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Quartierleben

Drei Bäume müssen vorerst weichen

26. September 2018 von

Einer der drei Bäume, der im Zuge der Sanierung Hönggerstrasse gefällt werden soll.
Foto: Patricia Senn

Einer der drei Bäume, der im Zuge der Sanierung Hönggerstrasse gefällt werden soll.

Leiter Park- und Grünanlagen Axel Fischer (rechts) erklärt, wieso die Fällung der drei Bäume an der Hönggerstrasse nötig sind.

Von

Online seit
26. September 2018

Printausgabe vom
27. September 2018
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Nachdem das Tiefbauamt der Stadt Zürich die Anwohner*innen am 30. August über den Beginn der Sanierungsarbeiten zwischen Wipkingerplatz und Dammstrasse informiert hatte, regte sich prompt Widerstand. Anlass waren drei Bäume, die gefällt werden sollen.

Die Information von Seiten der Stadt, nur zehn Tage vor Baubeginn, sei tatsächlich zu spät an die Anwohner*innen gelangt, entschuldigte sich der delegierte Leiter Park- und Grünanlagen, Axel Fischer, bei der kleinen Gruppe, die sich unter den betroffenen Bäumen an der Hönggerstrasse gleich bei der Tankstelle versammelt hatte. Dafür habe man umgehend auf die Kritik der Anwohner*innen reagiert und kurzfristig diese Informationsveranstaltung organisiert. Dass das Fällen von Bäumen eine hochemotionale Angelegenheit ist, bekamen die Vertreter der Stadt denn auch deutlich zu spüren: Einige der Anwesenden liessen sich nicht mit Entschuldigungen abspeisen und forderten eine Erklärung dafür, weshalb die drei Bäume der Axt zum Opfer fallen müssten.

Fünf für drei

Der Oberbau des Strassenabschnitts Hönggerstrasse zwischen Dammstrasse und Wipkingerplatz soll erneuert werden, nachdem 2016 bereits die Abwasserkanalisation und die Wasserleitung saniert worden waren. Auf dem vom Bauprojekt betroffenen Gebiet stehen drei Bäume, die der Stadt gehören. Drei weitere sind in Privatbesitz und werden nicht von der Stadt betreut. Grün Stadt Zürich hat ein Gutachten erstellt und ist dabei zum Schluss gekommen, dass die Pflanzen in einem schlechten Zustand sind: Bei den eigentlich robusten Robinien bilden sich die Kronen stetig zurück, das Totholz ist ein Sicherheitsproblem. Fischer attestierte den Bäumen eine Lebensfähigkeit von fünf bis sieben Jahren, danach müssten sie ohnehin ersetzt werden. Im Zuge der Sanierung würden auch die Baumrabatten, die heute knapp einen Meter breit sind, vergrössert, was den Bäumen mehr Wurzelraum und -Substrat geben werde. Ausserdem sollen zwei zusätzliche Bäume gepflanzt werden.

Beruhigung der Strasse hat Priorität

Die Argumente stiessen bei den meisten Anwesenden auf Verständnis. Claudio Della Chiesa, der zusammen mit anderen Anwohner*innen 2016 eine Petition für Tempo 30 auf diesem Strassenabschnitt eingereicht und eine positive Antwort des Stadtrats erhalten hatte, zeigte sich zwar erstaunt darüber, dass die Stadt so spät über die Massnahmen informiert hatte, lobt aber die Reaktion von Stadtrat Richard Wolff und den Verantwortlichen. Für ihn hat die Sanierung des Strassenbelags und insbesondere die Beruhigung der Strasse mit Tempo 30 erste Priorität. «Das Weglassen des Mittelstreifens und das markieren von Velowegen finde ich eine wertvolle Veränderung. Auch wenn dafür die Trottoirs schmäler werden», sagte Della Chiesa auf Anfrage. Etwas erstaunt hätten ihn aber die vielen Parkplätze, die neu geplant wurden. «Anstelle der Parkplätze hätte auch eine grosse Grünfläche oder ähnliches entstehen können», meinte er. Was die Bäume angehe, so sei es zwar schmerzhaft, diese fällen zu müssen, aber wenn stattdessen fünf neue, kräftige Pflanzen an dieser Stelle zu stehen kämen, sei dies in seinen Augen ein valabler Ersatz.

