Politik
Die Wipkinger Stadträtin geht in die zweite Runde
Bei den Stadtratswahlen wurde Simone Brander mit 61’512 Stimmen wiedergewählt – ein komfortables Ergebnis. Der Ausbau der Velovorzugsrouten und die Schaffung weiterer Grünräume in der Stadt bleiben wichtige Projekte der Umweltnaturwissenschaftlerin – und sorgen auch für Kritik.
12. März 2026 — Redaktion Wipkinger
Vor vier Jahren war sie die einzig Neue im Stadtratskollegium: Simone Brander, SP, wurde damals mit 46’732 Stimmen als Ersatz für Richard Wolff in die Exekutive gewählt und zog damit an sechster Stelle in die Regierung ein. In diesem Jahr stellte sie sich zur Wiederwahl – und konnte das Ergebnis noch toppen: Mit 61’512 Stimmen verteidigte sie ihren Platz. Brander lebt in Wipkingen und war für ihren Wahlkreis 10 zuvor bereits 13 Jahre lang, von 2009 bis 2022, im Gemeinderat aktiv.
Beruflich war die Umweltnaturwissenschaftlerin zudem unter anderem beim Bundesamt für Energie sowie als Fachspezialistin Energiewirtschaft beim Kanton Aargau tätig. Der Job als Stadträtin reizte sie, wie sie dieser Zeitung vor vier Jahren kurz vor ihrem Stellenantritt in einem Interview verriet, aus verschiedenen Gründen: «Ich möchte etwas bewirken, mitreden, strategische Fragen stellen können, mitentscheiden, das interessiert mich. Mit der Verwaltung zusammenzuarbeiten und die Agenda mitzuprägen.»
Macht interessiere sie in dem Zusammenhang, dass sie durch ihre Position Entscheidungsbefugnis erhalte, um Einfluss darauf nehmen zu können, dass Zürich das Ziel der Klimaneutralität möglichst schnell erreichen kann. Auf ihrer Webseite bezeichnet sie sich zudem als Brückenbauerin: «Zwischen Klima und Lebensqualität, zwischen sozialer Gerechtigkeit und einer gut funktionierenden Infrastruktur.»
Brückenbauen
Gelegenheit zum Brückenbauen hat sie als Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements gewiss genug. So zum Beispiel bei der Vermittlung zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmenden im Stadtverkehr: Schon vor ihrem Eintritt in den Stadtrat galt Brander als «Velopolitikerin», die das Volksbegehren Velovorzugsrouten bereits als Stadtparlamentarierin lancierte. Insbesondere in den letzten zwei Jahren hat sie ihre Bemühungen intensiviert, die Initiative auch tatsächlich umzusetzen. Auch die Eröffnung des Velotunnels am Hauptbahnhof gehört zu ihren Erfolgen.
Doch nicht alle sind derweil von ihrer Brückenbaufähigkeit überzeugt: Ihre in den Augen so mancher Stadtzürcherinnen und -zürcher sowie politischer Gegnerschaft kompromisslose Art hat ihr nicht nur Beifall eingebracht. So gibt es gegen viele der geplanten Velovorzugsrouten massiven Widerstand aus den jeweiligen Quartieren und auch ihre Entscheidung, die Entsorgungscoupons abzuschaffen, sorgte für einen Aufschrei.
Sich selber treu
Zumindest, so kommentierte das auch die «NZZ» im vergangenen Frühling, kann man Brander keine mangelnde Konsequenz vorwerfen: «Was immer man von ihrem Stil halten mag: Brander bleibt ihm auch dann treu, wenn sie unpopuläre Entscheide trifft.» So sieht das wohl auch die Stimmbevölkerung – mit dem jüngsten Wahlergebnis hat sie Brander jedenfalls den Auftrag erteilt, ihre Politik weiter zu verfolgen.
Oder, wie sie es gegenüber dem «Tages-Anzeiger» formuliert: «Es sieht so aus, als ob meine Arbeit wahrgenommen und geschätzt wird.» Ob sie auch in den kommenden vier Jahren dem Tiefbaudepartement vorstehen wird, wird sich noch weisen. Die Konstitutierungssitzung, in der sich die neun Mitglieder des Stadtrats auf die Verteilung der Departemente einigen, wird im April stattfinden.
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