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Der Kauf der roten Brille

24. Juni 2020 von

Mathias Egloff Gemeinderat SP10 vom Computer fotografiert

Mathias Egloff Gemeinderat SP10 vom Computer fotografiert

Von

Online seit
24. Juni 2020

Printausgabe vom
25. Juni 2020
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Vor langer Zeit befahl der Kaiser (oder war es ein Koch im Anzug?) allen Menschen in ihren Häusern zu verharren, bis sich der Kampf um die Krone geklärt hätte. Nur ganz, ganz wichtige, sogenannte systemrelevante Dinge durfte man noch kaufen und nur, wenn man ganz allein in einem Auto dahin fuhr. Die Läden mussten ihre Öffnungszeiten und die Bedienung der Kundschaft so anpassen, dass sich niemand näherkam als zwei Meter. Schwatzen gab es nur noch per Videokonferenz. Mit der Zeit nagte der Lockdown an den Nerven.

Okay, dachte ich, dann gehe ich doch mal einen Ferrari kaufen, das ist ja wohl systemrelevant – schliesslich habe ich noch keinen. Fehlanzeige. Nicht mal ein Velo durfte man mir verkaufen, obwohl da naturgemäss nur eine Person draufpasst. Dann wenigstens ein Ferrari-rotes Nasenvelo! Tatsächlich hatte der Optiker im Quartier ganz normal geöffnet.

Von Brillen habe ich keine Ahnung, aber mir wurde geholfen, ganz ohne Umstände, ohne Abstand, ohne Maske oder Handschuhe. Oje, jetzt sehe ich die Leute in der Videokonferenz wieder scharf. Und lange Haare haben die!

Die Brille hat gefühlt fast so viel gekostet wie ein Ferrari. Nur rot ist sie nicht.

Mathias Eglof, Gemeinderat SP 10 

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