Quartierleben
«Der Kanton blockiert seit Jahren»
Über 100 Personen demonstrierten auf der Rosengartenbrücke für Tempo 30, bessere Übergänge und wirksamen Lärmschutz. Sie werfen dem Regierungsrat vor, seit Jahren notwendige Massnahmen zu verhindern.
17. September 2026 — Daniel Diriwaechter
«‹Das ist ein Skandal: Auch 40 Jahre nach Inkrafttreten der Lärmschutzverordnung ist die Westtangente nicht lärmsaniert!», sagt Erich Willi, Vorstandsmitglied der IG Westtangente Plus. Er steht mit weiteren Demonstrierenden auf der Rosengartenbrücke. Unter ihnen der Stein des Anstosses: Die Rosengarten- und die Bucheggstrasse gehören bekanntlich zur Westtangente und zählen mit rund 60 000 Fahrzeugen täglich zu den meistbefahrenen Stadtstrassen der Schweiz. Die hohe Verkehrsbelastung beschäftigt die Anwohnenden seit Jahren – insbesondere wegen des Lärms und der schwierigen Bedingungen für Fussgänger und Velofahrende (wir berichteten).
Die Kundgebung
Die IG Westtangente Plus, der Fussgängerverein Zürich, Velomänsche Züri, Vélorution, Pro Velo Schweiz, umverkehR sowie Grüne und SP hatten daher am Donnerstag, 10. September, pünktlich zum Feierabendverkehr zur Kundgebung auf der Rosengartenbrücke aufgerufen. Gemeinsam machten sie darauf aufmerksam, dass die Stadt Zürich mit Tempo 30 sowie sichereren Übergängen Verbesserungen erreichen möchte. Aber: «Obwohl Frau Walker Späh nach der 2020 abgelehnten Tunnelvorlage sagte, die Stadt sei jetzt am Zug, blockiert die Regierung am Rosengarten selbst kleine Verbesserungen», sagt Willi.
Mittlerweile hängen Transparente am Brückengeländer, Schilder werden in die Höhe gehalten und Fahnen geschwungen. Während einige Autos hupen, ergreift die SP-Kantonsrätin Renata Grünenfelder das Wort: «Wir sehen Wohnhäuser, wir sehen eine Schule, wir sehen Kirchen – und wir sehen eine sechsspurige Strasse, die das Quartier teilt!». Es gebe nie Ruhe «da unten», so die Politikerin. Der Kanton und die Stadt seien verpflichtet zu handeln. Der Lärm entstehe durch den Verkehr. «Der Kanton delegiert die Lärmsanierung an die Städte und blockiert sie dann. Rund 285 000 Menschen im Kanton haben aufgrund der Umweltschutzgesetzgebung einen Rechtsanspruch auf Schutz vor übermässigem Lärm, dieser muss endlich eingelöst werden!»
Der «Rosengarten-Brief»
Nach Grünenfelder spricht noch der Höngger Politiker Martin Busekros (Grüne): «Die Westtangente ist ein verkehrspolitisches Provisorium mitten im Wohnquartier und gehört endlich abgeschafft. Übergänge für den Fuss- und Veloverkehr und Tempo 30 sind längst beschlossen, der Kanton blockiert sie seit Jahren», sagt er. Mit der Kundgebung wurde ein offener Brief zum Unterschreiben an die Regierungsräte Carmen Walker Späh und Mario Fehr lanciert. Der «Rosengarten-Brief» ist online abrufbar und fordert auf, die zum Lärmschutz und zur Verkehrssicherheit nötigen Massnahmen am Rosengarten und auf der gesamten Westtangente zu genehmigen.


0 Kommentare