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Quartierleben

«Die Leute kaufen bewusster ein»

16. Dezember 2020 von

Hochbetrieb fast ununterbrochen am Stand der Familie Derrer.
Foto: Patricia Senn

Hochbetrieb fast ununterbrochen am Stand der Familie Derrer.

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16. Dezember 2020

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Corona ist auch am Wipkinger Frischwarenmarkt nicht spurlos vorbeigegangen. Wie geht es den Marktfahrern inzwischen, wie haben sie das Jahr erlebt? Ein Augenschein vor Ort an einem sonnigen Samstag Mitte November.

Heiri Derrer, Ihr Stand ist ­fester Bestandteil des Marktes, Sie sind fast seit der Geburtsstunde dabei. Wie haben Sie das Corona-Jahr erlebt?

Rückblickend war es für unser Geschäft grundsätzlich ein sehr gutes Jahr. Nach dem Lockdown lief es von Anfang an recht gut und wir haben sehr viele positive Reaktionen von Kunden bekommen, darunter viele, die sich bedankt haben, dass wir sie während des Lockdowns beliefert haben. Das war ein richtiger Aufsteller.

Was hat sich geändert für Sie?

Wir beschäftigen jetzt samstags zusätzlich ein bis zwei Mitarbeitende, damit unsere Kundschaft zügig bedient werden kann. Unsere Kund*innen kommen sehr positiv eingestellt auf den Markt, selten nur sind ein paar wenige genervt über die Schutzmassnahmen – geordnet anstehen, Abstand, Hände desinfizieren, Maske – aber die allermeisten machen sehr gut mit.

Stellen Sie eine Veränderung fest zu der Zeit vor Corona?

Ja, die Leute kaufen sehr viel Gemüse, viel Bio, man merkt, dass sie daheim mehr kochen und im Home-Office sind. Und je länger, je mehr kaufen die Leute bewusster ein. Mit den wieder steigenden Zahlen jetzt erleben wir zudem nochmals eine grössere Nachfrage.

Esther Schwank und Walti Schneider, Sie verkaufen zusammen Blumen und Pflanzen, Glarner Spezialitäten und neu auch «Chäs us dä Region». Wie war für Sie das Jahr?

Walti Schneider verkauft neu auch  Käse.

Walti Schneider verkauft neu auch Käse.

 

Walti Schneider: Es war nicht so einfach, der Lockdown war natürlich schlimm fürs Geschäft. Inzwischen ist die Anzahl Kundinnen und Kunden wieder auf Vor-Corona-Niveau, so mein Eindruck.
Esther Schwank: Trotz Lockdown, Covid-Massnahmen und Einschränkungen macht der Marktverkauf viel Spass.

Was war das Schönste bei der Wiedereröffnung?

Beide: Das allerschönste war, als Blumen ab Ende April wieder in den Verkauf durften und wir auf der Terrasse des Café Belmondo starten konnten. Die Freude der Quartierbewohner war riesig. Die Kunden und Kundinnen sind sehr treu, halten zu einem und berücksichtigen den Markt, das ist wirklich schön. Ein weiteres Highlight ist, dass wir seit kurzem unser Sortiment mit Käse erweitern konnten.

 

Mit viel Herzblut dabei: Esther Schwank.

Mit viel Herzblut dabei: Esther Schwank.

 

Haben Sie ein verändertes Kundenverhalten festgestellt?

Esther Schwank: Ja, alles läuft ein bisschen ruhiger, entschleunigt. Anstehen und warten ist selbstverständlich, auch Dank höre ich immer wieder.

Walti Schneider: Die Kundinnen und Kunden bringen auch mehr Zeit mit, haben mehr Geduld.

Markus Hauenstein, Sie verkaufen seit drei Jahren hier ihr Fleisch vom Loohof, Ihrem Familienbetrieb, der sehr auf das Tierwohl setzt, wie haben Sie das Jahr erlebt?

