Gesundheit
«Es gibt eine Chance auf Heilung»: Die Pankreas-Chirurgie am Stadtspital Zürich
Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt als besonders schwer behandelbar. Am Stadtspital Zürich setzen Spezialistinnen und Spezialisten auf schnelle Diagnostik, enge Begleitung und hoch spezialisierte Teamarbeit – mit realen Chancen auf Heilung.
24. Juni 2026 — Redaktion Wipkinger
Von Pia Soldan
Das Wesentliche zuerst: «Es gibt eine Chance auf Heilung.» Dass eine gezielte Behandlung bei Tumoren in der Bauchspeicheldrüse erfolgreich sein kann, ist Prof. Dr. Markus Weber als Chefarzt der Viszeralchirurgie am Stadtspital Zürich wichtig zu betonen.
Um so vielen Patientinnen und Patienten wie möglich auch nach einer Pankreas-Krebserkrankung ein gutes Leben zu ermöglichen, steht er Seite an Seite mit seinen Kolleginnen und Kollegen der unterschiedlichsten Fachdisziplinen der hoch spezialisierten Medizin.
«Ein Krebspatient erhält innerhalb von höchstens sieben Tagen einen Termin», versichert Prof. Dr. Weber. Anschliessend beginnt man am Stadtspital Zürich zügig mit der eingehenden endoskopischen Diagnostik. Seit etwa fünf Jahren hat der Gastroenterologie-Chefarzt Prof. Dr. Christoph Gubler zusammen mit der Pathologie dafür ein Verfahren als Routine etabliert, das eine mikroskopische Analyse des Gewebematerials innerhalb einer Viertelstunde während der endoskopischen Untersuchung ermöglicht.
«Möglichst schnell wieder ganz normal essen»
Lautet die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs und eine Operation ist möglich, erhält die betroffene Person verschiedene Termine im Ambulanten Perioperativen Zentrum (APZ). Während ihrer gesamten chirurgischen Behandlung wird man ausserdem von einer ERAS-Nurse begleitet. ERAS steht für Enhanced Recovery after Surgery, also eine rasche und optimale Erholung nach dem Eingriff.
Ein integraler Teil der Behandlung ist ein Gespräch mit einer Ernährungsberaterin, das einen möglichst guten Ernährungszustand für die Operation zum Ziel hat. Denn ein Pankreas-Tumor führt in vielen Fällen zu Gewichts- und Muskelmasseverlust, den es über eine energie- und proteinreiche Ernährung abzufangen gilt.
Mit einer speziellen Trinknahrung unterstützt Maja Dorfschmid, Ernährungsberaterin SVDE, dabei. Ausserdem berät sie die Patientinnen und Patienten zur Ernährung nach dem Eingriff: «Wir wollen, dass sie möglichst schnell wieder ganz normal essen.» So ist es möglich, bereits ab dem ersten Tag nach der Operation wieder zu essen und zu trinken.
Das Tumor-Board
Für die Patientinnen und Patienten im Stadtspital Zürich wird im Rahmen eines sogenannten Tumor-Boards individuell entschieden, welches die beste Behandlung ist. Hier kommen die unterschiedlichen Professionen zusammen und die Ergebnisse der Gewebeanalysen und die Bilder aus der Radiologie werden gemeinsam intensiv analysiert.
Auch bei gynäkologischen oder urologischen Krebsarten, Lungen- und Blutkrebs sowie bei Krebs im Magen-Darm-Trakt oder bei Leberkrebs treffen sich die Spezialistinnen und Spezialisten zu einem Tumor-Board, so Prof. Dr. Weber: «Das ist das Rückgrat der hochspezialisierten Medizin.» Damit werde auch der Entscheid zur Operation breit abgestützt. Niemand entscheide allein im «stillen Sprechstundenkämmerlein über die Notwendigkeit einer Operation.
Das Tumor-Board ist verpflichtend und Voraussetzung für die Zulassung als Tumorzentrum (der «Höngger Wipkinger» berichtete). Hinzu kommt eine minimale Fallzahl von zwölf Pankreaskrebs-Operationen pro Jahr, die das Stadtspital Zürich bei Weitem übertrifft. Mit 50 bis 60 solcher Operationen jährlich gehört das Stadtspital Zürich zu den grössten auf dieses Fachgebiet spezialisierten Zentren der Schweiz.
Mit dieser umfangreichen Erfahrung ist es der Gastroenterologie, der Radiologie, der Viszeralchirurgie und der Onkologie möglich, qualifiziert individuell über die Behandlungsstrategie zu entscheiden. 98 Prozent der Operationen verlaufen so erfolgreich.
Entscheidend für den Erfolg einer Operation ist nicht allein die Chirurgie, sondern das harmonische Zusammenspiel der vorgenannten Fachgebiete und vieler weiterer Berufsgruppen wie den Pflegenden auf den Bettenstationen und im Aufwachraum sowie der Physiotherapie. Dieses multiprofessionelle Team ermöglicht es, auch möglichen Komplikationen rasch und zielgerichtet zu begegnen.
ERAS für eine gute Genesung
Vor jeder Operation erhält eine betroffene Person einen ersten Termin im APZ bei einer der beiden ERAS-Nurses am Stadtspital. Enhanced Recovery after Surgery ist ein Programm, nach dem das Stadtspital bei allen Personen mit Pankreas-, Leber- und kolorektalen Tumoren arbeitet. Darin durchlaufen sie rund zwanzig Behandlungselemente mit dem Ziel, möglichst schnell zu genesen.
Die Aufgabe der ERAS-Nurse ist es, die Betroffenen über den gesamten Behandlungszeitraum hinweg intensiv zu begleiten. So sorgt sie abhängig von den individuellen Bedürfnissen für psychologische und psychoonkologische Betreuung, Körpertherapie, Seelsorge oder Begleitung durch den Sozialdienst. Auch die Anmeldung des Case Managements für die an die Operation anschliessende Reha liegt in ihrer Hand.
Als Ansprechpartnerin für alle Fragen steht die ERAS-Nurse jederzeit zur Verfügung. «Viele sagen nachher: Jetzt sind sie weniger nervös», berichtet die ERAS-Nurse Lea Guidon aus ihrer täglichen Praxis. Auch nach dem stationären Aufenthalt bleibt sie an der Seite der Patientin oder des Patienten.
Verlieren diese Gewicht oder klagen über Verdauungsbeschwerden oder Schmerzen, vermittelt sie die Patienten sofort an die Ärzteschaft oder die Ernährungsberatung. «Wir begleiten sie weiter, solange es uns braucht», so Guidon. Anschliessend übergibt sie an die Cancer Nurse, welche die Begleitung während der Chemotherapie übernimmt.
Neue Hoffnung
Es ist dieses dichte Netz aus unterschiedlichen Professionen beim Stadtspital Zürich, das laut Prof. Dr. Weber tagtäglich davon überzeugt, «dass wir die Menschen nicht fallenlassen». Und wenn Onkologe Yannick Buccella gelegentlich ein Foto von einem Hawaii-Urlaub oder einem erfolgreich absolvierten Führerschein erhält, das von neuem Lebensmut zeugt, wird ihm klar, warum die hoch spezialisierte Medizin trotz aller Belastungen auch ihm als Arzt immer wieder Hoffnung gibt.
Weitere Informationen: Stadtspital Zürich


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