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Die Mietzinsspirale in Wipkingen stoppen

30. Juni 2021 von

Florian Utz vor dem Wochenmarkt und der dramatischen Abbruch-Szenerie am Röschibachplatz im Hintergrund. Ein Schaubild der Gentrifizierung.
Foto: Mathias Egloff

Florian Utz vor dem Wochenmarkt und der dramatischen Abbruch-Szenerie am Röschibachplatz im Hintergrund. Ein Schaubild der Gentrifizierung.

Von

Online seit
30. Juni 2021

Printausgabe vom
01. Juli 2021
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Wer heute in Zürich eine Wohnung sucht, muss für die Miete doppelt so viel bezahlen wie noch vor 20 Jahren. Von der immer schneller drehenden Mietzinsspirale ist Wipkingen besonders stark betroffen – gerade hier kommt es wegen Luxussanierungen immer häufiger zur Verdrängung der lokalen Bevölkerung. So darf es nicht weitergehen: Wohnen muss endlich wieder für alle Zürcherinnen und Zürcher bezahlbar werden.

Die Angebotsmieten haben sich in Zürich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Das trifft nicht nur die Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger, sondern auch die aktuelle Bevölkerung. Denn immer häufiger kommt es zu Luxussanierungen oder Neubauprojekten, wie gerade derzeit am Röschibachplatz im Herzen von Wipkingen. Nicht selten sind solche Projekte mit Kündigungen verbunden, sodass die bisherigen Mieterinnen und Mieter neue Wohnungen suchen müssen. Viele Menschen machen sich deshalb Sorgen – und fragen sich, wie lange sie sich das Wohnen in ihrem Quartier noch leisten können.

Verdoppelung der Mieten

Dass die Mieten gestiegen sind, ist auch eine Folge davon, dass unsere Stadt wirtschaftlich erfolgreich ist. Und dass Wipkingen ganz besonders betroffen ist, liegt natürlich auch an der sehr hohen Lebensqualität. Beides – Zürichs Erfolg wie auch Wipkingens Lebensqualität – ist natürlich sehr erfreulich. Doch es darf nicht sein, dass Menschen von hier wegziehen müssen, weil sie hier keine bezahlbare Wohnung mehr finden. Schliesslich ist es gerade die lokale Bevölkerung, welche Zürich so erfolgreich und Wipkingen so lebenswert gemacht hat. Es ist geradezu grotesk, wenn nun viele Menschen zum Opfer ihres eigenen Erfolgs werden.
Deshalb braucht es dringend mehr preiswerten Wohnraum. Dazu gehören vor allem Wohnungen, die Genossenschaften oder der Stadt gehören. Diese Wohnungen werden nämlich zur Kostenmiete vermietet. Das heisst, dass die Mieterinnen und Mieter nur die effektiven Kosten bezahlen müssen – nicht mehr und nicht weniger. Wer in solchen Wohnungen lebt, erhält also keine Subventionen, muss aber auch keinen Gewinn eines Immobilienkonzerns finanzieren.

Drohende Verdrängung

Kein Wunder, sind diese Wohnungen bei der Bevölkerung beliebt. Die Stimmberechtigen haben denn auch bereits im Jahr 2011 mit einer überwältigenden Mehrheit von 75,9 Prozent entschieden, dass die Stadt Zürich den Anteil der Wohnungen mit Kostenmiete auf einen Drittel erhöhen soll. Doch geschehen ist seither sehr wenig: Der Anteil stagniert, und in den letzten vier Jahren ist er sogar leicht gesunken – von 26,5 auf 26,4 Prozent. Das widerspricht dem Volksentscheid diametral.
Deshalb braucht es jetzt eine Trendwende. Ein wichtiger Grundstein dafür ist gelegt: Dank einer von der SP initiierten Neuregelung der Finanzkompetenzen darf der Stadtrat nun Wohnliegenschaften in eigener Kompetenz kaufen. Diese Kompetenz muss der Stadtrat jetzt nutzen – und so dafür sorgen, dass möglichst viele Zürcherinnen und Zürcher bezahlbar wohnen können.
Das ist bitter nötig. Denn die Verdrängung von Teilen der lokalen Bevölkerung ist in vollem Gange. Es ist deshalb allerhöchste Zeit, dass die Stadt mehr Wohnungen kauft und so die Mietzinsspirale endlich stoppt. Davon profitieren – abgesehen von den Immobilienkonzernen – letztlich alle: Die Mieterinnen und Mieter müssen nicht immer mehr bezahlen, das lokale Gewerbe profitiert von der höheren Kaufkraft der Bevölkerung, und die dadurch geschaffenen Arbeitsplätze nützen letztlich auch der Stadtkasse – was wiederum den Kauf von mehr städtischen Wohnungen ermöglicht. Bezahlbare Wohnungen sind also eine echte Win-Win-Lösung.

Florian Utz, Gemeinderat SP, Jurist

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