Eine züritüütsche Hommage an Hemingways alten Mann

Heinz Wegmann hat sich bereits sein ganzes Leben mit Literatur beschäftigt: nicht nur als Leser, sondern auch als Verleger, Schriftsteller und Übersetzer. Sein neustes Werk, «Der alt Maa und s Meer», zeugt davon.

Heinz Wegmann

Das Schreiben begleitet Heinz Wegmann schon sein Leben lang. Seit seiner Kindheit, die er mit seiner Familie in Wipkingen verbracht hat, bringt er seine Gedanken gerne zu Papier, in Poesie und Prosa.
Gelernt hat er ursprünglich mal Primar- und Sekundarlehrer, doch als Lehrer war er nur kurze Zeit tätig. Danach wechselte er ins Verlagswesen, das lag ihm mehr. Das dazu notwendige Handwerk lernte er zunächst in einem Lehrmittelverlag, anschliessend war er viele Jahre Verlagsleiter beim SJW, dem Schweizer Jugendschriftenwerk, das die klassischen Lesehefte für Schüler*innen produziert.

Übersetzungen ins Züritüütsche

1976 kam sein erstes eigenes Buch heraus, seither ist eine ganze Fülle an Gedichten, Kurzgeschichten, Kinderbüchern und Übersetzungen entstanden. Eines seiner Steckenpferde ist dabei die Mundartliteratur. Wegmann übersetzt Weltliteratur ins Züritüütsche. Einige literarische Meisterwerke hat er bereits übersetzt, alles Werke, die für ihn persönlich eine grosse Bedeutung haben. Wie «De chlii Prinz»: «Dieses Buch habe ich schon als Kind verschlungen und unzählige Male gelesen», gesteht er dem «Wipkinger».
Für die Rechtschreibung orientiert er sich bei seinen Übersetzungen am Zürichdeutschen Wörterbuch von Heinz Gallmann, eigentlich der einzigen Referenz, die es in Bezug auf die korrekte Verwendung des Dialekts gibt. Seine Sprache ist dabei, wie er selbst sagt, ein Züritüütsch, wie es leibt und lebt: allzu modische Wörter wie «geil», «mega» oder «krass» finden in seine Texte keinen Eingang, er verwendet einen Wortschatz, mit dem er sich selber mündlich ausdrückt.
Ein dogmatischer Verfechter der «Bewahrung» der Sprache ist er jedoch nicht: «Dialekt ist für mich ein sehr flexibles Konstrukt. Die Sprache lebt und ändert sich ständig.»

Mensch gegen Natur – oder mit der Natur

Diesen März konnte Wegmann nun, nach zwei Jahren Arbeit, sein jüngstes Werk veröffentlichen: «Der alt Maa und s Meer». Den Klassiker von Ernest Hemingway hat Wegmann direkt vom Englischen übersetzt, Satz für Satz. «Die Geschichte ist für mich einerseits eine wunderschöne Metapher für das ewige Ringen um Sieg und Niederlage, für die Beziehung zwischen Jung und Alt, für das Verhältnis der Menschen zur Natur. Die Lektüre war für mich wie eine kleine Offenbarung», erklärt er seine Wahl. Illustriert wurde das Buch von Verena Pavoni. Die Ausstattung und typographische Gestaltung stammen vom Höngger Francois G. Baer. Pünktlich zum 70-Jahr-Jubiläum der Erstveröffentlichung des nobelpreisgekrönten Romans ist der alte Mann damit nun auch in Zürich angekommen.

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