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Der Wiederholungstäter

30. September 2020 von

Die elfte Verleihung des Zürcher Krimipreises fand im «Sphères» statt. Neu moderierte André Sommerfeld (links) die Feier.
Foto: zvg

Die elfte Verleihung des Zürcher Krimipreises fand im «Sphères» statt. Neu moderierte André Sommerfeld (links) die Feier.

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Online seit
30. September 2020

Printausgabe vom
01. Oktober 2020
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Vergangenen Mittwoch wurde zum elften Mal der Zürcher Krimipreis verliehen. Severin Schwendener konnte die Jury mit seinem Krimi «Schatten & Spiel» überzeugen und wurde damit bereits zum zweiten Mal Sieger.

Severin Schwendener holte zum zweiten Mal den Zürcher Krimipreis.

Severin Schwendener holte zum zweiten Mal den Zürcher Krimipreis.

2018, just zum zehnjährigen Jubiläum des Zürcher Krimipreises, verhiess der Büchermarkt im Genre Krimi mit Zürich-Bezug nicht viel Gutes. Die Jury war leicht beunruhigt, doch 2019 wurde wieder auf Hochtouren publiziert, und am Ende konnten 21 Bücher berücksichtigt werden. Davon wurden sechs in die engere Auswahl genommen und daraus schliesslich die besten drei gewählt: Gabriela Kasperski mit «Quittengrab», Stephan Pörtner mit «Pöschwies» und Severin Schwendener mit «Schatten & Spiel». Im lauschigen «Sphères» fand am vergangenen Mittwochabend die Verleihung des Zürcher Krimipreises statt.

Mal etwas anderes

Einiges war anders an dieser elften Preisverleihung. Am auffälligsten natürlich: die Lokalität. Zehn Jahre lang hatte man die Feier in der Labor Bar durchgeführt, dies sei aber immer sehr aufwendig gewesen, so die Organisatorin Cornelia Schwendener. Ausserdem habe man im Zuge des Jubiläums etwas Neues ausprobieren wollen. Das Café mit der integrierten Buchhandlung ist zwar etwas kleiner als die Labor Bar, aber irgendwie auch heimeliger und passend für die Verleihung eines Buchpreises. Auch der Moderator hat gewechselt, statt Bernard Senn, bekannt vom Schweizer Fernsehen, führte André Sommerfeld durch den Abend. Gelesen wurden die Auszüge aus den jeweiligen Büchern nicht von den Autor*innen selber, sondern von der Schauspielerin Heidi Ulfig. Immerhin das musikalische Trio, welches die Feier mit kriminalistischem Soundtrack begleitete, war fast dasselbe, einzig der Bassist war neu. Wieso eigentlich bringt man die Klänge eines Saxofons automatisch mit schummrigen Kneipen, düster-nebligen Gassen und viel Whisky in Verbindung?

 

Die Band bot den passenden Soundtrack zur Krimipreis Verleihung.

Die Band bot den passenden Soundtrack zur Krimipreis Verleihung.

 

Wer schreibt wo?

Nachdem Moderator Sommerfeld die drei Nominierten kurz vorgestellt und Ulfig eine Textpassage aus ihren jeweiligen Büchern vorgelesen hatte, versuchte er zu erraten, wie und vor allem wo die Autor*innen wohl ihre Bücher schrieben. So stellte er sich Gabriela Kasperski unter Olivenbäumen schreibend vor, während er Stephan Pörtners Arbeitsplatz auf einer Parkbank in der Bäckeranlage verortete. Dabei verhielt es sich genau umgekehrt: Pörtner verfasst seine Romane mit viel Lokalkolorit tatsächlich in mediterranen Gefilden, während Autorin Kasperski in Zürich Rehalp arbeitet und vor allem im Kopf in die Ferne reist. Etwas, das sie auch gleich allen Anwesenden ans Herz legte: Lesend kann man auch in diesen Zeiten auf Reisen gehen. Einzig bei Severin Schwendener traf der Abendunterhalter den Nagel auf den Kopf: Dieser schreibt seine Bücher an einem grossen alten Tisch mit grünem Lederbezug. Er arbeitet zwar in Zürich, lebt aber im Thurgau. Vielleicht ermöglicht ihm gerade diese Distanz den Blick von aussen auf die Stadt, die sich manchmal selber so wichtig nimmt. «Ich mag Zürich. Wirklich. Aber so weit, hier zu leben, würde ich nicht gehen», sagte er trocken.

«He did it again»

Schliesslich wurde der letzte Fall des Abends gelöst: Kurz und undramatisch gab Sommerfeld bekannt: Severin Schwendener ist der Gewinner des mit 2000 Franken dotierten Zürcher Krimipreises. «He did it again», sagte Juror Thom Linder, der die Laudatio verlesen durfte. Bereits 2013 hatte Schwendener den Preis für seinen Krimi «Schach & Matt» entgegennehmen dürfen. Gelobt wurde der Autor für seinen trockenen, teilweise schwarzen Humor, für die Spannung, die nie nachlässt und die wohltuende Aussensicht auf die Stadt. Der Folgeroman habe Potenzial für internationale Bühnen und biete durchaus Material für eine NetflixSerie, so die Juror*innen begeistert. Schwendener selber nahm seine Auszeichnung sehr bescheiden entgegen und bedankte sich als Erstes bei allen, die ihn beim Schreiben des Buches unterstützt hatten, allen voran seine Lektorin und sein Verlag. Diese arbeiteten, ebenso wie die Organisator*innen des Zürcher Krimipreises, ehrenamtlich, ihre Unterstützung habe ihm das Schreiben überhaupt erst ermöglicht. Was seinen Schreibstil angehe, der in der Laudatio so gelobt worden sei, da hätte seine Lektorin wohl eine andere Meinung dazu. Er werde aber weiterhin daran arbeiten, noch besser zu schreiben, auch wenn es dann etwas länger dauern könnte, bis der nächste Krimi erscheine, meinte er zum Abschied.

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