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Quartierleben

Der Geschichtenerzähler mit Pioniergeist

21. September 2021 von

Matthias M. Mattenberger macht das, was er liebt: Marke und Mensch zusammen bringen.
Foto: zvg

Matthias M. Mattenberger macht das, was er liebt: Marke und Mensch zusammen bringen.

Von

Online seit
21. September 2021

Printausgabe vom
23. September 2021
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Matthias M. Mattenberger aus Wipkingen hat beim Schweizer Radio und Fernsehen gelernt, die Geschichte hinter der Geschichte zu finden. Seit sieben Jahren hilft er Unternehmen dabei, ihre eigene Story zu erzählen. Brandtelling nennt sich das.

«Als kleiner Junge hatte ich einen wiederkehrenden Traum: Ich arbeitete in einem Sattelschlepper-Lastwagen, in dem in kleinen Kisten an den Wänden alle Werkzeuge und Utensilien, die ich brauchte, fein säuberlich geordnet waren. Jedes Ding hatte seinen Platz. Zugegeben, ein etwas seltsamer Traum für ein Kind. Aber ich dachte, okay, vielleicht werde ich ja einmal Schraubenverkäufer und träume schon jetzt von meinem Lieferwagen. Viele Jahre später sass ich wieder einmal in einem Übertragungswagen des Schweizer Radio- und Fernsehen (SRF), wo ich eine Sendung produzierte. Vor mir eine Wand mit Bildschirmen, Knöpfen und Schubladen, alles hat seinen Platz. Plötzlich die Erkenntnis: Ich lebte im wahrsten Sinne des Wortes meinem Traum. Ich bekam Gänsehaut.»
Matthias M. Mattenberger erzählt diese Anekdote mit leiser Stimme, ruhig und sehr schnell. Seit fünf Jahren lebt der Unternehmensberater und Markenstratege mit seiner Frau und seinem Sohn in Wipkingen und sagt, es sei das perfekte Quartier für seine Lebensumstände: Alles, was eine Familie brauche, sei zu Fuss erreichbar, dennoch gäbe es auch ein «Erwachsenenangebot» mit Bars und Cafés. Gerade das richtige Level an Urbanität, kein Schlafquartier, aber auch nicht die Hektik der Innenstadt. «Ich kann zu Fuss über die Limmat an meinen Arbeitsplatz in Zürich West laufen, was mich als leidenschaftlicher Segler besonders freut, weil ich ans Wasser komme, erzählt der Skipper.

Der Autodidakt

Es zeichnete sich schon früh ab, wohin die Reise für Mattenberger einmal gehen würde. Als Junge schnitt er die besten Werbeanzeigen aus den Magazinen und notierte, was ihm besonders gut daran gefiel. Am Gymnasium zu seinen Berufswünschen befragt, sagte er, er wolle einmal beim Radio oder Fernsehen arbeiten. Ein Wunsch, der wenig später in Erfüllung gehen sollte. Noch während des Studiums in Publizistik und Soziologie bewarb er sich beim SRF, wo er für das erste eingekaufte Format «Musicstar» die Online-Plattform betreute und später andere Sendeseiten aufbaute. Wieso er das konnte? Ende der 90er-Jahre hatte er sich das Webseitenprogrammieren mit «Dreamweaver» im Selbststudium beigebracht und für seine Freunde diverse Webseiten erstellt. Dieses etwas Nerdhafte – im positiven Sinn – lässt sich nicht ganz abstreiten. Wenn ihn etwas interessiert – und da gibt es vieles – dann will er es an­packen, es sich aneignen, es einfach machen. Es ist eine Kombination aus Neugierde, der Lust, neue Dinge auszuprobieren, einer Portion Mut und einer Prise Glück. Daraus kann sich der erste Podcast der Schweiz ergeben oder ein Kochbuch über die sizilianische Küche, das eigentlich erst ein Hörbuch hätte werden sollen von zwei damals noch durchschnittlichen Köchen, die einfach eine gute Zeit zusammen haben wollten. «Das war so überhaupt nicht vorgesehen», sagt Mattenberger. «Ich musste mir die fachspezifischen Ausdrücke, die man beim Buchmachen kennen muss, alle selber beibringen: U1, U4, Kapitalbändchen, Lesebändchen, Titelei – ich hatte doch keine Ahnung, was das bedeutet», lacht er heute. Am Ende wurde das Buch «La Cucina Di Bernardo – eine kulinarische Reise durch Sizilien» in zwei Sprachen übersetzt und erhielt die Auszeichnung «World Cook Book Award».

Auf der Suche nach der Geschichte hinter der Geschichte

Nach «Musicstar» kam er zur Sendung Aeschbacher. «Man könnte meinen, dieses Format sei ein Selbstläufer und verändere sich nicht wirklich. Doch Kurt Aeschbacher ist eine sehr innovative Persönlichkeit, immer am Puls der Zeit, er steht nie still», sagt Mattenberger bewundernd. «Es war ein Traumjob: Ich konnte mit den spannendsten Menschen in Kontakt treten, lernen, wie man Geschichten findet und so erzählt, dass sie in Erinnerung bleiben. Was wir bei Aeschbacher immer eher intuitiv gemacht hatten, nämlich die Geschichte hinter der Geschichte aufzuspüren, wollte ich zur Methode entwickeln», erklärt Mattenberger. Mit dieser Idee machte er sich 2014 nach zehn Jahren SRF selbstständig. «Ich entwickle Brandtelling, das heisst, ich arbeite die Quintessenz einer Marke oder einer Unternehmung heraus und kommuniziere sie so, dass sie verstanden wird.» Während der Recherche stellte Mattenberger schnell fest, dass die wissenschaftliche Literatur zum Thema Storytelling recht überschaubar ist. Die Modelle des «Monomythos» von Mythenforscher Joseph Campbell und die daraus abgeleiteten klassische «Heldenreise» von Regisseur Christopher Vogler, an der sich fast jeder Hollywoodfilm orientiert, überzeugten ihn nicht restlos. «Es ist ein wenig wie in Janoschs ‹Oh, wie schön ist Panama›: Sie laufen ums Haus herum und kommen wieder am selben Ort an. Auch die Heldenreise hat eine Kreisform: Die Hauptfigur kommt am Schluss wieder dort an, wo sie gestartet ist. Doch nach all den Prüfungen, die sie bestanden hat, müsste sie eigentlich eine Entwicklung durchgemacht haben.» Aus dieser und anderen Erkenntnissen entstand schliesslich Mattenbergers Buch «Brandtelling». Der Erfolg gibt ihm recht, seinen ersten Auftrag erhielt er von der ZKB, heute zählen Swisscom, Roche, ETH und weitere zu seinen Kunden. Abgehoben ist er deswegen nicht: «Mein Beruf ist meine DNA, ich mache jetzt genau das, was ich am besten kann und was mir am meisten Freude bereitet», sagt der casual gekleidete, jugendlich wirkende Typ. Mal sehen, was da noch alles kommt.    ”

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