Ein zertifiziertes Zentrum für den Kampf gegen Krebs

Das Stadtspital Zürich hat einen Meilenstein erreicht: Die Deutsche Krebsgesellschaft zeichnete das Tumorzentrum am Triemli als zertifiziertes Onkologisches Zentrum aus. Dessen Leiter, Dr. med. Axel Mischo, erklärt, warum das ein Vorteil für die Patientinnen und Patienten ist. Am 18. November findet zudem der «Tumortag» statt.

Dr. med. Axel Mischo, hier in der frisch renovierten Eingangshalle des Stadtspitals Zürich Triemli, hält das Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft in den Händen. (Foto: dad)
Der PET/CT-Scanner erzeugt ein dreidimensionales Bild der Stellen im Körper mit hohem Energieumsatz. PD Dr. med. Nguyen-Kim, Chefärztin der Radiologie, zeigt die tumorverdächtigen Areale. (Foto: dad)
Im PET/CT-Scanner wird das CT-Bild angezeigt und dank der PET-Methode können die Stoffwechselaktivitäten im Körper untersucht werden. (Foto: dad)
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«Mehr als einer von fünf Menschen erkrankt vor dem 70. Lebensjahr an Krebs. Krebs ist die häufigste Ursache für vorzeitige Sterblichkeit. Eine von sechzehn Personen wird infolge Krebs hospitalisiert.» Das schreibt das Bundesamt für Statistik in der Einleitung zu den Zahlen der Tumorerkrankungen in der Schweiz auf seiner Website.

Und es gibt nicht den einen Krebs: Die Erkrankungen sind stets komplexe, vernetzte Krankheitsbilder, die sich nicht allein von einem Generalisten oder einer Generalistin einschätzen und beurteilen lassen. Die im individuellen Körper oft weitläufig vernetzten Tumorerkrankungen erfordern ein ebenso weitläufig koordiniertes Teamwork im Spital und den Einbezug von viel Spezialwissen.

Aus diesem Grund verfügt das Stadtspital Zürich, zu dem auch das Waid in Wipkingen gehört, über das Tumorzentrum am Triemli. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zeichnete das Tumorzentrum als zertifiziertes Onkologisches Zentrum aus. «Diese Zertifizierung garantiert den Patientinnen und Patienten sowie den Zuweisenden, dass die hochstehenden Standards eingehalten werden», sagt Dr. med. Axel Mischo, der das Zentrum seit 2021 leitet.

Ein vergleichbares Konzept der Zertifizierung, das die häufigsten Tumorarten einbindet, gibt es in der Schweiz nicht, daher ist man im Stadtspital Zürich sehr erfreut über das deutsche Zertifikat.

Das Tumorzentrum

Die Zertifizierung ist auch eine Verpflichtung: Das Tumorzentrum am Stadtspital Zürich Triemli muss nicht nur die fachlichen Anforderungen an ein onkologisches Zentrum erfüllen, es muss jährlich der DKG nachweisen, dass es ein gleichbleibend hohes Qualitätsniveau einhält und neue Entwicklungen in der Tumorbehandlung umsetzt.

Der Begriff «Zentrum» meint dabei nicht ein konkretes Gebäude; es handelt sich vielmehr um die Vernetzung innerhalb des Stadtspitals selbst. Konkret agieren das Brustzentrum, das Darmkrebs- und Pankreaszentrum, das Gynäkologische Zentrum, das Zentrum für Hämatoonkologie, das Lungenkrebs- und das Prostatakrebszentrum unter dem virtuellen Dach des Tumorzentrums. «Beteiligt sind damit sämtliche Mitarbeitenden, vom Klinikchef und der Ärzteschaft über die Pflege bis zur Physiotherapie, dem Sozialdienst, der Tumordokumentation bis zur Studienkoordination, um nur einige zu nennen. Das alles macht ein Tumorzentrum aus», so Mischo.

Ausschlaggebend für ein zertifiziertes Zentrum sei neben der hochstehenden Qualität der Behandlung auch die Zahl der behandelten Patienten, erklärt Mischo. «Das Zentrum umfasst die häufigsten Tumorerkrankungen, was nicht heisst, dass weniger häufige Tumorerkrankungen im Stadtspital nicht ebenso nach neusten Standards behandelt werden.»

Die Tumorboards

Insgesamt zählt das Tumorzentrum am Triemli jedes Jahr rund 1000 neue Krebspatientinnen und -patienten. Deren Krankheit und Therapie werden alle einzeln in sogenannten Tumorboards thematisiert. Es handelt sich dabei um den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen. «Tumorerkrankungen sind komplex: von der Entstehung über die Ausbreitung bis zur Behandlung. Um diese Komplexität vollständig zu erfassen, benötigt es das Fachwissen vieler», sagt Mischo.

