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Grüne

Auch Fairness geht durch den Magen

27. Juni 2018 von

Peter Schneider, Präsident Grüne Kreis 6/10, und Jasmin Pokerschnig an der Delegiertenversammlung der Grünen Schweiz.
Foto: zvg

Peter Schneider, Präsident Grüne Kreis 6/10, und Jasmin Pokerschnig an der Delegiertenversammlung der Grünen Schweiz.

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Kantonsrätin Grüne

Von

Online seit
27. Juni 2018

Printausgabe vom
28. Juni 2018
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Das Lieblingsmenü aus Kindertagen, das erste selbstgekochte Nachtessen für den Liebsten oder die immer gleichen Eintöpfe aus den Zeltferien, viele Erinnerungen knüpfen sich ans Essen. Aber nicht immer ist Essen auch mit Genuss und Freude verbunden.

Die Regale in den Läden sind voll von Lebensmitteln: Billig-, Bio-, Fertig-, Fairtrade-, Regional- und andere Produkte. Bei dieser riesigen Auswahl eine Übersicht zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Woher stammen die Produkte? Wie wurden sie produziert? Unter welchen Arbeitsbedingungen? Es ist uns nicht wurst, was wir essen.

Glückliche Tiere ohne Tierfabriken

Ob vegan, vegi, flexi oder carnivor, niemand wünscht sich tierquälerische Mastbetriebe: Wenn Fleisch essen, dann möglichst von glücklichen Tieren. Die Österreichischen Grünen haben dafür den Slogan «Für ein Leben vor dem Schnitzel» kreiert. Es ist aber gar nicht so einfach, diesem Anspruch im Alltag zu genügen. Gerade bei importierten Fertigmenüs und verarbeiteten Produkten, aber auch in Restaurants und Kantinen finden sich häufig Fleisch und Eier von äusserst bedenklicher Qualität. In der Schweiz gibt es für die Tierhaltung wenigstens Obergrenzen, zum Beispiel für Bestandesgrösse und Transportdauer, Europa kennt keine solchen Einschränkungen. In industriellen Mastbetrieben leben zum Teil Zehntausende Tiere in zu engen Gattern und Käfigen und mit intensiven Antibiotikabehandlungen. Was in der Schweizer Tierzucht verboten ist, landet dennoch auf unseren Tellern.

Faire Arbeitsbedingungen statt Ausbeutung

Nicht minder skandalös sind die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, die in der Lebensmittelproduktion vielfach herrschen. Anstellungen zu Hungerlöhnen, überlange Arbeitszeiten und Gefährdung der Gesundheit wegen mangelndem Schutz vor Chemikalien oder Arbeitsunfällen sind weit verbreitet. In Südspanien haben sich mittlerweile riesige Treibhausplantagen etabliert, in denen hauptsächlich Migrantinnen und Migranten aus Nordafrika und Osteuropa unter prekären Bedingungen als Tagelöhner arbeiten. Die Probleme verschärfen sich nochmals deutlich bei Menschen ohne gültige Papiere und sind keineswegs auf Spanien beschränkt. Obwohl diese miserablen Verhältnisse bekannt sind, ist der gesamte Anteil an fair gehandelten Lebensmitteln nach wie vor klein, pro Kopf und Tag geben wir gerade mal 14 Rappen für Fairtrade-Produkte aus.

Gutes auf den Teller statt in den Müll

Und kaum sind die Lebensmittel fertig produziert, wandert ein Drittel davon direkt in den Abfall, der ganze Aufwand und alle Missstände für nichts. Diese Abfallmenge entspricht rund 140‘000 vollbeladenen Lastwagen, die aneinandergereiht eine Kolonne von Zürich bis nach Madrid bilden. Die Hälfte der Lebensmittelverluste entsteht bereits in der Landwirtschaft und bei der Verarbeitung. Krumm oder zu klein gewachsenes Obst und Gemüse wird als minderwertig aussortiert und kommt gar nie zum Verkauf. Zudem setzen die Läden immer mehr auf übergrosse Packungsmengen, obwohl bei der Bevölkerung der Trend weiter in Richtung Einpersonenhaushalt geht. Wenn dort etwas übrigbleibt, gelangt auch das von der Pfanne direkt in den Müll.

Essen mit Genuss und Freude

Skandalbilder aus südamerikanischen Schlachthöfen oder Berichte über moderne Sklavenarbeit auf Gemüseplantagen verderben den Appetit. Das muss nicht sein: Im September kommt die «Fairfood-Initiative» zur Abstimmung. Sie verlangt Lebensmittel aus einer naturnahen, umwelt- und tierfreundlichen Landwirtschaft mit fairen Arbeitsbedingungen. Sie fordert auch für importierte Nahrungsmittel klare ökologische und soziale Standards. Konkret: kein Import von Fleisch aus Massentierhaltung, keine Batterieeier, keine Vergiftung der Gewässer durch Pestizide und auch keine Tomaten, die von Angestellten geerntet werden, die kaum etwas verdienen.

Kathy Steiner, Kantonsrätin Grüne Kreis 6/10

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