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Gleichberechtigung macht freier

24. März 2021 von

Carlo Metz (56), Mitgliederbetreuung GLP Kreis 6&10
Foto: zcg

Carlo Metz, Vorstand GLP Kreis 6&10

Von

Online seit
24. März 2021

Printausgabe vom
25. März 2021
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Vor sieben Jahren reichte die glp eine parlamentarische Initiative ein, die für die Entwicklung unserer Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist.

Die Initiative für die «Ehe für alle» fordert den Gesetzgeber auf, endlich auch in der Schweiz alle rechtlich geregelten Lebensgemeinschaften für alle Paare zu öffnen, ungeachtet ihres Geschlechts. Diese Gleichberechtigung ist für uns alle so enorm wichtig, nicht nur für die gleichgeschlechtlichen Paare selbst, sondern besonders auch für deren Familien und Kinder.
Die Ehe ist eine gesellschaftliche Institution und so alt wie die Menschheit selbst. Gründe zu heiraten gibt es viele und zwar unabhängig vom Geschlecht. Neben ganz persönlichen Motiven wollen sich Menschen durch die Ehe besser absichern für die Zukunft und ihren Kindern ein stabiles Umfeld bieten. Die Ehe ist etwas, das Sicherheit gibt. Im rechtlichen Sinn ist das eine Art Vertrag zwischen zwei Menschen, die sich lieben und füreinander einstehen. Deshalb ist die Öffnung der Ehe für Menschen gleichen Geschlechts und deren rechtliche Verankerung nur ein längst fälliger, logischer Schritt.

Für die Mehrheit gehören Kinder zum Lebensentwurf dazu

Entgegen den Trends gibt es junge Menschen, die sich früh füreinander entscheiden. Mehr als die Hälfte aller 25- bis 34-Jährigen in der Schweiz wollen heiraten. Und für fast zwei Drittel der Menschen in der Schweiz gehören Kinder zum Lebensentwurf dazu, egal ob Mann oder Frau. Und es gibt verschiedene alternative Lebensformen, wie beispielsweise «Patchworkfamilien», das heisst, wenn ein Elternteil eine Beziehung mit einem neuen Partner, einer neuen Partnerin eingeht. Das klingt fröhlich und farbig. Doch so selbstverständlich diese Familienform heute ist, nicht immer ist der Lebensweg bewusst frei gewählt, sondern wird durch ein Schicksal bestimmt.
Der Staat macht rechtlich immer noch einen Unterschied zwischen Paaren verschiedenen oder gleichen Geschlechts. Unterschiede gibt es für den gemeinsamen Familiennamen, bei den Einbürgerungen und insbesondere beim Adoptionsrecht. Wenn eine Frau und ein Mann zusammen einem Kind ein liebevolles Zuhause geben möchten, so steht ihnen dafür die Adoption offen. Wenn zwei Frauen oder zwei Männer Eltern werden wollen, weist das aktuelle Gesetz grosse Mängel auf. Die gemeinschaftliche Adoption ist nicht erlaubt. Dies gilt es dringend zu ändern.

Die Schweiz hinkt weit hinterher

Politiker von EDU, SVP und wenige Vertreter der Mitte haben das Referendum gegen die Ehe für alle ergriffen. Zumeist werden rechtliche und moralische Bedenken angeführt. Diese Bedenken stammen aus einer anderen Zeit. Heute haben wir erkannt, dass Väter genauso gut für Kinder sorgen können wie Mütter. Ob Mama einen Papi oder eine andere Mama liebt, ist für das Wohl der Kinder nicht entscheidend. Viel mehr zeichnen Liebe, Fürsorge, Einfühlsamkeit und andere Verhaltensweisen und Werte gute Eltern aus. Eltern sind Vorbilder, ob sie wollen oder nicht – und das gilt für alle Elternpaare.
Als Gesellschaft müssen wir uns weiterentwickeln. Niemand verliert etwas mit der Ehe für alle – im Gegenteil, es gäbe noch mehr glückliche, gleichberechtigte Familien. Die Schweiz hinkt im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten und Skandinavien hinterher. Das ist unwürdig und unverantwortlich für ein modernes und liberales Land.

Abstimmung im Herbst

Wie geht es weiter? Der National-und der Ständerat haben der Ehe für alle im Dezember zugestimmt. Damit diese umgesetzt werden kann, braucht es eine Gesetzesänderung, gegen welche das Referendum ergriffen wurde. Sollte das Referendum zustande kommen, kommt es voraussichtlich im Herbst 2021 zu einer Volksabstimmung.

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