Anders sehen das zwei Bewohner der Hönggerstrasse, die sich vehement gegen eine Fällung aussprachen. Sie seien zwar sehr erfreut über die Erneuerung und die hoffentlich baldige Einführung von Tempo 30. Dass dafür aber drei 30 Jahre alte Bäume weichen müssten halten sie, trotz nachvollziehbarer Argumente von Grün Stadt Zürich, nicht für zwingend notwendig. «Wir wünschen uns, dass die Robinien bis auf Weiteres stehen gelassen werden und durch die neuen Bäume ergänzt werden. Die drei Bäume sind aus ökologischen Gründen und für das Strassenbild wichtig», sagen sie. «Wir vertrauen darauf, dass die Sanierungsarbeiten der Strasse sorgfältig genug gemacht werden können, ohne dass die Bäume Schaden nehmen». Auch sei ihnen wichtig, dass es sich bei den neu gepflanzten Bäumen um Sorten handle, welche eine grosse Baumkrone bilden, der Platz hierfür sei gegeben.

Tempo 30 soll im Anschluss umgesetzt werden

Hier widersprach Fischer nachdrücklich: Ein Ersatz in Etappen sei deshalb nicht möglich, weil die Belagsarbeiten die Wurzeln der Bäume beschädigen würden, die sich jetzt schon deutlich unter der Strasse abzeichnen. Dies würde deren Lebenserwartung weiter verkürzen. Er machte klar: Ohne Fällung der Bäume sei auch keine Sanierung möglich. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen, die Bäume werden noch ein paar Wochen stehen bleiben. Kommunikationsverantwortlicher Dienstabteilung Verkehr Heiko Ciceri, teilte auf Anfrage mit, dass Tempo 30 für die Hönggerstrasse auf dem Abschnitt Dammstrasse bis Wipkingerplatz inzwischen rechtskräftig sei. «Es wird versucht, dies auch noch ins laufende Bauprojekt aufzunehmen, so dass nach Abschluss der Bauarbeiten Tempo 30 eingeführt werden kann».

Die Details zum Bauprojekt
Fussverkehr
Die Hönggerstrasse weist auf der Nordseite zwei Ausbuchtungen auf. In diesen Bereichen befinden sich heute Parkplätze, die teils längs, teils schräg angeordnet sind. Das Trottoir verläuft im betreffenden Abschnitt der Grundstückgrenze entlang und folgt nicht dem Strassenverlauf. Mit einer Neuanordnung der öffentlichen Parkplätze in diesen Ausbuchtungen vor den Hausnummern 10 und 24 kann das Trottoir neu der Strasse beziehungsweise dem Radstreifen entlanggeführt werden. Auch wenn es auf dem Papier nach wenig aussieht, so ist die Massnahme ein klarer Fortschritt, Fusswege sollen immer so direkt wie möglich geführt werden.
Veloverkehr
Beidseitig werden durchgängige Radstreifen mit einer Breite von 1,5 Metern ausgeführt.
Tempo 30
Der Stadtrat hat die Einsprache gegen Tempo 30 am 11. Juli abgewiesen. Bis jetzt ist kein Weiterzug der Einsprache bekannt. Es wird damit gerechnet, dass Tempo 30 deshalb frühestens Ende 2018, wahrscheinlicher aber im Frühjahr 2019 eingeführt werden kann.
Fahrbahn
Die Fahrbahn wird als Kernfahrbahn ohne markierte Mittellinie ausgestaltet. Dies verstärkt die Wahrnehmung als T30-Strecke.
Wertstoffsammelstelle
Die oberirdische Wertstoffsammelstelle wird durch Unterflurcontainer ersetzt.

Die Bauarbeiten begannen am 10. September und dauern voraussichtlich bis Ende April 2019. Die Hönggerstrasse wird für den privaten Verkehr als Einbahnstrasse stadteinwärts geführt. Die Zufahrten zu den Liegenschaften sowie zu den Gewerbebetrieben sind gewährleistet, es ist jedoch mit Behinderungen zu rechnen. Die Arbeiten zum Strassenoberbau werden in zwei Teilen ausgeführt, der nördliche Bereich, Seite Coop, voraussichtlich bis Mitte Februar, jener limmatseitig zwischen Februar und April 2019.

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