Sehr turbulent. Wir mussten in kurzer Zeit ziemlich viel umstellen, so zum Beispiel unsere Verkaufskanäle: Traditionell sind wir täglich auf Märkten, während des Lockdowns hingegen haben wir unser Fleisch direkt auf dem Hof verkauft. Zudem haben wir die Online-Bestellmöglichkeiten und die Hauslieferung rasch ausgebaut. Inzwischen stellen wir eine grössere Nachfrage als Vor-Corona fest. Auch über den Sommer haben wir gemerkt, dass viele daheim geblieben sind und viel gekocht haben.

 

Markus Hauenstein freut sich, dass er seine Kunden wieder auf dem Röschibachplatz begrüssen kann. 

Markus Hauenstein freut sich, dass er seine Kunden wieder auf dem Röschibachplatz begrüssen kann.

 

Was haben Sie am meisten vermisst in dieser Zeit?

Den persönlichen Kontakt, der ist leider sehr untergegangen. Umso glücklicher waren wir, dass uns doch einige Kunden besucht haben auf unserem Hof und ihr Fleisch direkt abgeholt haben.

Und worauf haben Sie sich besonders gefreut nach der Wiedereröffnung?

Alle wieder zu treffen. Wir schätzen diesen Markt besonders, weil er klein und überschaubar ist, gleichzeitig aber auch gewachsen. Wir haben eine sehr schöne Stammkundschaft, bunt durchmischt, mit vielen jungen Familien, und wir haben etliche zuverlässige Beziehungen aufbauen können, das schätzen wir sehr.

Der «Wipkinger» stiess auf einige treue Stammkunden des Frischwarenmarktes, aber auch auf Erst­besu­cher*innen. Was sagen sie zum Frischwarenmarkt?

Uwe ist ein oft gesehener Besucher des Wipkinger Frischwarenmarktes. 

Uwe ist oft auf dem Wipkinger Frischwarenmarkt anzutreffen.

 

Uwe, aus unmittelbarer Nachbarschaft: Ich komme regelmässig hierher und schätze die Auswahl sehr. Ich kaufe vom Bio-Gemüse, Fleisch und Fisch über aktuell Suu­ser und Most bis zum Joghurt – es ist alles da und jetzt mit dem neuen Barista sogar Kaffee.

Michelle und Anna aus Höngg: Wir sind das erste Mal hier. Ich arbeite im Quartier und wir wollen einfach mal schauen, was es so gibt.

Jakob wünscht sich etwas Warmes zum Gleichessen.

Jakob wünscht sich etwas Warmes zum Gleichessen.

 

Jakob, junger Vater, aus dem Kreis  6: Ich kenne den Markt von Freunden, bin heute selber zum ersten Mal hier – jetzt habe ich Zeit und finde es super. Ich habe mich gerade mit frischem Gemüse, Brot und Käse eingedeckt. Schön wäre es, wenn es noch etwas kleines Warmes zu essen gäbe, das man gerade auf die Hand mitnehmen könnte.

Tina und Mona aus Wipkingen und Höngg:

Tina (links) und Mona entschleunigen auf dem Markt.

Tina (links) und Mona entschleunigen auf dem Markt.

 

 

Mona: Ich finde den Markt hier mega schön und heimelig und komme jeden Samstag her. Ich verweile auch gerne ein bisschen und lasse mich inspirieren, was ich kochen könnte am Wochenende. Es ist zwar teurer als beim Grossverteiler, aber dafür kaufe ich bewusst ein, weiss, dass ich Qualität bekomme und leiste mir die Dinge bewusst, überlege mir, was und wieviel ich wirklich brauche, anstatt einfach Mengen ins Einkaufswägeli zu werfen.

Tina: Auf mich wirkt es auch so schön entschleunigend hier. Man lächelt sich an, kennt sich, bleibt auf einen Schwatz stehen, so wird für mich der Einkauf zur Erlebniszeit. Ich bin sehr grün unterwegs, habe Freude an meinem eingekauften Gemüse. Fein jetzt in dieser Jahreszeit wäre ein Marroni-Stand.

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