Gaming: Jugendliche setzen auf Spass und Gemeinschaft

In der Offenen Jugendarbeit (OJA) Kreis 6 & Wipkingen haben Jugendliche ein Game-Turnier organisiert, das mehr als nur einen Wettbewerb um die/den beste*n Gamer*in beinhaltete. Nils, einer der Organisatoren, spricht über die Idee, die hinter diesem Event steckt.

Ein grosser Spass: Jugendliche bei einem Game-Turnier. (Foto: zvg)

Ein Artikel von Mirjam Rühle

Nils erklärt die Ursprungsidee: «Wir haben gemerkt, dass wir beim Mario-Kart-Spielen enorm viel Spass haben können. Also haben wir beschlossen, etwas Grösseres daraus zu machen, bei dem wir ausgiebig zocken können. Es ging weniger darum, den besten Mario-Kart-Spieler zu küren, sondern vielmehr um den Spass am Turnier selbst.»

Die Gaming-Vorlieben von Nils spiegeln wider, dass es nicht nur um das neuste Spiel geht, sondern auch um Grafiken und vor allem den sozialen Aspekt. «Ich spiele alles gerne, das gute Grafiken hat. Besonders mag ich Mehrspieler-Spiele wie Mario-Kart, Rayman oder Spiele, bei denen man eigene Levels erstellen und mit anderen spielen kann.»

Auch wenn Nils alleine zu Hause spielt, tut er dies gerne online, wo er sich dann mit seinen Kolleginnen virtuell im Game trifft. «Dann können wir zusammen einen Raum erstellen, in diesen Raum gehen und zusammen spielen. Dort kann man sich auch miteinander unterhalten. Man kann etwa ‹Voice-Chat› machen.» Dabei sind ihm auch die Gefahren solcher virtueller Treffen bewusst: «Wenn ich die anderen Spieler nicht kenne, dann bin ich da manchmal etwas misstrauisch.»

Gaming als Kompetenzförderer

Gaming steht oft in der Kritik, da es eine Reihe von negativen Auswirkungen auf die Psyche oder auch auf die körperliche Gesundheit haben kann. Doch gibt es auch positive Fähigkeiten, die durch Videospiele gefördert werden. Beispielsweise können kognitive Kompetenzen wie logisches Denken und die Fähigkeit zur Problemlösung oder sensomotorische Fähigkeiten wie etwa eine schnelle Reaktionsfähigkeit und eine gute Hand-Auge-Koordination trainiert werden.

Besonders bei Mehrspieler-Games werden soziale Kompetenzen wie Teamwork und Empathie gefördert. Auch persönliche Kompetenzen wie Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz können geschult werden, wenn im Game nicht alles auf Anhieb gelingt.

Für Nils ist das Erlernen von Skills ein bedeutender Aspekt und er merkt direkt beim Spielen, wie er besser wird: «Wahrscheinlich ist es auch mit Sucht verbunden, aber ich finde gut, dass man mit dem Üben besser wird. Es ist weniger eine Frage von Talent, sondern mehr von Können. Matheaufgaben sind jetzt vielleicht nicht ein so guter Vergleich, aber du kannst gut Kopfrechnen, weil du es geübt hast, und du kannst gut gamen, weil du es geübt hast.»

«Suchten»

Viele Jugendlichen sprechen nicht von «gamen», sondern von «suchten». Sie wissen und spüren, dass eine gewisse Abhängigkeit entsteht und teilweise auch durch mehr oder weniger perfide Strategien im Game gefördert werden. Doch ab wann kann man von einer Gaming-Sucht sprechen? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das exzessive Spielen von Videogames (Gaming Disorder) als psychische Erkrankung anerkannt.

Gemäss dieser Definition liegt eine Sucht nach Computerspielen vor, wenn Spielerinnen andere Interessen und tägliche Aktivitäten zugunsten des Spielens vernachlässigen, die Kontrolle über die Häufigkeit und Dauer des Spielens verlieren und trotz möglicher negativer Konsequenzen weiterhin exzessiv spielen. Die Diagnose einer Computerspielsucht erfolgt dabei erst, wenn dieses Verhalten über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten besteht und das Spielen schwerwiegende Auswirkungen auf das Familienleben, die Ausbildung oder die berufliche Tätigkeit hat.

Die OJA Kreis 6 & Wipkingen hat die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen sich des Suchtpotenzials bewusst sind und vorsichtig mit dem Medium umgehen. Nichtsdestotrotz helfen ihnen gewisse Einschränkungen, damit der Drang nach Gaming in einem gesunden Rahmen bleibt und dass insbesondere auch Zeit und Raum bleiben für Aktivitäten im realen Leben.

Für Nils passt es, wie es seine Eltern zu Hause mit ihm handhaben: «Ich frag sie einfach und sie sagen mir, ob ich darf oder nicht, und dann sagen sie mir, wann ich aufhören soll. Es ist gut, dass es etwas flexibel bleibt. Wenn du Zeit hast, dann gamest du etwas mehr und wenn du merkst, jetzt hast du etwas viel gezockt, dann machst du mal eine Woche Pause und dafür darfst du danach wieder etwas mehr.»

Wichtig ist sicher, dass man Game-Zeiten (und auch Game-Inhalte) zusammen mit den Jugendlichen diskutiert und vereinbart. Dies hilft ihnen, die Überlegungen dazu zu verstehen, Abmachungen einzuhalten und auch Gefahren zu erkennen.

Eingesandt von OJA Kreis 6 & 10

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