Also kommen in diesen Boards die Spezialisten aus der Onkologie, der Tumorchirurgie, der Radioonkologie, der Radiologie und der Pathologie sowie dem jeweiligen organspezifischen Fachgebiet der Inneren Medizin zusammen. «Das sind intensive Gespräche, in denen das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen geplant wird», so der Zentrumsleiter. In den Boards wird beispielsweise entschieden, ob eine Operation sein muss, oder ob eine Strahlen- oder eine Chemotherapie angewendet wird.

Ebenso kann sich der Kreis an Spezialistinnen und Spezialisten erweitern: Fachpersonen aus der Palliative Care, der Ernährungsberatung oder der psychosozialen Begleitung nehmen, wenn nötig, teil. Natürlich seien viele Behandlungen auch standardisiert, sagt Mischo, aber die Biologie lasse sich eben nicht immer in Schubladen stecken.

Ein dynamisches Feld

Die Onkologie sei vermutlich die Fachdisziplin, die sich zurzeit am dynamischsten in der Medizin entwickelt, erklärt Mischo. «Als Beispiel nenne ich die Immuntherapie, die im Jahr 2011 erstmals zugelassen wurde. Auf einmal kam diese neue Säule in der Therapie zum Tragen und Tumorerkrankungen wie der Schwarze Hautkrebs, der früher schwer heilbar war, können damit heute oft erfolgreich behandelt werden.»

Neue Therapien werden immer wieder entwickelt, allerdings gehe das auch nicht von heute auf morgen. «Vom ersten Laborversuch bis hin zu den ersten Therapiestudien an Menschen können über zehn Jahre vergehen.» Dennoch erlebe man immer wieder Erfolgserlebnisse in der Behandlung. «Wenn wir eine Heilung durch neue Medikamente erleben, ist das ein grosser Ansporn für uns alle», sagt Mischo.

Alle, die Tumorpatientinnen und –patienten behandeln, kennen aber auch die vernichtende Seite der Krankheit, wenn sie sich nicht mehr aufhalten lässt. Dies den Patienten zu übermitteln braucht viel Einfühlungsvermögen. Trotz allem lässt sich leider nicht ändern, dass eine schlechte Nachricht eine schlechte Nachricht bleibt. Das sei bitter für alle involvierten Personen.

Die Diagnostik

Es ist nicht selten der Fall, dass der Krebs im Frühstadium nicht erkannt wird – oder nur durch Zufall bei einer anderweitigen Untersuchung. «Im Frühstadium machen Tumore oft noch keine Beschwerden, erst, wenn sie weiter fortgeschritten sind», so Mischo. Die Heilung einer fortgeschrittenen Erkrankung sei dann schwieriger. Die Vorsorgeuntersuchungen für Brust-, Darm- und Prostatakrebs sind sehr gut definiert und sollten mit der Hausärztin oder dem Hausarzt abgesprochen werden. Das Alter und die familiäre Krankheitsgeschichte sind Faktoren, die dabei berücksichtig werden.

Das Stadtspital Zürich verfügt bei der Diagnostik über Technologien auf dem neusten Stand: Im Tumorzentrum am Triemli gibt es unter anderem ein neues PET/CT-Gerät, das die Positronen-Emissionstomographie (PET) und die Computertomographie (CT) vereint und damit Krankheiten, darunter Tumore, genauer nachweisen kann. Im sogenannten PET/CT-Scanner wird zum einen das herkömmliche CT-Bild angefertigt, das die anatomischen Begebenheiten im Körper darstellt, zum anderen wird die PET-Methode eingesetzt, welche die Stoffwechselaktivitäten im Körper anzeigt.

Dafür wird eine Stunde vor dem Scannen der zu untersuchenden Person radioaktiver Zucker in den Körper gespritzt, der für Menschen unbedenklich ist. Im Scanner werden schliesslich verschiedene Bilder erstellt, die Schicht für Schicht ein dreidimensionales Bild ergeben. So werden Stellen im Körper sichtbar, die viel Energie verbrauchen, so wie Tumorgewebe.

Das Stadtspital Zürich wird im November ausführlich über die Vorsorge und die Behandlung in der Tumormedizin informieren: Am Tumortag vom 18. November (siehe Kasten unten) erhalten Patientinnen und Patienten, Angehörige, aber auch Menschen, die sich informieren möchten, am Standort Triemli spannende Einblicke. Auch Dr. med. Axel Mischo wird vor Ort sein und umfassend über sein Tumorzentrum berichten.

Tumortag 2023

Das Neuste aus der Tumormedizin und wie die Vorsorge und Behandlung von Tumorerkrankungen aussieht. Neben Vorträgen und einem persönlichen Austausch mit Fachpersonen sind interaktive Programmpunkte wie Workshops und Rundgänge im Spital geplant.

Information und Anmeldung:
www.triemli.ch/tumortag

Samstag, 18. November,
von 10 bis 15 Uhr,

Stadtspital Zürich Triemli
Birmensdorferstrasse 497.

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