Zürich nieder und spielte in vielen anderen Bands mit, unter anderem auch mit der Schweizer Sängerin Vera Kaa, mit der er zweimal auf einer grossen Deutschlandtournee unterwegs war. Auch beim Openair St.Gallen stand er bereits auf der Bühne. «Die Musik ist mein Lebenselixier», sagt Hannibal und man glaubts ihm aufs Wort. In Zürich hat Hannibal die turbulenten Jahre der 80er-Bewegung hautnah miterlebt. Mehrmals ist er mit seiner Punkband auch im AJZ aufgetreten. Heute tritt Hannibal nicht mehr auf den ganz grossen Bühnen auf, doch für Stimmung sorgt er trotzdem immer noch. Mit seiner Musik, die über den Röschibachplatz schallt, unterhält er die Wipkinger und bringt eine ganz besondere Atmosphäre ins Quartier. Diese Art von Entertainment hat sich ziemlich spontan ergeben. «Ich hab mir mal diese <Soundmaschine> zugelegt, also wollte ich sie auch brauchen», sagt er. Die Reaktionen der Leute auf seine Gratiskonzerte fallen meist positiv aus. «Oft kommen Leute aus dem «Nordbrüggli» zu mir und bedanken sich bei mir für die Musik, machen mir Komplimente». Seine Lieblingsmusik ist «Alternative» oder auch «Grunge», eine Mischung aus Heavy Metal- und Punkrockelementen, die aus der Nirvanabewegung entstanden ist. Zurzeit ist Hannibal aber doch wieder auf der Suche nach einem geeigneten Bandproberaum, um wieder aktiver Musik zu machen, was jedoch sehr schwierig ist in Zürich.

Theater und Film

Doch die Musik ist nicht seine einzige Leidenschaft. Auch die Schauspielerei ist für ihn eine grosse Passion, die parallel zu seiner Musikkarriere als Punkschlagzeuger begonnen hat. Erst kürzlich hat er mit einem Freund und einer Theatergruppe ein Stück mit dem Titel «ableben!» aufgeführt. Irgendwie lässt es sich als die Geschichte des Lebens der beiden Freunde auffassen. Das Stück, eine fiktionale Inszenierung unter der Regie der Theaterregisseurin Mika Netser, handelt von «zwei alternden Musikern», die früher sehr bekannt waren und nun über die alten Zeiten sinnieren und sich überlegen, was sie jetzt machen wollen. Bis sie sich dazu entschliessen, es nochmals richtig krachen zu lassen und ein neues Konzert auf die Beine stellen. «Es ist ein skurriles und abstraktes Stück, unter anderem mit Tanzeinlagen, einer Hochseilartistin und einem Livekonzert», findet selbst Hannibal. Fünfmal traten sie mit diesem Stück in der Ziegelhütte in Schwammendingen auf, und jede Aufführung war ausverkauft. Im Dezember wird ein Dokumentarfilm über Hannibal gedreht, wobei er selbst einen Teil der Regie übernimmt und an Orten in Wipkingen, die für ihn wichtig sind, filmen geht.

Lillifee, die Lebensretterin

Einer seiner Lieblingsorte in der Stadt Zürich ist der See. Besonders im Sommer zieht es ihn oft dorthin, vor allem in Richtung der Roten Fabrik. Die Fabrik aus den bewegten 80er-Jahren hat für ihn noch immer eine besondere Bedeutung. Wie viele andere junge Leute ist er damals dort eingezogen und war Teil der Bewegung, die Proteste mitorganisiert hat. Eine zentrale Rolle im Leben von Hannibal nimmt sein Hund Lillifee ein, der ihn seit fünf Jahren begleitet. Sein früherer Hund Max war auf tragische Art gestorben, als eine Frau mit High Heels in einer Bar auf ihn stürzte und den Nacken des Hundes wie mit einem Messer aufspiesste. Hannibal war geschockt, wollte zuerst keinen neuen Hund, weil er seinem alten Weggefährten nachtrauerte. Doch seine Mutter schenkte ihm den neuen Hund zu Weihnachten. Er trug ein kleines Schild mit einer Inschrift: «Ich heisse Lillifee und ich möchte so gerne bei dir sein». Hannibal konnte nicht mehr nein sagen. Lillifee ist mittlerweile seine treuste Begleiterin. Jeden Tag macht er mit ihr eine Runde durch den Wald. Sie war es auch, die als erste merkte, dass es Hannibal gesundheitlich nicht mehr gut ging. Immer wieder stupfte sie mit ihrer Schnauze an dieselbe Stelle. Als Hannibal ein MRI machen liess, wurde ihm ein Tumor in der Leber diagnostiziert. Zum Glück konnte der Tumor operativ entfernt werden und Hannibal befindet sich auf dem Weg zur Besserung. Hannibal ist ein spezieller Mensch. Er geht seinen eigenen Weg und kümmert sich wenig darum, was die Leute über ihn denken. Und nicht nur das macht ihn einzigartig. Er ist das Quartieroriginal, und ein Wipkingen ohne Hannibal wäre nicht mehr dasselbe Wipkingen.

Kommentare

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500
24. Januar 2017 um 20:50 Uhr von Tony Lauber

God bless Honey-Ball!

13. Juli 2018 um 15:01 Uhr von Hannibal Buri

God bless A.L.Pizzinato.@